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Paxlovid von Pfizer bald verfügbar: So wirkt die neue Anti-Covid-Pille

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Von: Jason Blaschke

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Das Corona-Medikament Paxlovid von Pfizer soll bald auch in Deutschland zum Einsatz kommen. Doch es eignet sich bloß für bestimmte Covid-Patienten.

Die Zahl der Corona-Fälle in Heidelberg sowie in ganz Deutschland steigt seit Wochen stetig an. Beinahe täglich meldet das Robert Koch-Institut (RKI) traurige Rekordwerte. Stand 2. Februar gibt es in Deutschland 10.186.644 bestätigte Fälle. Das sind 208.498 mehr, als noch tags zuvor am Dienstag. Die extremen Fallzahlen spiegelt auch die 7-Tage-Inzidenz wider. Die liegt laut RKI mit 1.227,5 weiter deutlich über der Marke von 1.000 neuen Coronavirus-Infektionen binnen einer Woche und pro 100.000 Einwohner.

Um die Zahl der Infektionen einzudämmen und schwere Verläufe zu verhindern, appellieren Experten, sich impfen und boostern zu lassen. Zwar kann auch eine Dreifach-Immunisierung eine Infektion mit Covid-19 nicht zu 100 Prozent verhindern, jedoch zuverlässig einen schweren Verlauf der Erkrankung. In der EU sind derzeit fünf Impfstoffe zugelassen – wobei der frisch zugelassene Impfstoff von Novavax noch nicht in Deutschland angekommen ist. Im Februar soll es aber so weit sein.

Corona-Medikament Paxlovid: Präparat eröffnet Medizinern neue Möglichkeiten

Berichten von HEIDELBERG24* zufolge soll ab 21. Februar in Baden-Württemberg mit Novavax ‚losgeimpft‘ werden. Geplant ist, dass zunächst Mitarbeiter im Gesundheitswesen eine Novavax-Impfung angeboten bekommen, sofern sie noch nicht geimpft sind. Für sie greift ab März 2022 eine Impfpflicht. Experten gehen davon aus, dass zunächst die Nachfrage größer sein wird, als die Menge an Impfstoffdosen. Das Problem an allen Corona-Vakzinen ist bloß, dass es eine vorbeugende Maßnahme ist.

MedikamentPaxlovid
HerstellerPfizer Inc.
EntwicklungsnamePF-07321332
WirkstoffklasseProteaseinhibitor
WirkmechanismusHemmung viraler 3C-like-Protease

Wer schon akut mit Covid-19 infiziert ist, kann nur von einer Impfung profitieren, wenn er sich schon vor der Infektion hatte impfen lassen. Und gerade Personen – die Gefahr laufen, einen schweren Verlauf zu entwickeln – kommen schnell in eine verzwickte Lage. Der Grund: Bisher gibt es kein Medikament gegen eine Covid-19-Infektion – bisher werden meist nur die Symptome wie Fieber und Schmerzen behandelt. Doch das könnte sich bald ändern, wenn das Corona-Medikament Paxlovid zum Einsatz kommt.

Corona-Medikament Paxlovid: So funktioniert die Anti-Covid-Pille von Pfizer

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hatte Ende Januar der Europäischen Kommission empfohlen, das Corona-Medikament von Pfizer zuzulassen. Die formale Zulassung der Kommission ist meist reine Formsache. In der Regel folgt die oberste EU-Behörde der EMA-Empfehlung. Das wiederum bedeutet, dass das Medikament bald auch in Deutschland zum Einsatz kommen könnte. Und gerade für viele erkrankte Menschen könnte Paxlovid von Pfizer Abhilfe schaffen.

So wirkt Paxlovid nach der Einnahme:

Das Medikament Paxlovid kombiniert zwei Wirkstoffe: PF-07321332 (Nirmatrelvir) und Ritonavir. Nirmatrelvir ist ein Enzym-Hemmer, der verhindert, dass sich das Coronavirus weiter im Körper ausbreiten kann. Das Virus benötigt die Protease 3CL – und genau die wird von Nirmatrelvir blockiert. Ist 3CL blockiert, ist folglich auch die Virusvermehrung gestört. Der Pfizer-Wirkstoff greift also nicht das Spike-Protein an, welches von Variante zu Variante unterschiedlich ist. Somit kann der neue Wirkstoff bei nahezu allen bekannten Mutationen eingesetzt werden.

