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Seit über 270 Jahren in Betrieb: Traditionsunternehmen vor Insolvenz gerettet

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Von: Daniel Hagen

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Seit 1746 stellt die Höchster Porzellanmanufaktur hochwertige Waren her. Zuletzt muss das Unternehmen jedoch erneut Insolvenz anmelden. Das Land Hessen kommt jedoch zur Rettung.

Die Höchster Porzellanmanufaktur ist die zweitälteste Porzellanmanufaktur Deutschlands. Bereits 1746 wurde in Frankfurt Porzellankunst hergestellt. Das Unternehmen blickt seitdem auf eine bewegende Geschichte zurück, zu der Konkurs, Neugründung und Insolvenzen gehören. Dieses Jahr steht die Firma wieder vor dem Aus. Lange ist unklar, wie es weitergehen soll – bis jetzt. Denn das Land Hessen hat beschlossen, das Traditionsunternehmen zu retten!

Seit 1746 in Betrieb: Land Hessen rettet Höchster Porzellanmanufaktur vor Insolvenz

„Das Land Hessen steht zu seinen Traditionen“, sagt der hessische Ministerpräsident Boris Rhein. Sein Bundesland hat zuvor die Vermögenswerte der Höchster Porzellanmanufaktur (HPM) 1746 GmbH gekauft. Auch die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Manufaktur soll mit einem neuen Konzept weitergeführt und das „künstlerische Know-how“ für Forschung und Lehre genutzt werden. Geplant ist die Gründung eines „Institute for Advanced Material Studies.“ Die Markenrechte hat das Land bereits im Juli erworben

„Das Wissen um altes Handwerk ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung für Gestalterinnen und Gestalter von morgen. Die HfG will die langjährige Tradition der Porzellanmanufaktur verbinden mit zeitgenössischem Design und moderner Kunst, den Erhalt der überlieferten Formen und Techniken mit der Entwicklung neuer Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten“, erklärt Angela Dorn, Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Die HfG wird den Mietvertrag der Manufaktur in Frankfurt-Höchst sowie einen Teil der Angestellten übernehmen.

Höchster Porzellanmanufaktur wird mit Hochschule für Gestaltung Offenbach fusionieren

Damit das Konzept gelingt, soll der Landtag im Januar beim Doppelhaushalt 2023/24 den Etat der Hochschule in Offenbach erhöhen. „Dies ist eine Jahrhundertchance und eine einzigartige Zukunftsperspektive für unsere Kunsthochschule“, betont Prof. Bernd Kracke, Präsident der HfG Offenbach. Außerdem ist das Land in Gesprächen mit der Stadt Frankfurt, damit diese ebenfalls die Höchster Porzellanmanufaktur unterstützt. Auch die hessische Traditionsbrauerei Pfungstädter steht vor dem Aus, da es kein neues Fabrikgelände gibt.

Wie Finanzminister Michael Boddenberg erklärt, hätten die Entwicklung der vergangenen Jahre sowie das erneute Insolvenzverfahren gezeigt, dass eine privatwirtschaftliche Führung der Porzellanmanufaktur nicht mehr möglich gewesen sei. „Es ist gut und richtig, dass das Land an dieser Stelle einspringt. Höchster Porzellan gehört zu Frankfurt und Hessen“, betont der Minister. Nach über 125 Jahren muss in Saarbrücken ebenfalls ein Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden – jedoch ohne Rettung.

Land Hessen rettet Höchster Porzellanmanufaktur
Land Hessen rettet Traditionsunternehmen vor Insolvenz. © Arne Dedert/dpa

Land Hessen kauft Höchster Porzellanmanufaktur: Die Geschichte hinter dem Unternehmen

Die Höchster Porzellanmanufaktur kann auf eine ereignisreiche Geschichte zurückblicken. Nach der Gründung 1746 geht es erst aufwärts. 1765 erfolgt sogar die Umwandlung zur Aktiengesellschaft. Doch nach 50 Jahren folgt plötzlich der Konkurs! Die Formen und Modelle der Manufaktur werden jedoch verkauft und in anderen Firmen hergestellt.

Erst 1947 – also fast genau 200 Jahre nach der ersten Gründung – wird das Unternehmen noch einmal zum Leben erweckt. Die folgenden Jahrzehnte werden ein Auf und Ab. Zuletzt hat die Höchster Porzellanmanufaktur (HPM) 1746 GmbH im Juni 2022 erneut Insolvenz anmelden müssen. Doch auch über 270 Jahre später ist die Geschichte des Unternehmens noch nicht zu Ende – dank dem Land Hessen. (dh)

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