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Neue Studien – warum infizieren sich manche schneller mit Corona?

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Von: Jason Blaschke

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Blutgruppe, Immunität oder Gene – die Faktoren, die eine Corona-Infektion beeinflussen, sind vielfältig. In Studien zeichnet sich ein neues Bild ab.

Trotz neuer Corona-Varianten wie Omikron XE in Großbritannien zeichnet sich mit Blick auf die Corona-Zahlen in Deutschland ein Wendepunkt ab. Neue Analysen zeigen, dass die 7-Tage-Inzidenz seit 25. März kontinuierlich gesunken ist. Am 24. März hatte das Robert Koch-Institut (RKI) noch einen Wert von 1.940,9 gemeldet. Stand 11. April 2022 registrierte die Behörde noch 1.080 Fälle binnen sieben Tagen und auf 100.000 Einwohner gerechnet.

Inzidenz und R-Wert zeigen neue Entwicklung: immer weniger Infektionen

Eine positive Trendwende, die sich auch im R-Wert widerspiegelt. Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen ein Corona-Infizierter vor acht bis 16 Tagen im Schnitt angesteckt hat. Je niedriger der R-Wert, desto weniger Personen hat ein Infizierter mit Covid-19 im Schnitt angesteckt. Am 25. März hatte der Wert laut RKI noch 0,89 betragen. Stand 7. April ist die Reproduktionszahl mit 0,79 weiter unter der Marke von eins.

Liegt der R-Wert über eins, kündigt sich eine neue Pandemie-Welle an – ein seit Wochen tendenziell sinkender R-Wert von 0,79 ist somit ein Indikator dafür, dass sich eine positive Entwicklung in der Covid-19-Pandemie abzeichnet. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich in Deutschland immer noch tausende Menschen täglich neu mit SARS-CoV-2 infizieren. Typische Symptome mit Blick auf Omikron sind neben Husten und Schnupfen auch Fieber und Schmerzen.

Manche infizieren sich viel schneller als andere – das steckt dahinter

Interessant dabei ist, dass manche Menschen anfälliger für eine Coronavirus-Infektion sind, als andere. In einer umstrittenen Studie in Großbritannien wurde 34 Freiwilligen die ursprüngliche Variante von SARS-CoV nasal verabreicht – doch nur etwas mehr als die Hälfte der Probanden erkrankte. Die Studienautoren erklärten, dass allen Freiwilligen die gleiche Virusmenge verabreicht wurde – hatten einige Probanden einfach bloß Glück? Oder steckt mehr dahinter?

Fakt ist, dass SWR-Recherchen zufolge verschiedene Faktoren eine Corona-Infektion beeinflussen können. Dazu gehören alle Gene, aber auch Blutgruppe und Kreuzimmunität können eine Rolle spielen. Eine Erklärung ist, dass das Immunsystem mancher Menschen nach einem Kontakt mit Infizierten das Coronavirus schnell bekämpft, sodass Antigentests nicht anschlagen, sagte Martina Prelog – Fachärztin für Immunologie – im Gespräch mit Deutschlandfunk Nova.

Neue Erkenntnisse aus Studien – Kreuzimmunität ein essenzieller Faktor

Daher kommt es auch vor, dass trotz Symptomen ein Antigen-Test negativ ist. Ausschlaggebend ist hier die Viruslast, die nicht die nötige Menge für ein positives Ergebnis erreicht, wenn das Immunsystem das Coronavirus schneller bekämpft. Ein Faktor, der eine schnelle Immunantwort auf das Coronavirus begünstigt, ist die sogenannte Kreuzimmunität. Kurz: Wer schon mal mit Corona oder einem ähnlichen Virus infiziert war, steckt eine Infektion oft milder weg.

Forscher der Universität Münster hatten in einer Studie entdeckt, dass Probanden, die schon mit einem der insgesamt vier Corona-Viren infiziert waren, tendenziell einen milderen Verlauf entwickelt haben. Das Fazit der Experten: Wenn der Körper das SARS-CoV-Virus kennt, begünstigt das eine schnelle Immunantwort und somit eine geringere Viruslast, die von Corona-Tests nicht als positiv eingestuft wird.