Der zweite Wirkstoff Ritonavir ist ebenfalls ein Virostatikum und wird erfolgreich in der Behandlung von HIV und Hepatitis C eingesetzt. In Kombination mit Nirmatrelvir fungiert Ritonavir allerdings als Booster (Wirkverstärker) und steigert so die Wirkung von Nirmatrelvir im Körper. Konkret verhindert Ritonavir, dass Nirmatrelvir zu schnell im Körper abgebaut wird – der Wirkstoff kann so niedriger dosiert werden, weil er länger im Körper verbleibt.

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ)

Das Besondere: Paxlovid ist anders als die bisher verfügbaren Antikörper-Therapien eine ganz normale Pille, die der Patient bloß schlucken muss. Ein Arzt kann das Präparat auf Rezept verschreiben und der Betroffene nimmt zweimal täglich drei Tabletten über (maximal) fünf Tage oral ein. Der ambulante Einsatz kann somit einen Aufenthalt im Krankenhaus verhindern und gibt Ärzten ein wirkungsvolles Instrument im Kampf gegen eine Coronavirus-Infektion an die Hand.

Corona-Medikament Paxlovid: Präparat nicht für alle Patienten geeignet

Also Pille schlucken statt Infusion? „Ja“, sagt der Hersteller Pfizer – es gibt aber zwei Einschränkungen. Zum einen ist das Corona-Medikament aus Freiburg* – über das auch BW24* informiert – nicht für die Prävention einer Infektion geeignet, zum anderen hilft das Medikament nicht mehr, wenn schon ein schwerer oder gar kritischer Verlauf vorliegt. Im schlimmsten Fall kommt ein Infizierter an einem Aufenthalt im Krankenhaus nicht vorbei – wichtig ist es daher, das Medikament frühzeitig anzusetzen, wenn die Gefahr für einen schweren Verlauf besteht.

Das heißt: Paxlovid könnte besonders für ältere und chronisch kranke Menschen interessant sein, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben und bislang milde Symptome aufweisen, welche ambulant behandelt werden können. Nach Angaben von Pfizer verhindert das Medikament „sehr erfolgreich“ schwere Krankheitsverläufe. In klinischen Studien zeigte Paxlovid eine Wirksamkeit von knapp 90 Prozent gegen einen schweren Krankheitsverlauf oder Tod wegen Covid-19.

Corona-Medikament Paxlovid: Welche Nebenwirkungen laut Pfizer möglich sind

Es gibt aber ein aber. Die eben genannte hohe Wirksamkeit entfaltet sich bloß, wenn das Corona-Medikament innerhalb der ersten fünf Tage nach Auftritt der ersten Symptome eingenommen wird. Wer also coronapositiv ist und Gefahr läuft, einen eher schweren Verlauf zu entwickeln, muss schnell reagieren. Zudem müssen all die Covid-19-Patienten, die mit Paxlovid therapiert werden, mit Nebenwirkungen rechnen. Laut Pfizer sind folgende Nebenwirkungen nach der Einnahme möglich:

Wer zudem an einer Nierenerkrankung oder an Leberschäden leidet, muss aufpassen. Laut Experten muss für bestimmte Covid-Patienten die Dosierung angepasst werden. Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass Paxlovid nicht präventiv eingesetzt werden sollte und bloß Patienten hilft, deren Infektionsstadium noch mild ist. Für die große Masse ist das neue Medikament somit eher weniger gedacht – vielmehr für Hochrisikopatienten, die Gefahr laufen, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Corona-Medikament Paxlovid: Neues Präparat kann die Impfung nicht ersetzen

Und auch eine Corona-Schutzimpfung ersetzt das neue Präparat von Pfizer nicht. Der einfache Grund: Paxlovid kann weder eine Infektion verhindern, noch schützt es vor möglichen Langzeitfolgen einer Infektion – Stichwort „Long Covid“. Zwar muss auch nach einer Corona-Impfung mit Nebenwirkungen zu rechnen, diese sind aber zumeist mild und verschwinden nach einiger Zeit ganz von alleine wieder. Wer natürlich starke oder bestimmte Impfreaktionen aufweist, sollte schnell einen Arzt aufsuchen. *HEIDELBERG24 und BW24 sind ein Teil von IPPEN.MEDIA.

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