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Corona-Impfstoff aus Pflanzen: So wirkt „Covifenz“

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Von: Jason Blaschke

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Der Impfstoff „Covifenz“ von Medicago ist das erste Corona-Vakzin auf Pflanzenbasis, das in Kanada ab sofort zugelassen ist – und in seiner Wirkung überrascht.

Die Impfkampagne in Deutschland stockt und Fakt ist: Trotz der Einführung von „Nuvaxovid“ von Novavax steigt die Impfquote in der Bundesrepublik nicht spürbar an. Nach wie vor bewegt sich die der Wert laut Robert Koch-Institut (RKI) unter der 80er-Marke – hier war er auch schon vor der Einführung von Novavax. Dabei war das Vakzin für viele Experten und Politiker ein Hoffnungsträger, denn: anders, als die bisher in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe ist die Wirkungsweise von „Nuvaxovid“ lange bekannt.

Stand 7. März zeigt die Impfquote mit 75,6 Prozent aber deutlich, dass das die Hoffnungen nicht erfüllt wurden. Über die Gründe dafür lässt sich bloß spekulieren. Gesundheitsminister Karl Lauterbach geht davon aus, dass das Vakzin auch deshalb nicht wie erhofft erfolgreich ist, weil es zuvor schon – wie auch im Fall von anderen Corona-Impfstoffen – viele Falschinformationen in sozialen Medien gegeben hatte. Ob womöglich ein Vakzin auf Pflanzenbasis mehr Erfolg haben könnte?

Corona-Impfstoff auf Pflanzenbasis zugelassen – Kanada setzt „Covifenz“ ein

Richtig gelesen, einen Corona-Impfstoff auf Pflanzenbasis gibt es tatsächlich – und in Kanada kommt das Vakzin sogar schon zum Einsatz. „Covifenz“ vom biopharmazeutischen Unternehmen Medicago ist der erste pflanzenbasierte Corona-Impfstoff überhaupt, der von einem Land eine Zulassung erteilt bekommen hat. In seiner Wirkung unterscheidet sich der Medicago-Impfstoff stark von anderen Corona-Vakzinen wie Biontech oder AstraZeneca, denn: Das Wirkprinzip ist bei „Covifenz“ ein völlig neues.

Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) nutzt Medicago Pflanzen als lebende Fabriken, um Coronavirus-ähnliche Partikel zu züchten, die das Spike-Protein nachahmen. Das Spike-Protein ist der Bestandteil, der das SARS-CoV-2 umhüllt. Der britische Partner von Medicago, GlaxoSmithKline, steuert eine immunstärkende Chemikalie – auch Adjuvans genannt – zu. Es ist ein Hilfsstoff, der die Wirksamkeit von „Covifenz“ in Bezug auf das Coronavirus steigert.

Vergleich zeigt: Pflanzen-Impfstoff kann es nicht mit mRNA-Vakzin aufnehmen

Über die Wirkverstärker in Corona-Impfstoffen hatte HEIDELBERG24* schon in Bezug auf Novavax und Valneva geschrieben, die in ihrer Wirkung ebenfalls auf Adjuvantien angewiesen sind. Ohne diese Hilfsstoffe würden die Corona-Impfstoffe keine ausreichende Immunantwort hervorrufen. Laut Hersteller konnte für „Covifenz“ in Studien eine Wirksamkeit von 71 Prozent gegen SARS-CoV-2 – Omikron ausgenommen – nachgewiesen werden. Zum Zeitpunkt der Studie waren Alpha und Delta die dominanten Varianten.

mRNA- und Pflanzen-Impfstoff im Vergleich:

mRNA-Vakzine (Biontech, Moderna): Die menschlichen Körperzellen werden mithilfe von Erbgutschnipseln (Messenger-RNA) angeregt, selbst das Spike-Protein von Covid-19 zu produzieren und so eine Immunantwort auszulösen. Die mRNA-Impfstoffe sind sozusagen der Bauplan für das Spike-Protein.

„Covifenz“ von Medicago: Proteinen, die das Spike-Protein nachahmen, werden in Pflanzen gezüchtet. Die Pflanze ist also eine Art „Fabrik“ für virusähnliche Partikel. Jenen Proteinen wird ein Wirkverstärker zugesetzt, ehe sich als Impfung verabreicht werden. Der Körper erkennt die Virusbestandteile als Erreger und eine Immunantwort wird ausgelöst.

Der stellvertretende Leiter des kanadischen Gesundheitsamtes, Howard Njoo, teilte nach der Zulassunhg von „Covifenz“ mit, dass das Beratergremium bis heute die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna bevorzugen würde, wegen ihrer Wirksamkeit und „auch wegen des gut erforschten Sicherheitsprofils“. Zuvor hatte UTOPIA über die Stellungnahme berichtet. Darin spricht Njoo den Knackpunkt an: die Wirksamkeit. Weil die ist bei mRNA-Impfstoffen deutlich besser, als wie bei „Covifenz“.

Corona-Impfstoff von Medicago könnte Impfkampagne in ärmeren Ländern pushen

Zum Vergleich: Die Vakzine von Biotech oder Moderna erzielen in Bezug auf die Alpha- oder Delta-Variante eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent. Im Fall von Biontech liegt der Wert laut der neusten Analyse der FDA sogar über der 95er-Marke. Mit Blick auf „Covifenz“ von Medicago liegen hier Welten dazwischen. Trotzdem: Der Corona-Impfstoff auf Pflanzenbasis könnte für noch Nicht-Geimpfte eine Option sein, die den chemischen Impfstoffen misstrauen und sich aber mit „Covifenz“ impfen lassen würden.

Ob der Pflanzen-Impfstoff auch in Deutschland zugelassen wird, ist unklar. Laut UTOPIA will Medicago die Zulassung als Nächstes in Japan beantragen. Auch mit der Regierung der Vereinigten Staaten und Zulassungsbehörden in Europa will Medicago nach eigenen Angaben schon im Gespräch sein. Interessant könnte ein weiterer Corona-Impfstoff besonders für alle jene Länder werden, die eine noch niedrigere Impfquote als Deutschland aufweisen – Stichwort Entwicklungsländer

Neben „Covifenz“ – auch dieser Impfstoff ist in der EU noch nicht zugelassen

Länder wie Afrika haben aktuell das Problem, dass sie mehr als 90 Prozent der verfügbaren Impfstoffe importieren müssen. Mit der wichtigste Grund dafür ist der Patentschutz für Corona-Impfstoffe, wie aus Berichten von FR.de* hervorgeht. Ein neues Vakzin wie von Medicago – das womöglich vor Ort produziert werden kann – könnte den Entwicklungsländern neue Möglichkeiten eröffnen. Inwieweit der Einsatz von „Covifenz“ speziell in Europa Sinn ergibt, ist fraglich.

Es ist davon auszugehen, dass zunächst der Impfstoff von Valneva in der EU zugelassen wird. Auch dieses Vakzin unterscheidet sich stark von den mRNA- und Vektorimpfstoffen, denn: Es ist ein traditioneller Totimpfstoff. Im Unterschied zu Biontech, AstraZeneca oder eben auch „Covifenz“ von Medicago wirkt der Impfstoff von Valneva nicht auf der Basis einzelner Virusbestandteile, sondern beinhaltet das komplette SARS-CoV-2 in inaktiver (abgetöteter) Form. (jsn) *HEIDELBERG24 und FR.de sind ein Teil von IPPEN.MEDIA.

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