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Um Energie zu sparen – Supermarktkette will Öffnungszeiten verkürzen

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Von: Sarah Isele

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Aufgrund der Energiekrise und des Personalmangels möchte Tegut täglich früher schließen. Der Geschäftsführer wendet sich in einem Brief an die Regierung:

Die Läden früher zu schließen, das wünscht sich die Supermarktkette Tegut. Hierbei geht es speziell um das Energiesparen und darum, dem Personalmangel entgegenzuwirken. In Bayern und dem Saarland haben die Supermärkte – anders als in Baden-Württemberg – kürzere Öffnungszeiten als in anderen Bundesländern. Diese beiden sollen nun Vorbilder für das neue Konzept sein. Der Geschäftsführer von Tegut wendet sich im August mit einem Brief an die 16 Landesregierungen.

Supermarktkette Tegut: Kürzere Öffnungszeiten lange gang und gäbe

Für uns heute unvorstellbar, doch vor wenigen Jahren noch Realität: Der Einzelhandel hat kürzere Öffnungszeiten. Vor 1996 schließen Supermärkte bereits um 18 Uhr. Die Einführung des langen Donnerstags 1989, als Läden bis 20:30 Uhr geöffnet sind, war revolutionär – aber auch mit Kritik behaftet. 1996 erfahren die Ladenöffnungszeiten eine weitere Lockerung, einkaufen ist von sechs bis 20 Uhr möglich. Samstags bis 16 Uhr, ab 2003 dann ebenfalls bis 20 Uhr.

Heute gibt es Ladenöffnungszeiten bis 22 und 24 Uhr. Lange Ladenöffnungszeiten sind vor allem für die arbeitende Gesellschaft praktisch. So kann man nach der Arbeit noch schnell zu einem Supermarkt und dort den Einkauf für den nächsten Tag oder gar die ganze Woche erledigen. Natürlich ist dieser späte Einkauf nur in großen, nationalen Supermarktketten möglich, kleine Läden – wie Metzger und Traditionsbäckereien – schließen früher.

Tegut will Öffnungszeiten verkürzen: Steigende Energie- und Gaspreise

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, möchte Tegut dieses Konzept nun ändern. Aufgrund der Anstrengungen der letzten Jahre durch Pandemie, Inflation, Lieferengpässe bei Nahrungsmitteln und steigende Energie- und Gaspreise muss auch die Lebensmittelbranche sehen, dass sie über die Runden kommt.

Auch haben die Supermärkte immer mehr mit Personalmangel zu kämpfen. Überall fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Verbraucher beschweren sich sofort, wenn etwas nicht mehr vorhanden ist, wenn die Abgabezahl begrenzt wird oder wenn die Angestellten ihrer Meinung nach unhöflich sind. Um Energie zu sparen, werden schon einige Versuche angestellt: Viele Städte etwa schalten die Beleuchtungen von Bauwerken und Plätzen ab, Heidelberg beispielsweise.

Supermarktkette verkürzt Öffnungszeiten: Vorteile auch fürs Personal

Bislang gelten Bayern und das Saarland in den Augen der Konsumenten als rückständig. Doch Tegut Geschäftsführer Thomas Gutberlet sieht im Vorbild der beiden Bundesländer die große Chance. Die Supermärkte sollen nachhaltiger werden, also stromsparender. Wenn früher geschlossen wird, wird weniger Energie verbraucht. Es muss nicht weiterhin der gesamte Laden für 18 Stunden (6-24 Uhr) am Tag ausgeleuchtet werden.

Bei kürzeren Öffnungszeiten beläuft sich die Belichtungszeit auf 14 Stunden oder weniger, was einen enormen Unterschied macht. Auch für das Personal haben kürzere Öffnungszeiten Vorteile: sie müssen nicht mehr so lange im Laden stehen, die Spätschicht kommt zu normalen Uhrzeiten nach Hause, die Mitarbeiter sind weniger Stress ausgesetzt. So soll auch die Arbeitsstelle wieder attraktiver gemacht werden, damit sich wieder mehr Menschen für einen Job im Einzelhandel interessieren.

Supermarktkette verkürzt Öffnungszeiten: Brief an die Regierungen

Die Gewerkschaft Verdi begrüßt das Vorhaben des Geschäftsführers und unterstützt es auch, da sich viele Mitarbeiter über das Arbeitspensum und die Arbeitszeiten im Supermarkt beschweren. Ein Geschäftsführer von 16 Edeka-Märkten im Raum Lörrach etwa schloss seine Filialen während des Sommers an einem Tag in der Woche früher. Gutberlet erläutert zwar noch nicht, wie genau er sein Vorhaben in die Tat umsetzen möchte, jedoch scheint es mit Blick auf andere Märkte und andere Bundesländer zu funktionieren.

Ebenfalls arbeiten in Hamburg mehrere Supermärkte an verkürzten Öffnungszeiten, um dem Personalmangel entgegenzukommen. Da Gutberlet die verkürzten Öffnungszeiten deutschlandweit und für jeden Supermarkt einführen möchte, schreibt er an die 16 Bundesländer einen Brief, in dem er dieses Vorhaben erklärt. Dies geschah im August, nun, 4 Wochen später, erhält er noch immer keine Antwort auf seine schriftliche Bitte. Aber vielleicht gibt es bald wieder Öffnungszeiten wie früher. (rah)

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