Studie aus Schweden überrascht – milder Corona-Verlauf nach Schweinegrippe?

Eine bislang unveröffentlichte Studie aus Schweden stützt die Erkenntnisse der Experten aus Münster. Anders als die Experten aus Deutschland konnten die Studienautoren aus Schweden zusätzlich nachweisen, dass auch andere überstandene Infektionen einen milden Corona-Verlauf begünstigen, etwa eine überstandene Schweinegrippe. Die Autoren beider Studien gehen aber davon aus, dass der Schutz mit Blick auf die Omikron-Variante geringer ist.

Zum Hintergrund: Die beiden Studien wurden gestartet, als Omikron noch nicht die dominanteste Variante war. Ein weiterer Punkt, der Infektionen mit SARS-CoV beeinflussen kann, ist die Genetik. Laut SWR.de ist bekannt, dass „bestimmte genetische Mutationen besser vor Erkrankungen schützen“. In Studien wurde das zum Beispiel für HIV-Infektion, Tuberkulose oder Influenza nachgewiesen. Auch für Corona gibt es solche Studien schon.

Genetische Mutationen schützer vor Krankheit – erste Studien zu Corona

Allerdings sind die Untersuchungen dazu erst angelaufen, weshalb noch keine sicheren Aussagen getroffen werden können. Doch der SWR berichtet aktuell aber über eine Studie, in der Forscher einen Zusammenhang zwischen acht genetischen Ausprägungen mit Blick auf das Risiko einer Corona-Infektion gefunden haben. Solche Erkenntnisse können später helfen, besser Therapien oder auch Medikamente im Kampf gegen Covid-19 zu entwickeln.

Neben Kreuzimmunität und Genetik gibt es einen weiteren Faktor, der nachweislich Infektionen mit SARS-CoV beeinflussten kann: die Blutgruppe. In mehreren Studien zu früheren Corona-Varianten konnten Forscher nachweisen, dass speziell bei Probanden mit Blutgruppe 0 das Infektionsrisiko tendenziell geringer war. Unklar ist bislang noch, ob es auch eine Blutgruppe gibt, die Covid-19-Infektionen begünstigt.

Blutkonserve
Die Blutgruppe (Symbolbild) beeinflusst das Risiko einer Infektion mit Covid-19 © Rolf Vennenbernd/dpa

Forscher machen neue Entdeckung – Blutgruppe beeinflusst Corona-Infektionen

Das Fazit: Genau wie der Einfluss von Genen muss auch der Zusammenhang von Corona und Blutgruppen noch besser untersucht werden. Zum Teil kommen verschiedenen Studien zu gegenteiligen Ergebnissen. Forscher der Columbia University hatten in einer Studie zum Beispiel ermittelt, dass Menschen mit Blutgruppe A das geringste Risiko hatten, künstlich beatmet werden zu müssen. Nach SWR-Informationen belegte eine andere Studie genau das Gegenteil.

In Sachen Faktoren – die eine Corona-Infektion beeinflussen – ist aus wissenschaftlicher Sicht also noch viel Klärungsbedarf. Sicher ist inzwischen aber, dass sich Menschen unter Omikron schneller und öfter infizieren, wie echo24.de* berichtet. Ebenfalls verlässlich sind die Erkenntnisse zum Corona-Syndrom „Pims“ unter Omikron, das bei Kindern im Rahmen einer Covid-Infektion auftreten kann. Dazu äußerte sich kürzlich ein Experte.

Beschwerden nicht bei allen gleich: Corona-Symptome unterscheiden sich

Die typischsten Omikron-Symptome unter Kindern fasst HEIDELBERG24* zudem in einem separaten Serviceartikel zusammen. Zwar entwickeln Kinder oft ähnliche Beschwerden wie Erwachsene, allerdings treten bestimmte Symptome laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Kindesalter ausgeprägter auf, als unter Erwachsenen. *HEIDELBERG24 und echo24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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