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Europapark: Insider warnt vor Achterbahn-Gefahr –„Gebrochene Hand kann...“

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Von: Josefine Lenz

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Europapark – Immer wieder müssen Besucher auf die wilde Fahrt in einer Achterbahn verzichten, weil sie zu groß oder zu klein sind. Doch was hat es mit dieser Regelung eigentlich auf sich?

Viele werden diese Situation aus Kindheitstagen noch kennen: Man geht in den Freizeitpark oder auf den Jahrmarkt, will unbedingt ein actionreiches Fahrgeschäft fahren und stellt entsetzt fest, dass man entweder zu klein oder zu jung zum Fahren ist. Doch nicht nur Kinder müssen manchmal auf den Fahrspaß verzichten, auch für so manchen Erwachsenen bleibt der Adrenalinkick aus. Denn es gibt für einige Achterbahnen nicht nur eine Mindest-, sondern sogar eine Maximalgröße. So dürfen Personen, die beispielsweise über 1,90 Meter groß sind, nicht mit jedem Fahrgeschäfte fahren. Auch im Europapark gibt es diese Regelung, wie der beliebte Freizeitpark in Baden-Württemberg auf der Webseite erklärt. Doch warum ist das so? Und was passiert, wenn man sich trotzdem in solch eine Achterbahn setzt?

Freizeit- und ThemenparkEuropapark
StandortRust, Baden-Württemberg
Besucher5,8 Millionen Besucher (2019)

Europapark: Komiker zu groß für Achterbahn – „Warum es diese Regeln überhaupt gibt?“

Diese Fragen hat sich auch Stefan Titze gestellt. Der Drehbuchautor, Produzent und Komiker betreibt zusammen mit seinem Kollegen Florentin Will seit mehreren Jahren den Comedy-Podcast „Das Podcast Ufo“. Kurz vor Weihnachten dreht es sich darin immer wieder um Erlebnis- und Freizeitparks, wie den Europapark in Rust oder das Disneyland Paris. Stefan Titze ist begeisterter Achterbahn-Fahrer und besucht deshalb regelmäßig den beliebtesten Freizeitpark Deutschlands. Im „Podcast Ufo“ berichtet der 27-Jährige dann anschließend, was er dort alles erlebt hat.

In der Folge „UFO284 Mikronesien“ erinnert Titze an einen Tag im Europapark zurück, der wahrlich eine Achterbahn der Gefühle war. Denn der 1,97 Meter große Mann wollte unbedingt eine Runde mit der Eurosat Coastiality drehen. Es handelt sich dabei um eine Achterbahn, bei der die Besucher einer VR-Brille aufziehen und in die Welt von Luc Bessons Kino-Hit „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ eintauchen. Das Problem: Bei der Achterbahn gibt es ein Größenlimit. Darauf wird auch der Komiker vom Europapark-Personal hingewiesen. Der Mitarbeiter des Freizeitparks „hat dann so ein ,Mess-Ding‘ hervorgeholt, wie man das kennt für Kinder, ob die groß genug sind für Achterbahnen – nur das hatte eine Maximalgröße und die war bei 1,95 Metern“, erklärt Titze weiter. Doch anstatt das Fahrgeschäft zu verlassen, überlegt sich der 27-Jährige, wie er das Personal austricksen kann. Später am Abend versucht er also nochmal sein Glück. Dafür „habe ich mich extra kleiner gemacht“, verrät er seinen vermeintlichen Trick. „Bin eher so ein bisschen gekrümmt gegangen und habe mich oft angelegt“, witzelt der Komiker. Tatsächlich schafft er es so, sich in die Bahn zu schmuggeln. Doch bei der Fahrt kommt kaum Freude auf. Grund: Der 27-Jährige hatte permanent die Sorge, dass ihm etwas passieren könne – immerhin hat die Maximalgröße ja auch irgendeinen Sinn. „Meine Vorstellung war (...), dass ich dann einfach so ein Balken im Gesicht habe“, sagt er im „Podcast Ufo“.

Sein Podcast-Kollege Florentin Will spitzt die Lage sogar noch etwas zu: „Was bist Du eigentlich für ein Vorbild? (...) Der ganze Jahrmarkt könnte zu machen, wenn da einer enthauptet wird in der Achterbahn. Hast Du daran eigentlich mal gedacht, an die Konsequenzen? Warum es diese Regeln überhaupt gibt?“ Beide Komiker versuchen eine Antwort auf diese Frage zu finden, können aber nur mutmaßen.

