15 Schweine-Produkte untersucht

Kaufland, Aldi und Co.: Grillfleisch-Test – dringende Warnung an Kunden

Die Grillsaison läuft. Aber wie gut sind Steaks in Supermärkten und Discountern? Stiftung Warentest hat 15 Schweine-Produkte bei Aldi, Rewe, Lidl und Co. unter die Lupe genommen:

  • Stiftung Warentest hat 15 Schweine-Nackensteaks und -koteletts bei Aldi, Rewe, Lidl und Co. getestet.
  • Überprüft wurden neben der Fleischqualität auch Tierwohl, Arbeitsbedingungen und Umweltaspekte.
  • Geschmacklich sind die Steaks oft top - dennoch gibt es manches zu bemängeln:

Der Sommer ist da. In Gärten, auf Balkonen und an öffentlichen Plätzen, an den es erlaubt ist, wird wieder fleißig gegrillt. Jeder kennt die Situation: Man wird zur Grillparty eingeladen, hat aber keine Zeit (oder keine Lust), sein Fleisch selbst zu marinieren. Oft führt der Weg dann zur Kühltheke im Handel. Bei Rewe, Aldi, Lidl und Co. bekommt man abgepacktes, fertig mariniertes Schweinenackensteak - und das ist oftmals auch noch extrem günstig.

Aber ist das Grillfleisch dann auch gut? Wie steht es um die Qualität? Und wie sieht es mit der Tierhaltung und den Arbeitsbedingungen aus? Gerade in Zeiten von Corona stoßen die Produktionsbedingungen in der Fleischindustrie immer mehr Menschen übel auf. Dennoch zählt Schwein zu den beliebtesten Fleischsorten. Allein letztes Jahr wurden in Deutschland pro Kopf 34 Kilo Schweinefleisch verzehrt.

Stiftung Warentest untersucht 15 Schweine-Steaks von Aldi, Rewe, Edeka und Co.

Stiftung Warentest hat 15 Schweinefleisch-Produkte geprüft. Getestet wurden neun Schweinenackensteaks und sechs Koteletts. Vom „Billigfleisch“ aus dem Discounter bis zum teuren Bio-Produkt (Kilopreise: 5,70 bis 19,19 Euro) war alles dabei. Zu den getesteten Handelsmarken zählen unter anderen Landjunker (Lidl), Meine Metzgerei (Aldi Nord und Aldi Süd), Gut & Günstig (Edeka), Wilhelm Brandenburg (Rewe), Purland (Kaufland) oder Königshofer (Denn's).

NameStiftung Warentest
SitzBerlin
Gegründet1964
LeitungHubertus Primus
ProdukteTest, Finanztest, div. Ratgeber

In die Bewertung flossen neben der Fleischqualität auch das Tierwohl (Haltungsform), Arbeitsbedingungen in Schlachtereien und Umweltschutz-Aspekte ein. Dabei konnten die Tester vor Ort auch einen Eindruck bei zwölf Landwirten und in sieben Schlachthöfen gewinnen. Stiftung Warentest hat sich auch im Hauptwerk von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück umgeschaut, das zuletzt durch 1.500 Corona-Neuinfektionen in der Belegschaft für Schlagzeilen sorgte. Dort werden täglich 20.000 Schweine geschlachtet. Die Tierrechtsorganisation PETA fordert strenge Kontrollen auch in Mannheim. Jetzt sind viele Verbraucher verunsichert und fragen sich, ob eine Corona-Infektion durch Fleischverzehr möglich ist - der HEIDELBERG24-Faktencheck klärt auf. Neben Gesundheitsgefahren durch den Verzehr von Schweinefleisch fällt der Lebensmitteleinzelhandel auch immer wieder durch Produktrückrufe auf – wie zum Beispiel mit dem Rückruf eines gesundheitsgefährdenden Energy-Drink bei Kaufland.

15 Grill-Steaks im Test: Resistente Keime im Fleisch entdeckt!

In zehn der 15 analysierten Steaks und Koteletts konnte Stiftung Warentest antibiotikaresistente Keime nachweisen. Von ihnen ginge aber keine unmittelbare Gefahr für Verbraucher aus, solange das rohe Fleisch richtig gelagert und vor dem Verzehr durchgebraten werde. Dennoch bliebe ein geringes Restrisiko. Darüber bericht auch HNA*. Öko-Test hat insgesamt 20 Apfelmus- und Apfelmark-Produkte getestet und kommt dabei zu überraschenden* – und teilweise erschreckendem – Ergebnissen.

