Er soll Reisefreiheit ermöglichen

„Grüner Pass“: Impf-Nachweis für Sommer geplant – bald Sonderrechte für Geimpfte?

Können wir im Sommer Urlaub in Europa machen? Die EU will einen „grünen Pass“ an den Start bringen, mit dem man eine Corona-Impfung nachweisen kann. Kanzlerin Merkel ist davon aber nicht begeistert:

Wahrscheinlich sehnen wir uns alle nach ein bisschen Urlaub, immerhin war bereits im vergangenen Jahr kaum eine Auszeit möglich – und nun steht es auch um unseren Osterurlaub schlecht. Zwar ist Mallorca kein Risikogebiet mehr, eine Einladung zum Reisen ist das aber noch lange nicht. Immerhin steigen die Fallzahlen in Deutschland weiterhin rasant an und es sieht so aus, als ob uns ein dritter Lockdown statt Lockerung droht. Am Montag (22. März) beraten die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel über die Corona-Lage in Deutschland. Doch sind damit die Chancen auf ein paar freie Tage schon vom Tisch?

ProjektGrüner Pass oder Grünes Zertifikat
Wie funktioniert's?Per QR-Code können Daten erfasst werden
NachweisCorona-Impfung, Infektion und Test

Corona-Impfung im „grünen Pass“: EU will Sommerurlaub mit Nachweis möglich machen

Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Denn die EU leitet einen Impfnachweis in die Wege, damit die Normalität, wie wir sie vor der Corona-Krise kannten, langsam zurückkehrt. Zwar steht bis dahin noch ein langer Marsch bevor, aber die ersten Schritte werden bereits jetzt gegangen. Am Mittwoch (17. März) präsentierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Details einer Verordnung. Darin ist von einem europäischen Impfnachweis beziehungsweise „grünen Zertifikat“ die Rede. Dieser soll sichere Ferienreisen ermöglichen. Darüber berichtet HEIDELBERG24*.

Die EU orientiert sich dabei an dem bereits existierenden Impfpass aus Israel. Dieser erlaubt Corona-Geimpften Konzertbesuche, Hotelübernachtungen und Sport im Fitnessstudios.

Der „grüne Pass“ soll zum 1. Juni fertig sein und damit das Reisen im Sommer ermöglichen. Die EU will sich aber von einem reinen Impfpass, der seit Pandemie-Beginn in der Kritik steht, distanzieren. So soll in dem Nachweis auch überstandene Corona-Infektionen sowie negative Testergebnisse hinterlegt werden. Die EU-Kommission betont, damit werde eine Diskriminierung von Nicht-Geimpften beim Reisen verhindert. Es müssten keine persönlichen Daten ausgetauscht werden.

Übrigens: Jeder EU-Bürger soll einen „grünen Pass“ erhalten. Dieser soll sowohl digital als auch analog verwendbar sein. Über einen personalisierten QR-Code könne alle notwendigen Daten abgerufen werden. Zudem soll er eine digitale Signatur enthalten, um den Nachweis fälschungssicher zu machen.

„Grüner Pass“: Kanzlerin Merkel kritisiert Nachweis

Für einige EU-Staaten wäre das grüne Zertifikat eine enorme Erleichterung. Beispielsweise machte in Zypern der Tourismus 2018 nach Daten des EU-Statistikamts Eurostat einen Anteil von fast 14 Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus, in Griechenland waren es knapp 9 und in Österreich gut 5 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland ist es gut ein Prozent. In allen Ländern - wie in ganz Europa - ist das Geschäft mit dem Tourismus wegen Corona massiv eingebrochen.

Ein Impfpass mit einer eingetragenen Impfung gegen das Coronavirus (Symbolfoto)

Justizkommissar Didier Reynders betonte jedoch, dass jeder EU-Staat am Ende entscheidet, was mit dem Zertifikat möglich sein soll. Welche Türen der Nachweis öffnen soll, ist in den EU-Staaten noch nicht Konsens. Bundeskanzlerin Angela Merkel steht dem „grünen Pass“ sehr kritisch entgegen. Sie sprach sich gegen eine Erleichterung für Corona-Geimpfte aus, solange noch wenige Menschen Chancen auf eine Impfung haben. Bislang haben nur 3,7 Millionen Menschen in Deutschland beide Corona-Impfungen erhalten.

„Grüner Pass“ soll im Juni fertig sein – Österreich will Treffen noch vor Ostern

Reynders erklärte, dass es noch viel zu tun gebe bis der „grüne Pass“ fertig sei. Österreich will parallel die Entwicklung und damit eine mögliche Reisefreiheit vorantreiben. Noch vor Ostern soll ein Treffen mit zwölf weiteren EU-Staaten stattfinden, unter anderem soll auch Deutschland daran teilnehmen. Das kündigte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Samstag (20. März) in Wien an. „Jede Abstimmung, die vorher stattfindet, wird dem Projekt helfen“, sagte Köstinger. Dabei geht es neben rechtlichen Fragen auch darum, ob zum Beispiel die Quarantänepflicht sowohl im Ziel- wie im Herkunftsland entfällt oder wie viele Tests im Gastland nötig sind, damit eine ungehinderte Rückreise möglich ist. „Es ist wichtig, dass die Tourismusländer hier an einem Strang ziehen, um eine rasche Umsetzung sicherzustellen“, so die Ministerin weiter. (dpa/jol) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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