Foodwatch klärt auf

Käse von „freilaufenden Kühen“: Verbraucher über diese dreiste Werbelüge schockiert

Goldener Windbeutel 2020: Foodwatch hat fünf Produkte mit den dreistesten Werbelügen nominiert. Jetzt haben die Verbraucher für den traurigen Gewinner abgestimmt – mit eindeutigem Ergebnis:

  • Foodwatch beginnt die Abstimmung für den Negativpreis „Goldener Windbeutel 2020“.
  • Mit dem „Goldenen Windbeutel" werden Produkte ausgezeichnet, die Verbraucher besonders dreist durch irreführende Etiketten täuschen.
  • 43 Prozent der Verbraucher haben für den „Grünländer Käse" von Hochland abgestimmt.

Update vom 9. September: Über 65.000 Verbraucher haben gewählt – und entschieden, an wen der „Goldene Windbeutel 2020“ geht. Über 43 Prozent der Stimmen fielen in der Liste der „dreistesten Werbelügen des Jahres“ von Foodwatch auf den „Grünländer Käse“ von Hochland. Wenn es nach den Verbrauchern geht, führt kein Produkt so in die Irre, wie dieser Käse – denn die Verpackung verspricht „Milch von freilaufenden Kühen“. Dabei stellt man sich eigentlich direkt Tiere vor, die auf einer saftigen Weide grasen dürfen. Dass die Kühe eigentlich im Stall gehalten werden, erfahren die Kunden erst, wenn sie das Kleingedruckte auf der Rückseite der Käse-Packung lesen. „Freilaufend“ sind die Kühe nur, weil sie im Stall nicht angebunden sind.

Foodwatch versuchte nun auch, den „Goldenen Windbeutel 2020“ den Verantwortlichen am Firmensitz von Hochland in Bayern höchstpersönlich zu überreichen, die den Schmähpreis jedoch lieber ablehnten. „‘Freilaufkühe‘ ist ein reiner Fantasiebegriff - Hochland gaukelt seiner Kundschaft ein Weide-Idyll vor und täuscht ausgerechnet jene Verbraucherinnen und Verbraucher, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen“, zitiert der Spiegel Manuel Wiemann von Foodwatch, Wahlleiter beim „Goldenen Windbeutel 2020“.

„Goldener Windbeutel 2020“: Das sind Nominierten für die dreisteste Werbe-Lüge

Erstmeldung vom 14. August 2020: Die Wahl zum „Goldenen Windbeutel 2020“ des gemeinnützigen Vereins Foodwatch hat begonnen. Verbraucher können über die „dreisteste Werbelüge des Jahres“ abstimmen. Nominiert sind in diesem Jahr fünf Produkte, zu denen vor allem gesundheits- und umweltbewusste Verbraucher im Supermarkt greifen sollen. Mit Werbeversprechen wie „Weniger CO2“, „Milch von Freilaufkühen“ oder „Weniger Zucker“ sollen sie zum Kauf animiert werden. Das berichtet HEIDELBERG24*.

NameFoodwatch e.V. - die Essensretter
ZweckVerbraucherinformation
Gründung 2002
Mitgliederzahl80 stimmberechtigte Mitglieder
Sitz Berlin

Foodwatch über „Goldenen Windbeutel 2020“: Wasser statt Frucht und Aroma statt Tee

Beim genaueren Hinsehen beziehungsweise beim Lesen des Kleingedruckten auf der Rückseite, lösen sich die Werbeversprechen auf der Verpackung jedoch in Luft auf. Oder in Wasser - wie im Falle einer Erdbeerkonfitüre von Zentis. Der reduzierte Zuckeranteil wird in diesem Fall einfach mit Wasser aufgefüllt. Warum der „Erdbeer-Fruchtaufstrich 50 % weniger Zucker“ danach teurer ist als die herkömmliche Version, bleibt ein Rätsel. Von mehr Frucht ist jedenfalls keine Spur. Zentis zockt gesundheitsbewusste Kundinnen und Kunden ab“, meint Foodwatch.

Ähnlich ist es bei dem Produkt „Bio-Rooibos-Tee“ von Danone Waters für „Teeverehrer“. Gerade einmal 0,26 Prozent Rooibos-Aufguss befinden sich in der Flasche. Der „Tee“-Geschmack wird hauptsächlich durch ein Aroma erzeugt, eine rötliche Verpackung sorgt für den optischen Tee-Effekt.

Foodwatch sucht „Goldenen Windbeutel“: Das sind die Kandidaten 2020

Weitere Kandidaten bei der Wahl zum „Goldenen Windbeutel 2020“ von Foodwatch sind „Grünländer-Käse“ von Hochland, „Bio-Weidemilch“ von Arla und der „Be-Kind Protein-Riegel Erdnuss“ von Mars. Bei all diesen Produkten finden sich irreführende Werbeversprechen, prominent platziert, auf der Vorderseite der Verpackung. Was sich wirklich dahinter verbirgt, das steht dann häufig im Kleingedruckten auf der Rückseite.

Foodwatch fordert „ehrliche“ Werbung bei Produkten

„Beim Einkaufen im Supermarkt beschäftigen sich Verbraucherinnen und Verbraucher mit einem Produkt aber durchschnittlich gerade einmal 1,6 Sekunden. Das Kleingedruckte ist also für die Kaufentscheidung unwichtig“, heißt es dazu auf der Internet-Seite von Foodwatch. Die Verbraucherorganisation fordert daher, dass die Produktbezeichnung auf der Vorderseite eines Produktes „informativ und vor allem ehrlich“ sein müsse.

Vier der fünf Nominierungen für den Preis „Goldener Windbeutel 2020“ gehen aus Verbraucher-Einsendungen bei der Beschwerdeplattform „Schummelmelder“ hervor. Die Weidemilch ist ein Vorschlag von Foodwatch selbst. „Klimaschutz, Tierhaltung, Zuckerreduktion: Verbraucherinnen und Verbraucher wollen verantwortungsvolle Kaufentscheidungen treffen – doch wenn sie sich auf die Werbeaussagen der Hersteller verlassen, werden sie getäuscht oder abgezockt, sagt Manuel Wiemann von Foodwatch dem Magazin Stern

Foodwatch macht mit dem „Goldenen Windbeutel“ auf dreiste Werbelügen aufmerksam.

Der „Goldene Windbeutel“ wird seit 2009 von Foodwatch vergeben. 2019 geht der Preis an die „Bio Kinder-Tomatensauce“ von Zwergenwiese, 2018 an „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola und 2017 an den „Kinderkeks“ von Alete mit über 73.000 abgegebene Stimmen. (akm) *HEIDELBERG24 ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach

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