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Schon sieben Tote: Legionellen-Alarm in Baden-Württemberg – Behörden vor Rätsel

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Von: Daniel Hagen

Baden-Württemberg - Die steigende Zahl von Legionellenfällen stellt das Landesgesundheitsamt vor ein Rätsel. Sieben Menschen sind bislang durch eine Infektion gestorben!

Das Landesgesundheitsamt (LGA) in Stuttgart* steht vor einem großen Rätsel. Von etwa Mitte Juni bis zum 6. August seien 97 Fälle bekannt geworden, in denen sich Menschen mit Legionellen angesteckt haben. Darunter gibt es sogar sieben Todesfälle. In der Zeit von 2001 bis 2020 habe es keinen vergleichbaren Anstieg in einem solchen Zeitraum gegeben. Laut Jens Fleischer, Labor- und Sachgebietsleiter Wasserhygiene im LGA, habe man den Grund dafür noch nicht ausmachen können. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es an der Corona-Pandemie liegen könnte. Wie beides zusammenhängen soll, erklärt HEIDELBERG24.de*.

„Wir vermuten, dass Rückkühlwerke oder Kühltürme von Industrieanlagen oder Warmwasserinstallationen in Gebäuden nicht so gewartet wurden, wie sie sollten. Dies wäre eine mögliche Erklärung“, sagt Fleischer. Die Legionellen-Fälle treten querbeet durch Baden-Württemberg* auf. Betroffen sind 31 der insgesamt 44 Stadt- und Landkreise des Bundeslandes. Alleine in den Landkreisen Ortenau und Ludwigsburg habe es jeweils acht Infektionen gegeben. Man spreche hierbei aber nicht von einem Ausbruch, sondern von einer Häufung von Fällen im gleichen Zeitraum.

NameBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Bevölkerung11,07 Millionen (2019) Eurostat
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Die Grünen)

Legionellen in Baden-Württemberg: Fälle Häufen sich – Behörde steht vor Rätsel

„Wir wissen nicht, wo sich die Menschen angesteckt haben. Bisher haben wir keinen gemeinsamen Nenner ausgemacht“, erklärt Fleischer. Die betroffenen Gesundheitsämter der Kreise seien gerade dabei, Fragebögen des LGA zu beantworten. Danach wisse
man vielleicht mehr. Es bestehe auch die Möglichkeit mittels eines bundesweiten Katasters, die technischen Anlagen mit den Fällen geografisch abzugleichen, um festzustellen, ob sie im Umkreis dieser Anlagen aufgetreten seien.

Da Legionellen nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden können, sondern durch zerstäubtes oder vernebeltes Wasser ansteckend sind, müsse es einen technischen Hintergrund geben. Leider gelingt es nur in wenigen Fällen, die Quelle zu finden. So auch in Heilbronn, wo Experten des Heilbronner Gesundheitsamtes den Ursprung der Legionellen finden wollen, an denen sich mehrere Personen infiziert haben und zwei sogar gestorben sind*. Man gehe aktuell nicht davon aus, dass Trinkwasser die Ursache für die Infektionen ist. Die Erkrankten haben an unterschiedlichen Orten gewohnt, es gebe mehrere Wasserversorger.

Legionellen in Baden-Württemberg: Zwei Todesfälle in Heilbronn – Quelle gesucht

Man mutmaßt in Heilbronn, dass die Ursache in einer Verdunstungskühlanlage zu finden ist. „Aber nachweisen ließ sich das nicht, weil zum Zeitpunkt der Überprüfung die Anlagen routinemäßig bereits desinfiziert worden waren“, sagt die Sprecherin der Behörde, Lea Mosthaf. Sie hofft zudem, dass nach dem Stillstand alle Fitnessstudios, Unternehmen mit Betriebsduschen, Saunen und Freibäder ihre Anlagen legionellenfrei gemacht hätten. Sie appellierte an Urlaubsrückkehrer, ihr Leitungswasser im Haushalt auf über 60 Grad zu erhitzen oder heißes Wasser längere Zeit laufen zu lassen.

Legionellen in einer Petrischale.
Zahlreiche Legionellen-Fälle stellen das Landesgesundheitsamt vor ein Rätsel. (Symbolfoto) © Federico Gambarini/dpa

Die Corona-Pandemie könnte nämlich einen großen Anteil an der Häufung von Legionellen-Fällen haben. So hat das Robert Koch-Institut (RKI) im vergangenen Jahr sogar noch von einem erhöhten Risiko der Verbreitung gesprochen, weil Hotels, Sportanlagen und Schwimmbäder wochenlang geschlossen gewesen sind. Bei unsachgemäßer oder fehlender Wartung könne es nach der Corona-Pause zu einem erhöhten Wachstum dieser Bakterien in Trinkwasseranlagen gekommen sein, schreibt das RKI im „Epidemiologischen Bulletin“. Daher sei es wichtig, vor einer Wiedereröffnung die Trinkwasseranlage von Legionellen zu befreien.

Legionellen in Baden-Württemberg: So erkennt man eine Infektion

Das RKI geht zudem schon im Jahr 2019 davon aus, dass es eine Dunkelziffer bei Legionellen-Infektionen gebe. Es sei anzunehmen, dass in der Praxis zu selten eine Legionellen-Diagnostik veranlasst werde und daher viele Erkrankungen nicht als solche erkannt würden. Das deutsche Kompetenznetzwerk für ambulant erworbene Pneumonien (CAPNETZ) schätzt die jährliche Zahl der Legionärskrankheit auf etwa 15.000 bis 30.000 Fälle.

Legionellen können bei Menschen Krankheiten auslösen - von grippeartigen Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen. Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes Wasser übertragen, etwa in Duschen, Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne. Ideale Wachstumsbedingungen finden Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Bei Wassertemperaturen über 55 Grad wird das Wachstum der Keime nach RKI-Angaben gehemmt. Bei mehr als 60 Grad
komme es zum Absterben der Keime. (dpa/dh) HEIDELBERG24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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