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Lambda-Variante: Studie schockiert – Ist die Mutation gefährlicher als Delta?

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Von: Florian Römer

Noch beherrscht die hochansteckende Delta-Variante das Infektionsgeschehen in Europa. Derweil warnen Forscher vor der Lambda-Mutation aus Südamerika: Sie könnte den Impfschutz umgehen.

Weltweit breitet sich die hochinfektiöse Delta-Mutante des Coronavirus* weiter aus. Nach Schätzungen der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC wird die zuerst in Indien entdeckte Delta-Variante* Ende August für 90 Prozent der Ansteckungen in Europa verantwortlich sein. Auch in Nordamerika, Asien und Ozeanien beherrscht B.1.617.2 mittlerweile das Infektionsgeschehen. Jüngst kam die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC in einer Studie zu dem Schluss, dass die Delta-Mutation ähnlich ansteckend ist wie die Windpocken. Zudem soll sie auch für schwerere Krankheitsverläufe vor allem bei Ungeimpften oder nur teilweise geimpften Menschen verantwortlich sein. Die Studie ist allerdings weder in einer Fachzeitschrift noch nicht von anderen Forschern überprüft.

Corona: Lambda-Variante noch gefährlicher als Delta-Mutation?

Während der Fokus der Gesundheitsbehörden aktuell noch voll auf der Delta-Variante liegt, breitet sich in Südamerika mittlerweile eine Corona-Mutation aus, die ähnlich ansteckend ist. Japanische Forscher warnen in einer Studie vor der Lambda-Variante, berichtet HEIDELBERG24*. Lambda wurde erstmals im August 2020 in Peru nachgewiesen. Inzwischen ist die auch als C.37 bekannte Mutation für über 80 Prozent der Corona-Fälle im Land verantwortlich, schätzen peruanische Gesundheitsbehörden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beobachtet Lambda seit Juni, stuft die Variante bislang aber nicht als besorgniserregend ein.

Ein Medizinischer Mitarbeiter in Schutzkleidung nimmt einen Nasenabstrich bei einer Patientin, um sie auf das Coronavirus zu testen. Auch nach einer Veröffentlichung aus Japan sieht ein deutscher Immunologe in der sogenannten Lambda-Variante des Coronavirus noch keinen Grund zur Besorgnis. (zu dpa «Immunologe: Daten zu Lambda-Variante noch nicht beunruhigend») | Archiv
In Peru ist Lambda die dominante Corona-Variante. © picture alliance/dpa/GDA via ZUMA Wire | El Comercio

In ihrer Ende Juli als Pre-Print veröffentlichten Studie kommen japanische Wissenschaftler aber zu dem Schluss, Lambda könnte resistenter gegen Antikörper sein. Möglicherweise könne sich das auch auf den Impfschutz der gängigen Impfstoffe wie Biontech/Pfizer, Moderna oder AstraZeneca auswirken, warnen die Forscher. Im Labor untersuchte das Team der Universität Tokio auch das Spike-Protein, mit dem das Virus Zellen entert. C.37 weise drei Mutationen auf, so die Wissenschaftler. Das Problem: Die Mutationen könnten möglicherweise dafür sorgen, dass Antikörper die Virus-Variante weniger gut bekämpfen können. Impfungen würden in dem Fall schlechter schützen. Zwei weitere entdeckte Mutationen der Lambda-Variante könnten zudem für eine höhere Übertragbarkeit des Virus sorgen. Allerdings wurde die Studie bislang weder in einer Fachzeitschrift publiziert, noch durch andere Forscher überprüft.

Corona: WHO sieht bei Lambda-Variante keinen Grund zur Sorge

Bei der WHO sieht man die Lambda-Variante derweil noch nicht als „variant of concern“, also als besorgniserregend, an. Ein Grund für die Einschätzung der WHO: C.37 sei derzeit nicht besonders stark verbreitet. Mittlerweile wurde die Lambda-Mutante aber in 40 Ländern weltweit nachgewiesen. Auch in Großbritannien und Spanien wurde die Variante identifiziert. In Deutschland sind laut RKI bislang etwa 100 Fälle einer Lambda-Infektion bekannt.

Für Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, würden die Daten aus Japan derzeit überinterpretiert. Sie zeigten lediglich, dass Lambda in Labor-Versuchen etwas ansteckender sei als das ursprüngliche Virus, aber nicht ansteckender als die Delta-Variante. Lambda könnte demnach auch dem Immunschutz „etwas entkommen, aber nicht so stark wie Delta“. Insofern beunruhige ihn diese Variante anhand der aktuell vorliegenden Daten noch nicht, erklärte Watzl gegenüber der dpa.

Corona: Experten sehen keinen geringeren Impfschutz bei Lambda

Lambda-Variante weist einer höhere Ansteckung und Immunresistenz auf“ hatten die japanischen Forscher ihre Studie betitelt. Für Watzl ist der Begriff Immunresistenz im Titel der Arbeit „bezogen auf die gezeigten Daten schlicht falsch“. Einschränkend müsse man auch sagen, dass für die Untersuchung keine wirklichen Lambda-Viren verwendet worden seien, sondern andere Viren, die nur das sogenannte Spike-Protein von Lambda trügen. Mehrere der neuen problematischen Varianten weisen am Spike-Protein gehäuft Erbgutveränderungen auf.

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In vielen Studien wird im Labor geprüft, wie gut Antikörper gegen Varianten wirken. Solche Experimente erlauben jedoch nur bedingt Rückschlüsse auf die Schutzwirkung der Impfung im wahren Leben. Die menschliche Abwehr stützt sich auch auf sogenannte T-Zellen. Vor diesem Hintergrund bleibe wahrscheinlich selbst im Fall vermehrter Infektionen durch die Lambda-Variante der Schutz vor schweren Verläufen erhalten, glaubt Christine Dahlke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Ein US-Team hatte Anfang Juli ebenfalls in einem Pre-Print Ergebnisse vorgelegt, die darauf hindeuteten, dass die derzeit genutzten Impfstoffe auch vor Lambda schützen. (rmx mit Material von dpa) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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