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Schwere Vorwürfe gegen Facebook: Dürfen Promis mehr als „normale“ User?

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Von: Marten Kopf

Das Icon der Social-Media-Plattform Facebook ist auf einem Handy durch eine Linse zu sehen
Facebook-Logo © Tobias Hase/dpa

Menlo Park - Facebooks oberstes Aufsichtsgremium untersucht den Vorwurf, das Online-Netzwerk mache bei der Zensur von Inhalten Ausnahmen für prominente Nutzer.

Für seine mitunter fragwürdigen Inhaltskontrollen steht Facebook immer wieder in der Kritik. Nicht immer ist klar, nach welchen Kriterien das weltgrößte Social-Media-Netzwerk Beiträge und Fotos als Richtlinienverstöße einstuft und zensiert. Eigentlich scheinen die Richtlinien vermeintlich klar: Hass, Hetze und Falschinformationen beispielsweise sind verboten, ebenso Nacktfotos und Gewaltdarstellungen. Und vor diesem Hintergrund sind manche Lösch-Entscheidungen objektiv auch durchaus nachvollziehbar, so entfernt Facebook erst kürzlich etwa rund 150 Konten, Seiten und Gruppen der „Querdenker“-Bewegung von seiner Plattform.

Andere wiederum wirken selbst bei genauerer Betrachtung willkürlich. Vor allem aber bleibt oft im Dunkeln, warum Facebook bestimmte Inhalte eben nicht löscht. Wie HEIDELBERG24* berichtet, untersucht Facebooks oberstes Aufsichtsgremium nun besonders schwerwiegende Vorwürfe.

Untersuchungen gegen Facebook: Freifahrtschein für Promis?

Das unabhängige Aufsichtsgremium von Facebook hat sich wegen eines Berichts des New Yorker „Wall Street Journals“ eingeschaltet, wonach das Online-Netzwerk bei seinen Inhalte-Regeln womöglich Ausnahmen für prominente Nutzer macht. Unter anderem will das sogenannte Oversight Board nun klären, ob es von Facebook angemessen zu dem Thema informiert wurde. Das Board besteht aus Rechtsexperten, Aktivisten und ehemaligen Politikern und ist eine Art „Oberstes Gericht“ von Facebook, dessen Beschlüsse auch Gründer und Chef Mark Zuckerberg nicht überstimmen kann. Facebook müsse bei Entscheidungen, ob Inhalte auf der Plattform bleiben oder gelöscht werden, transparenter werden, betont das Gremium am Dienstag (21. September) in einem Blogeintrag.

Das „Wall Street Journal“ berichtet jüngst unter Berufung auf interne Unterlagen, Facebook habe ein System geschaffen, bei dem zahlreiche Nutzer faktisch von der Anwendung der Inhalte-Regeln ausgenommen seien. Dadurch könnten sie sich Fehltritte erlauben, die für „gewöhnliche“ Mitglieder Konsequenzen wie Löschung oder Sperrung hätten.

Sonderrechte für Promis bei Facebook? 5,8 Millionen Verdachtsfälle

Das System mit Namen „Cross-Check“ wurde Facebook zufolge eingerichtet, um durch eine zweite Prüfung von Entscheidungen über einzelne Beiträge Fehler zu vermeiden. Einem internen Dokument zufolge wurde dies in vielen Fällen zu einer Art Freifahrtschein für Prominente. Laut dem Bericht sind mindestens 5,8 Millionen Facebook-Accounts in besagtem Cross-Check-Programm. Facebook habe dem Oversight Board zwar auf Anfrage mitgeteilt, dass es nur bei einer geringen Zahl von Entscheidungen zum Einsatz gekommen sei – Transparenz aber geht jedenfalls anders. (dpa/mko) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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