Im Test schnitten zwei Steaks schlecht ab. Bei den Untersuchungen entdeckten die Tester in einem Produkt von Wilhelm Brandenburg (Rewe) erhöhte Werte von Milchsäurebakterien. Der Verderbniskeim ist für den Mensch nicht schädlich, lasse aber Rückschlüsse auf mangelhafte Hygienebedingungen in den Produktionsbetrieben zu. Das Steak bekam von den Testern die Note „ausreichend“. Die gleiche Note erhielt ein Kotelett von Gut Bartenhof (Norma) - es fiel geschmacklich als sehr trocken und zäh auf. Weitere Warnung für Verbraucher: Hema ruft ein beliebtes Baby-Produkt zurück* – es droht Erstickungsgefahr!

Steak-Test: Diese Produkte schnitten gut ab

Jedes zweite Steak oder Kotelett wurde im Test von Stiftung Warentest mit „gut“ bewertet - und das, obwohl Kunden oft nicht mehr als 5,99 Euro zahlen mussten. Bio-Fleisch kostet Verbraucher bisweilen bis zum Dreifachen. Diese Testsieger wurden allesamt mit „gut“ bewertet:

  • Bio-Schweinenackensteak (Pichler Biometzgerei, Note: 1,9)
  • Königshofer Bio-Schweine-Nackensteak natur (Denree, 2,0)
  • Landjunker Schweinenacken-Kotelett (Lidl, 2,2)
  • Purland Nacken-/Kammkotelett vom Schwein (Kaufland, 2,2)

Steaks von Aldi, Edeka, Rewe und Co.: Das bemängeln die Tester

Kritik gibt es für viele Handelsketten bezüglich der Tierhaltung und den Arbeitsbedingungen. So bemängelt Stiftung Warentest, dass Lieferanten kaum mehr als die gesetzlichen Mindeststandards erfüllen müssen. Mastschweine werden oft schon im Alter von 6 Monaten geschlachtet, obwohl sie zehn Jahre alt werden könnten. Die meisten von ihnen verbringen ihr kurzes „trostloses Lebenin geschlossenen, beengten Ställen mit kleinen Fenstern, so die Tester: „Noch immer sind das Kupieren der Schwänze und das betäubungs­lose Kastrieren männ­licher Ferkel nicht gänzlich verboten. Verbraucher, denen das Tier­wohl am Herzen liegt, sollten Fleisch von Tieren bevor­zugen, die Zugang zu Frisch­luft, viel Bewegungs­freiheit und Beschäftigungs­material wie Heu hatten.“ Nur ein Prozent der Mastschweine in Deutschland sind Bio-Schweine. Stiftung Warentest hat darüber hinaus auch Spülmaschinen-Tabs untersucht. Drei von 14 Hersteller fallen mit ihren Produkten dabei durch.

Ein Schwein in einem Stall.

Daneben kritisiert Stiftung Warentest, dass die Fleischproduzenten „soziale Verantwortung oft an Subunternehmer abschieben.“ Von den überprüften Betrieben im Test stellt lediglich ein Schlachthof Arbeiter fest an und stellt ihnen auch Wohnungen zur Verfügung! Bei den anderen Produktionsstätten leben die Arbeiter in Gemeinschaftsunterkünften und werden in Sammelbussen in die Schlachtereien gebracht, wo sie am Fließband direkt nebeneinander arbeiten. Auch ob angegebene Arbeitszeiten und Mindestlöhne eingehalten werden, konnten die Tester nicht in Erfahrung bringen. Aldi, Kaufland und Co. wollen übrigends das Kükenschreddern verhindern und ändern deshalb ihr Eier-Sortiment.

Kritik an Edeka: Wo Deutschlands größter Lebensmittelhändler „mangelhaft“ ist

Auch in Sachen Transparenz gibt es bei manchen noch Nachholbedarf: Während die meisten Händler ihre Lieferanten offen legten, verweigerte ausgerechnet Edeka nähere Informationen über die Herkunft der Schweine und zu den Lieferketten - auch für die Discount-Tochter Netto. Im Bereich CSR (Corporate Social Responsibility) schneidet Deutschlands größter Nahrungshändler folgerichtig mit „mangelhaft“ ab. (rmx) *hna.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa - Bildfunk

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