Europapark: Wegen besonderen Sicherheitsauflagen – Darum gibt‘s Maximalgrößen bei Achterbahnen

Auf der Webseite des Europaparks ist nur eine grobe Erklärung zum Thema Mindest- und Maximalgrößen für Achterbahnen zu finden. So heißt es: „Bei einigen Anlagen dürfen Kinder erst ab einer Mindestgröße und einem Mindestalter mitfahren. So wie es eine Mindestgröße gibt, gibt es natürlich auch eine Maximalgröße. Personen, die diese überschreiten, dürfen diese Fahrgeschäfte ebenfalls nicht benutzen. Diese Sicherheitsbestimmungen werden vom TÜV vorgegeben und müssen strikt eingehalten werden.“ Auch weist der Europapark darauf hin, dass Personen mit „starkem Oberschenkel- und / oder Körperumfang“ ebenfalls nicht überall mitfahren können. Dazu zählen Silver Star und blue fire, da es dort spezielle Sicherheitsbügel und besondere TÜV-Auflagen gebe. Übrigens: Der Europapark plant derzeit eine neue Attraktion, die schon 2022 an den Start gehen soll.

Auch bei anderen Freizeitparks, wie beispielsweise dem Heide-Park, ist ein ähnlicher Hinweis zu lesen. „Bei all unseren Attraktionen hat die Sicherheit immer höchste Priorität. Für jedes Fahrgeschäft gibt es Sicherheitsbestimmungen, die u.a. vom Hersteller und dem TÜV vorgegeben werden. (...) In Bezug auf das maximale Gewicht für eine Fahrt mit unseren Achterbahnen können wir jedoch keine Angaben machen. Es kommt nicht, wie bei z.B. der Maximalgröße, auf das tatsächliche Gewicht eines Gastes an, sondern auf die Verteilung - bei dem einen verteilt sich das Gewicht eher auf den Oberkörper, bei dem anderen ist es der Bauch; bei der einen Achterbahn kann der Bügel vollständig geschlossen werden, bei der anderen nicht.“

Europapark: Krass! Darum sollte man die Größengrenzen immer einhalten

Doch was droht Besuchern, die nicht auf die Größenschilder im Europapark und Co. achten? Darauf hat „Das Podcast Ufo“ mittlerweile eine Antwort gefunden. In der Neujahrsfolge „UFO290 Knuckeln“ habe ein Mitarbeiter der Firma Mack Rides, die unter anderem Achterbahnen für den Europapark baut, dem Podcast geschrieben und endlich Licht ins Dunkle gebracht. „Deine Sorge skalpiert zu werden, war unbegründet, aber doch auch wiederum begründet. Zu jeder Achterbahnfahrt wird nämlich ein sogenanntes Lichtraumprofil erstellt. Das Profil gibt den Bereich an, mit dem der Passagier seine Arme und Füße erreichen kann. In diesem Bereich dürfen keine Stützen, Schienen etc. stehen. Deswegen kann man meistens unbekümmert die Arme in der Achterbahn hochreißen, ohne dass etwas passiert oder sogar das Gefühl genießen, dass die Arme abfliegen. In Deinem Fall warst Du aber größer als die Vorgaben, sodass auch Deine Gliedmaßen das Lichtraumprofil überschreiten hättet können. Also einen Kopf kleiner wird man selten, aber eine gebrochene Hand kann schon mal vorkommen.“

Die Redaktion hat noch einmal offiziell bei Mack Rides nachfragt und um ein Statement zu der Aussage des Mitarbeiters gebeten. Die Antwort des Marketingleiters: „Diese Aussage können wir in keiner Weise bestätigen oder nachvollziehen, da sie fachlich falsch ist. Unsere Achterbahnen und Attraktionen entsprechen den internationalen Normen und Standards, in denen klar und eindeutig definiert ist, wie ein Lichtraumprofil auszuführen ist. Zusätzlich werden jährlich durch Prüfinstanzen, wie z.B. dem TÜV, die Anlagen überprüft. Gerade bei Planung und Bau einer Attraktion wird das Lichtraumprofil um die Schienen virtuell platziert, um Kreuzungspunkte und Überschneidungen ausschließen zu können. Dies gilt sowohl für die reine Anlage selbst als auch für sämtliche Dekorationsteile oder Grünpflanzen im Außenbereich.“

Fazit: Bei Achterbahnen wird immer ein Lichtraumprofil erstellt, damit den Besuchern nichts passieren kann, wenn sie ihre Arme und Beine von sich strecken. Dennoch wird bei einigen Fahrgeschäften hingewiesen, dies auch Sicherheitsgründen zu unterlassen. Wichtig ist auf jeden Fall: Wenn es eine Mindest- oder Maximalgröße, sowie Gewichtsangaben gibt, sollte man diese beherzigen. (jol)

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