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Geniale Idee gegen Gaffer: Abschreckung dank technischem Kniff am Krankenwagen

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Immer wieder wird die Arbeit der Johanniter von Schaulustigen gestört. Das kann im schlimmsten Fall Leben kosten. Mit einem technischen Kniff wollen die Rettungskräfte ihnen einen Spiegel vorhalten.

Im Jahr 2020 hat die Polizei in Deutschland 2,3 Millionen Unfälle im Straßenverkehr aufgenommen, rund 328.000 Menschen wurden verletzt, 2.724 Menschen starben. Wenn Personen auf öffentlichen Straßen verunglücken, sind Schaulustige meist nicht weit. Im Smartphone-Zeitalter zücken Gaffer oft das Handy und filmen die Unfallopfer und Rettungskräfte. „Das muss sich ändern, denn oft entscheiden schon wenige Minuten über Leben oder Tod“, sagte Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe. Um diesem Verhalten entgegenzuwirken, hat die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) hat nun ein Pilotprojekt gestartet. Das berichtet HEIDELBERG24*.

Mit Hilfe einer Idee der Agentur Scholz & Friends hat die Johanniter-Unfall-Hilfe nun ein Pilotprojekt gestartet. Dazu werden QR-Codes in das Design von Rettungsfahrzeugen und der Ausrüstung eigearbeitet. Falls ein Gaffer die Rettungsaktion fotografiert, erscheint der Hinweis: „Wollen Sie den Link öffnen?“ Falls der Link geöffnet wird, erscheint auf seinem Smartphone der Warnhinweis: „Stopp! Gaffen tötet!“ und die Erklärung „Du behinderst Rettungskräfte und machst dich strafbar“.

QR-Code auf Rettungswagen und Einsatzkleidung: Bundesweites Interesse an Projekt „Gaffen tötet“

Auf diese Art soll den Schaulustigen ihr gefährliches Handeln unmittelbar bewusst gemacht werden. Diese Idee wird im Rahmen eines Pilotprojekts in Berlin getestet. Acht Rettungswagen und ein Intensivtransport sind mit den QR-Codes ausgestattet worden. In den kommenden Monaten wolle man Erfahrungen sammeln, wie die Idee in größerem Maßstab umgesetzt werden kann.

In einer gestellten Szene der Johanniter-Unfall-Hilfe ist auf einem Smartphone der QR-Code auf einem Rettungswagen zu sehen, der die Botschaft «Gaffen tötet» enthält

In einer gestellten Szene der Johanniter-Unfall-Hilfe ist auf einem Smartphone der QR-Code auf einem Rettungswagen zu sehen, der die Botschaft «Gaffen tötet» enthält © André Wagenzik

Bereits jetzt gibt es ein großes Interesse an dem Pilotprojekt. „Selbst aus Österreich gab es schon Nachfragen“, so Jörg Lüssem , Mitglied des Bundesvorstands der Johanniter-Unfall-Hilfe, gegenüber dem Domradio. Das Gaffen hätte in den letzten Jahren massiv zugenommen, sodass es zu echten Behinderungen kommt, so Lüssem weiter. „Deshalb jetzt auch dieser drastische Slogan ‚Gaffen tötet!‘“. Im Clip der Johanniter, in dem das neue Anti-Gaffer-Konzept vorgestellt wird, heißt es, dass auf einen Unfall-Rettungseinsatz in Deutschland etwa 26 Schaulustige kommen.

Filmen einer Unfallstelle wird in Deutschland seit Januar 2021 hart bestraft

Eine unfassbar hohe Zahl wenn man bedenkt, dass das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls seit dem Januar 2021 mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden kann. Lüssem sind Fälle bekannt, bei denen es zu erheblichen Einsatzbeeinträchtigungen gekommen ist, weil Menschen filmend im Weg standen, oder sogar die Rettungsgasse zugeparkt haben um aus ihrem Auto auszusteigen und Aufnahmen mit ihrem Smartphone zu fertigen. Das seien die Fälle, die geahndet werden. Ob das als Strafe reicht, wisse er nicht. Seiner Erfahrung nach haben Einsatzkräfte und die Polizei am Unfallort alle Hände voll zu tun - oft fehle es an Ressourcen und Möglichkeiten alle Gaffer zur Verantwortung zu ziehen.

Johanniter sagen Gaffern den Kampf an – so reagiert das Netz

Das Youtube-Video zu dem Pilotprojekt „Gaffen tötet“ ist innerhalb von fünf Tagen bereits fast 50.000 Mal aufgerufen worden. Bei der Youtube-Community kommt die Idee gut an: „Tolle Aktion. Vielen Dank an alle Rettungskräfte, die täglich Menschenleben retten. Ich hoffe die Technik setzt sich durch und erleichtert den Umgang mit den Gaffern etwas“, lautet ein Kommentar unter dem Video. Auch eine andere Nutzerin ist begeistert: „Es ist traurig, dass diese Maßnahme überhaupt notwendig ist. Aber dafür ist sie so unglaublich genial und innovativ, dass hoffentlich so schnell wie möglich alle Einsatzmittel mit diesem Gaffer-Stopp ausgerüstet werden! Großartig und preis-würdig! VIELEN DANK !!!“

Ein anderer Kommentartor kennt das Gaffer-Problem aus erster Hand: „26 Gaffer! Wahnsinn, so viele. Zum Glück ist Gaffen nun endlich strafbar und die Polizei kann was machen. Habe es als Opfer selbst bei einen Motorradunfall erlebt. Lieber wird geknipst und gefilmt als zu (erst)helfen (zum Glück nicht alle, gibt auch wirklich tolle Ersthelfer). Bei mir wars zum Glück keine lebensgefährliche Verletzung, aber das wusste man ja auch erst später im Krankenhaus.“

Mit QR-Codes an Unfallstelle und Rettungswagen: Johanniter sagen Gaffern den Kampf an.

Mit QR-Codes an Unfallstelle und Rettungswagen: Johanniter sagen Gaffern den Kampf an. © Screenshot Youtube Johanniter

Einige bemängeln jedoch die technische Umsetzung: So würde der QR-Code nur auf Apple-Smartphones automatisch erkannt werden. Bei Android-Geräten könne man QR-Codes nur mit der passenden App lesbar machen, merkt ein Nutzer an. Die Johanniter-Unfall-Hilfe erklärt, dass der QR-Code-Scanner in den meisten Smartphone-Modellen bereits integriert wäre, nur bei älteren Modellen würde dies nicht funktionieren. Da es sich um ein Pilotprojekt handelt, werden technische Schwierigkeiten sicherlich noch ausgemerzt. (kp) *Heidelberg24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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