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FFP2-Maske kann weg! Top-Virologe für neue Strategie

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Von: Jason Blaschke

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Epidemiologe Klaus Stöhr plädiert für eine zügige, schrittweise Aufhebung vieler Maßnahmen. Auch die FFP2-Maskenpflicht sieht der Experte kritisch.

Stand 11. Februar sind in Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) 12.009.712 bestätige Covid-Infektionen bekannt. Das sind 240.172 mehr, als am Donnerstag. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz liegt mit 1.472,2 weiter knapp unter der Marke von 100.000 neuen Fällen pro Einwohner binnen einer Woche. Insgesamt 119.679 Todesfälle seien in Verbindung mit SARS-CoV-2 registriert worden, teilte die Behörde mit. Um der Lage Herr zu werden, setzt die Politik auf eine Reihe von Maßnahmen.

Auch in Baden-Württemberg regelt die Corona-Verordnung, wie viele Menschen für eine Veranstaltung zugelassen sind oder wo in Innenräumen eine FFP2-Maske getragen werden muss. Oft stehen die Maßnahmen in der Kritik – zum Beispiel, weil deren Nutzen in der Pandemie angezweifelt wird oder weil sie aus Sicht der Kritiker nicht verhältnismäßig sind. Eine jener Maßnahmen, die sich seit Beginn von Corona in der Verordnung wiederfindet, ist die Maskenpflicht – zumeist in FFP2-Form.

Experte übt Kritik an Maskenpflicht – dabei belegen Studien die Wirksamkeit

Eigentlich nicht verwunderlich, immerhin hatte eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts kürzlich ergeben, dass die FFP2-Maske gut vor einer ‚Omikron‘-Infektion schützt, sofern sie richtig getragen wird. Hinzu kommt, dass qualitativ gute FFP2-Masken laut der Stiftung Warentest nicht einmal teuer sein müssen. Ein Produkt, welches die Tester als „geeignet“ bewerten, kostet pro Stück bloß einen Euro. Trotzdem ist die Maskenpflicht aus Sicht von Epidemiologe Klaus Stöhr überflüssig.

Im Interview mit der Bild (Artikel hinter d. Bezahlschranke, Anm. d. Redaktion) macht der Experte deutlich, dass besonders im nicht-medizinischen Bereich die meisten Maßnahmen zügig und schrittweise wegfallen könnten. Dazu gehören laut Stöhr auch die 2G- und 2G-Plus-Regel und das Tragen der Maske im Einzelhandel. Hier ist aktuell die FFP2-Maske per Verordnung vorgeschrieben – und zwar für alle, unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus. Laut Stöhr eine überflüssige Maßnahme.

Experte übt Kritik an Maskenpflicht: Bloß hier sollen sie eingesetzt werden

Der Experte findet, dass die FFP2-Masken ausschließlich noch in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen eingesetzt werden sollten – ansonsten sollten sie keine Rolle mehr spielen. „Chirurgische Masken schützen im nicht-professionellen Bereich besser“, so Stöhr. In Schulen kann sich der Epidemiologe eine hybride Lösung vorstellen: Kinder unter 12 Jahren sollten von der Maskenpflicht ausgenommen werden. Zudem machen die anlasslosen Corona-Tests aus seiner Sicht keinen Sinn mehr.

Klaus Stöhr

Klaus Stöhr ist ein deutscher Virologe und Epidemiologe, welcher in seiner 15-jährigen Tätigkeit als Mediziner auch für die WHO tätig war. Er leitete das globale Influenza-Programm und war ein SARS-Forschungskoordinator der WHO. Von 2007 bis Ende 2017 war Stöhr zudem in der Impfstoffentwicklung tätig. Seit 2018 ist der prominente Virologe und Epidemiologe als Konsultant (Berater) unterwegs. Oft ist er auch Ansprechpartner für große Medienhäuser

Hintergrund ist, dass die Tests immer bloß eine Momentaufnahme sind und gerade die Schnelltests erst ab einer gewissen Viruslast anschlagen. Weist eine infizierte Person keine Symptome auf, ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Viruslast gering. In Studien wurde zudem mehrfach nachgewiesen, dass Kinder seltener schwer an Covid-19 erkranken und meist milde Verläufe entwickeln. In Schulen in Baden-Württemberg ist es aktuell so geregelt, dass zwar eine Maskenpflicht greift, eine OP-Maske aber ausreicht.

Top-Virologe ist sich sicher: Auch die Maßnahmen können sofort wegfallen

Anfang Februar war zudem bekannt geworden, dass die Landesregierung mehrere Millionen FFP2-Masken für Lehrer zur Verfügung stellt, die ab 14. Februar an die Schulen verschickt werden sollen. Neben 2G-Regel, Tests und Maskenpflicht spricht sich Klaus Stöhr auch für Maßnahmen aus, welche zum Teil schon umgesetzt werden oder in Planung sind. In Baden-Württemberg wurden zuletzt die Quarantäne-Maßnahmen angepasst, sodass Kontaktpersonen sich nicht mehr isolieren müssen.

Eine Entscheidung, die Stöhr begrüßt. Genau wie das Ende der Kontaktnachverfolgung, die Stöhr zufolge bloß noch in bestimmten Bereichen wie der Medizin oder der Pflege Sinn ergibt. Und: Dass PCR-Tests künftig gezielter eingesetzt werden sollen, ist für Stöhr der richtige Weg. Über die neue Corona-Testverordnung in Deutschland* informiert Merkur.de* derzeit ausführlich. Geplant ist, dass Risikogruppen und Personal in Medizin und Pflege priorisiert einen PCR-Test bekommen sollen.

Top-Virologe Klaus Stöhr übt Kritik an Maßnahmen – erste Lockerungen kommen

Zudem sollen bloß noch die Personen einen kostenlosen PCR-Test bekommen, die zuvor einen positiven Schnelltest von einer der offiziellen Teststationen im Land bekommen haben. Und: Für ein ‚freitesten‘ aus der Quarantäne sollen künftig auch die Antigen-Tests ausreichen. Das Interview mit Stöhr führte die Bild am 9. Februar. Mittlerweile ist klar, dass einige der Vorschläge von Stöhr umgesetzt werden sollen – wie eben der Wegfall der Test-Priorisierung. *HEIDELBERG24 und Merkur.de sind ein Teil von IPPEN.MEDIA.

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