Tierwohl

Kaufland, Lidl, Aldi, Rewe & Co.: So wollen Märkte Küken vor dem Schredder bewahren

Männliche Küken sitzen in einem Korb.
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Männliche Küken in einem Korb.

Kaufland, Lidl, Aldi, Rewe & Co.: In Deutschland werden jährlich 45 Millionen männliche Küken getötet. Einige Märkte wollen da nicht mitmachen und haben folgendes vor: 

  • Kaufland*, Lidl, Aldi und Rewe wollen künftig auf das Töten von Küken verzichten.
  • Die großen Lebensmittelhändler wollen ihr Eier-Sortiment dementsprechend umbauen.
  • Wie man in Zukunft auf Küken-Schreddern verzichten will:

Es ist ein barbarischer Akt, den die Bundesregierung ab 2021 verbieten will: das Schreddern von männlichen Eintagesküken. Rund 45 Millionen Küken werden in Deutschland pro Jahr getötet, weil sie keine Eier legen und nicht so ergiebig Fleisch ansetzen wie speziell gezüchtete Masthähnchen. Die großen Lebensmittelhändler Kaufland, Lidl, Aldi und Rewe wollen künftig ihr Eier-Sortiment so anpassen, dass keine männlichen Küken mehr getötet werden. Darüber berichtet HEIDELBERG24*.

Für mehr Tierwohl: Kaufland und Lidl verzichten auf Kükentöten

Nach der Rewe Gruppe und Aldi hat jetzt auch Kaufland angekündigt, in Zukunft nur noch Bio- und Freiland-Eier anzubieten, bei denen die Aufzuchtbetriebe für Legehennen keine männlichen Küken töten. Das teilt Kaufland mit. Bis Ende 2021 will die Schwarz Gruppe, zu der neben Kaufland auch der Discounter-Riese Lidl zählt, die Sortimente komplett umgestellt haben. Man wolle alle gängigen Methoden zur Vermeidung des Kükentötens akzeptieren, heißt es aus Neckarsulm.

UnternehmenKaufland
ZentraleNeckarsulm
Mitarbeiterzahl132.000 (Dezember 2019)
Gründung1984
Filialen in Deutschlandüber 670

Dazu zählt auch die Geschlechterfrüherkennung im Ei. Aus ethischen Gründen sei es Kaufland „ein besonderes Anliegen, die männlichen Eier in einem sehr frühen Bebrütungsstadium auszusortieren“, erklärt Stefan Rauschen, Geschäftsführer Einkauf Frische bei Kaufland. Deshalb wolle man die Früherkennung nur zwischen dem 4. und 10. Tag zulassen. Seit 2016 biete man in den 500 Kaufland-Filialen bundesweit zudem Eier aus Bruderhahn-Konzepten an.

Bei Lidl will man das Eier-Sortiment schrittweise umstellen. Bis Anfang 2021 sollen Bio-Eier im Sechserpack deutschlandweit nur noch aus Bruderhahn-Aufzuchten kommen. Zum Jahresende 2021 soll die Produktion für das komplette Bio- und Freiland-Eier-Sortiment ohne Kükentöten vonstatten gehen. Ende 2022 sollen schließlich alle Ei-Produzenten - auch aus Bodenhaltung - auf Kükentöten verzichten.

Auch Rewe und Aldi wollen Eier-Sortiment umstellen

Das Tierwohl liegt auch der Konkurrenz am Herzen: Im März hatte Aldi angekündigt, das Eier-Sortiment vollständig umbauen zu wollen. Bis 2022 will man nur noch Bio-, Freiland- und Bodenhaltungseier ohne Kükentöten anbieten. Dabei wolle man auch bei Aldi auf Geschlechtsbestimmung und Bruderhahn-Aufzucht zurückgreifen. Bereits 2018 hat Rewe angefangen, in den Märkten „respeggt“-Freiland-Eier anzubieten, für die keine männlichen Küken getötet werden. Die „respeggt“-Sortimente werden bei Rewe und Discount-Tochter Penny weiter ausgebaut.

Bei der Frühbestimmung wird die Flüssigkeit aus dem Ei einer Gen- und Hormonanalyse unterzogen. Männliche Eier werden aussortiert und zu Futtermittel weiterverarbeitet. Nur die weiblichen Eier werden ausgebrütet. Nach aktuellem Kenntnisstand entwickeln Embryos im Ei erst ab dem 11. Tag ein Schmerzempfinden. Inzwischen sei das Verfahren der Früherkennung marktreif, sagt eine Sprecherin von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

Kükentöten: Verbots-Gesetz soll 2021 kommen

Ab 2021 will die Bundesregierung verbieten, dass frisch geschlüpfte männliche Küken aus wirtschaftlichen Gründen getötet werden. Ein entsprechendes Gesetz sei in Arbeit, heißt es aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Das „Kükenschreddern“ soll im kommenden Jahr definitiv untersagt werden. Vorschläge aus der Geflügelwirtschaft seien bislang unzureichend gewesen.

Männliche Küken sollen künftig in der Ei-Produktion nicht mehr getötet werden.

2019 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das Kükentöten in der Legehennenzucht nur noch übergangsweise zulässig ist. Bis Brutbetriebe auf ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung zurückgreifen können, darf die Praxis noch weitergehen. Derzeit produzieren gut 40 Millionen Legehennen in Deutschland rund 12 Milliarden Eier pro Jahr. Die Brüder dieser Hochleistungshennen können nicht als Masttiere verwendet werden, da sie nicht so schnell wachsen wie Masthähnchen. Ein Lösungsansatz könnte sein, für Mast und Eierproduktion dieselbe Hühnerrasse zu verwenden. Öko-Test untersucht ebenfalls Reis und kommt dabei auf beunruhigende Ergebnisse. (rmx) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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