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Mysteriöse Hepatitis-Fälle: Experten vor Rätsel – warum erkranken immer mehr Kinder?

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Von: Marten Kopf

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Mehrere europäische Länder verzeichnen einen Anstieg akuter Hepatitis-Fälle unter Kindern – doch der Grund ist völlig unklar. Sogar ein Zusammenhang zum Coronavirus wird jetzt untersucht.

Wachsam solle man jetzt sein. Die Situation genau beobachten. Das schreibt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am 12. April in einer Pressemitteilung. Der Hintergrund: Großbritannien verzeichnet einen Anstieg akuter Hepatitis-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahren. Und das ist ungewöhnlich – denn der Auslöser ist unbekannt.

ErkrankungHepatitis
Auslösermeist Hepatitis-Viren der Typen A, B, C, D und E
Symptome(akute) Leberentzündung

Rätselhafte Hepatitis-Fälle bei Kindern: Mehrere Corona-Infektionen

Bisher sind laut WHO aus zwölf Staaten Fälle gemeldet worden, in denen Kinder unter 16 Jahren an der „akuten Hepatitis unbekannten Ursprungs“ erkrankten – die meisten davon aus England, aber auch etwa aus Irland, Spanien, Dänermark und den USA. Anfang der Woche meldete die WHO außerdem den ersten Todesfall im Zusammenhang mit der Hepatitis-Erkrankung.

Das Seltsame daran: Die sonst meist für akute Krankheitsverläufe verantwortlichen Hepatitis-Viren A, B, C, D und E wurden laut Behörden durch Laboruntersuchungen ausgeschlossen. In mehreren Fällen seien allerdings eine Infektion mit dem Coronavirus und/oder Adenoviren nachgewiesen worden. Ob ein Zusammenhang besteht, ist aber unklar. Auslöser der Hepatitis könnte auch eine bislang völlig unbekannte Virusvariante sein.

Hepatitis-Fälle in Deutschland: Bislang „keinerlei besorgniserregenden Signale“

Anders als in Großbritannien und den anderen Ländern sehen deutsche Experten bislang keine Hepatitis-Auffälligkeiten bei Kindern hierzulande. Bisher seien dem Robert-Koch-Institut (RKI) keine Fälle bekannt geworden, teilt eine RKI-Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Man habe Länder und medizinische Fachgesellschaften aber um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten.

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Burkhard Rodeck, sagte gegenüber der dpa: „Wir haben nach den Berichten aus Großbritannien die Kinder-hepatologischen Zentren in Deutschland abgefragt: Es gibt aber bisher keinerlei besorgniserregenden Signale für eine ungewöhnliche Häufung“.

Akute Hepatitis bei Kindern: Keine Verbindung zu Covid-19-Impfung

„In der Regel vermuten wir eine bislang unbekannte Virusinfektion. Es kommen mehrere Arten von Viren in Frage, nicht nur die Hepatitisviren A bis E. Die bekannten Viruserkrankungen kann man natürlich diagnostizieren, bisher nicht bekannte bleiben unklar“, so Rodeck weiter. Grundsätzlich sei eine schwere Hepatitis bei Kindern eher selten.

Auch britische Experten halten laut ECDC eine Infektion für die wahrscheinlichste Ursache, auch wenn Untersuchungen etwa auf giftige Stoffe noch laufen. Fachleute fanden der EU-Behörde zufolge auch keine Verbindung zu Covid-19-Impfungen – über Details zur Untersuchung der Hepatitis-Fälle berichtet Merkur.de. Ebenso wenig zeigte sich ein Muster bei Reisen, Lebensmitteln, Getränken und Gewohnheiten der Betroffenen.

Rätselhafte Hepatitis-Fälle: Lebertransplantationen bei sechs Kindern

In allen Ländern liefen noch Nachforschungen. Ob es sich bei den berichteten Fällen tatsächlich um eine Häufung verglichen mit dem üblichen Geschehen handle, sei angesichts geringer Fallzahlen noch nicht ganz klar, sagt Rodeck. In der Regel verläuft eine Hepatitis bei Kindern Experten zufolge oft ohne Symptome oder nur mit geringer Beeinträchtigung.

Bei den betroffenen Kindern in Großbritannien waren stark erhöhte Leberenzyme gemessen worden, viele hatten Gelbsucht. Auch von Magen-Darm-Beschwerden war die Rede, etwa Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Fieber sei meist nicht aufgetreten. In Großbritannien erhielten sechs Kinder eine Lebertransplantation. (mko/dpa)

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