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Taugt der Novavax-Impfstoff als Booster? Studie liefert erste Ergebnisse

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Von: Jason Blaschke

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Der Impfstoff von Novavax soll auch in Baden-Württemberg bald zum Einsatz kommen. Eine erste Studie enthüllt nun, ob ‚Nuvaxovid‘ als Booster taugt.

In Baden-Württemberg soll die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur zweiten Auffrischungsimpfung für gewisse Personengruppen schon bald umgesetzt werden. Das teilte Sozialminister Manne Lucha mit, nachdem die Stiko ihre Empfehlung dazu ausgesprochen hatte. Für die vierte Corona-Schutzimpfung empfiehlt das Expertengremium die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna, die aktuell schon für die erste Boosterimpfung eingesetzt werden.

In ihrer neusten Empfehlung befasste sich die Stiko aber auch mit Novavax – der neue Impfstoff soll schon Ende Februar verimpft werden und wird nun auch von der Stiko offiziell empfohlen – aktuell aber bloß für die Grundimmunisierung. Wer schon eine oder zwei Impfungen bekommen hatte, soll laut der Stiko-Empfehlung nach wie vor Biontech/Pfizer oder Moderna als Booster-Vakzin bekommen – unabhängig vom ursprünglich verwendeten Impfstoff. Mit Blick auf Novavax ist das fraglich.

Booster-Studie mit Novavax: Deshalb werden die mRNA-Impfstoffe bevorzugt

Immerhin ist Novavax für viele Experten ein Hoffnungsträger. Weil so manche noch Ungeimpfte haben sich bisher aus misstrauen gegenüber der neuen mRNA- und Vektorimpfstoffe nicht immunisieren lassen. Hier stellt sich die berechtigte Frage: Wollen sich solche Menschen – die sich möglicherweise für eine Novavax-Impfung entscheiden – sich später mit Biontech oder Moderna boostern lassen? Und weshalb kommen eigentlich bloß die mRNA-Vakzine momentan als Booster zum Einsatz?

Hersteller/EntwicklerNovavax
ForschungsnameNuvaxovid (NVX-CoV2373)
ImpfstoffartProteinimpfstoff
ApplikationsformIntramuskuläre Injektion
KrankheitCovid-19 (SARS-CoV-2)

Die Antwort ergibt sich aus der Wirksamkeit. Studien hatten gezeigt, dass eine Auffrischungsimpfung mit Biontech oder Moderna am wirkungsvollsten ist. In einer großen Studie zur Boosterimpfung wurden verschiedene Impfstoff-Kombinationen ausprobiert – auch das Vakzin ‚Nuvaxovid‘ von Novavax wurde in die Studie schon miteinbezogen, obwohl es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht in der EU zugelassen war. Die Forscher haben in der Studie die Wirksamkeit anhand der Antikörper-Menge gemessen.

Booster-Studie mit Novavax: So wirkungsvoll ist Kreuzimpfung mit Biontech

Das Ergebnis: Nach einer Grundimmunisierung mit zwei Dosen Biontech steigt der britischen Studie zufolge die Antikörper-Menge durch einen Novavax-Booster um das Fünffache an. Was sich erst einmal nach viel anhört, ist in der Immunologie recht wenig. Zum Vergleich: Nach einer Auffrischungsimpfung mit Biontech konnten die Forscher eine achtfache Antikörper-Steigerung beobachten. Nach einer Boosterimpfung mit Moderna sei die Antikörper-Menge sogar um das 11,5-fache angestiegen.

Eine Auffrischungsimpfung mit Novavax ist daher auf einer Linie mit AstraZeneca sowie Johnson & Johnson. Auch die zwei Vektor-Impfstoffe steigern die Zahl der Antikörper bloß leicht, sofern sie als Booster eingesetzt werden. Weshalb das so ist, weis Virologe Doktor Martin Stürmer, der in Frankfurt am Main das Institut für medizinische Diagnostik (IMD) leitet. „Die mRNA-Impfstoffe sind als Booster stärker, weil hier der Körper das Spike-Protein selbst nachbauen muss“, verrät er auf Bild.de dazu.

Booster-Studie mit Novavax: Experte weis – deshalb ist‚Nuvaxovid‘ schwächer

Der Reiz an das Immunsystem sei größer, daher scheinen die zwei mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna auch effektiver zu wirken. Stürmer: „Je natürlicher das Protein dem Abwehrsystem präsentiert wird, umso besser ist die Immunabwehr.“ Das wiederum erklärt die eher schwache Boosterwirkung von Novavax. Weil anders als bei mRNA-Impfstoffen werden im Fall von ‚Nuvaxovid‘ die Proteinbestandteile schon mit der Impfung verabreicht – der Körper muss sie nicht selbst produzieren.

Wieder anders sehe es im Fall von Valneva aus, meint Stürmer. Der Impfstoff, der von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) aktuell noch geprüft wird, enthält als ‚Totimpfstoff‘ das komplette SARS-CoV-2-Virus (inaktiv), während mit Novavax lediglich die Proteinbestandteile gespritzt werden. Ob ‚Nuvaxovid‘ deshalb aber als Boosterimpfstoff ausgeschlossen wird, ist fraglich. Immerhin ist es immer noch besser, sich mit Novavax boostern zu lassen, als gar nicht.

Stiko-Vorsitzender schließt einen Novavax-Booster für Deutschland nicht aus

Auch Experten haben sich noch nicht festgelegt. Eine Einschätzung bezüglich Novavax als Booster werde es auf jeden Fall geben, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens erst kürzlich im Gespräch mit RTL/n-tv zur Boosterimpfung. Schon ab 21. Februar soll in Baden-Württemberg der Novavax-Impfstoff zum Einsatz kommen. Einer ersten Studie zufolge soll ‚Nuvaxovid‘ zudem eine gute Wirkung auf ‚Omikron‘ haben und ein ähnliches Nebenwirkungsprofil aufweisen, wie andere Covid-Impfstoffe.

Auch der neue Impfstoff von Valneva konnte in seiner Wirkung auf Omikron in einer ersten Laboruntersuchung überzeugen. Genau wie das Vakzin von Novavax muss der Impfstoff von Valneva in zwei Dosen verabreicht werden, damit sich ein guter Immunschutz aufbauen kann. Sowohl ‚Nuvaxovid‘ als auch ‚VLA2001‘ nutzen Wirkverstärker, um eine ausreichend starke Immunantwort erzeugen zu können. Über das Thema Wirkverstärker informiert HEIDELBERG24 im eben verlinkten Artikel ausführlich.

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