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„Rückkehr der Malaria möglich“ – RKI-Chef warnt vor schlimmen Krankheiten

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Von: Jason Blaschke

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Auch in Deutschland könnten sich laut RKI-Präsident Lothar Wieler Erreger wie das Zika-, Dengue- oder das West-Nil-Virus ausbreiten – erste Maßnahmen werden ergriffen.

Die Temperaturen in Baden-Württemberg und ganz Deutschland werden jährlich immer heißer und die Sommer trockener. Allein die Hitze-Tage im August in Baden-Württemberg zeigen, dass der Klimawandel auch hierzulande immer deutlicher spürbar ist. Doch nicht nur das Wetter in Deutschland ist ein Zeichen dafür, dass der Klimawandel nicht länger nur ein Problem der südlichen Länder ist. Zwar gibt es in Europa kaum Naturkatastrophen, dafür aber immer mehr invasive Tierarten.

RKI-Chef Wieler warnt vor Tierarten, die gefährliche Krankheiten übertragen

Gefühlt täglich erreicht die Menschen eine Meldung über eine neue Tier- oder Pflanzenart, die sich in Deutschland angesiedelt hat. Erst vor wenigen Wochen etwa wurde bekannt, dass sich die giftige Nosferatu-Spinne in Baden-Württemberg ausbreitet, gesehen wurde sie schon in Karlsruhe und Pforzheim. Weit mehr Sorgen als Spinnenarten machen Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), aber invasive Mücken, die gefährliche Viren übertragen können.

Er geht davon aus, dass sich auch in Deutschland Tropenkrankheiten stärker ausbreiten werden. Der Klimawandel werde auch hier zu einer Ausdehnung der Lebensräume von Mücken oder Zecken führen, erklärte Wieler den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Viele Mücken- und Zeckenarten können virale, bakterielle und parasitäre Infektionserreger übertragen.“ Dazu zählt auch in Baden-Württemberg die asiatische Tigermücke, die in Heidelberg schon gesichtet wurde.

Lothar Wieler, Präsident Robert Koch-Institut (RKI) nimmt an einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage teil.
Warnt vor gefährlichen Krankheiten, die in Zukunft auch in Deutschland verstärkt auftauchen könnten: RKI-Präsident Lothar Wieler. (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa

Gefährliche Krankheiten: Laut Wieler ist „eine Rückkehr der Malaria“ möglich

Invasive Tierarten wie die Tigermücke können laut Wieler „Zika-, Dengue- oder das West-Nil-Virus“ übertragen. Laut tagesschau.de erwähnte Wieler im Interview explizit auch die Meningoenzephalitis (FSME), ein Virus, das von Zecken übertragen wird. Da die Zahl der Fälle seit Jahren zunimmt, raten Experten zur Zeckenschutz-Impfung, die nach der Grundimmunisierung nach etwa drei bis fünf Jahren aufgefrischt werden sollte.

Neben den Zecken und der Tigermücke gibt es in Baden-Württemberg noch weitere Mückenarten, die gefährliche Krankheiten auf die Menschen übertragen können. Laut Wieler sei sogar „eine Rückkehr der Malaria möglich“. Grundsätzlich sei die Vermehrung von Viren in Mücken temperaturabhängig, so dass mit höheren Temperaturen über längere Zeiträume die Wahrscheinlichkeit von Infektionen durch Mückenstiche steige.

Nicht nur Tigermücke: Experten gehen von weiteren invasiven Mückenarten aus

Aus Sicht von Lothar Wieler ist es deshalb wichtig, dass auch die Ärzte hierzulande für exotische Krankheiten sensibilisiert werden. Das ist auch eine Maßnahme, die das RKI als Gesundheitsbehörde verfolgt. Mit der Prognose, dass sich exotische Krankheiten auch in Deutschland bald verstärkt ausbreiten könnten, ist Wieler nicht allein. Auch Experten wie der Gesundheitspolitiker und Mediziner Andrew Ullmann (FDP) vermuten, dass die Entwicklung nicht aufzuhalten ist.

In ganz Europa und auch in Deutschland werden Mückenarten auftauchen, „die in unseren klimatischen Regionen bisher unbekannt waren“, sagte der FDP-Politiker. Er fordert daher, auf die Entwicklung zu reagieren, etwa mit Forschungs- und Innovationsinitiativen. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Ullmann, dass man diese Ausbreitung von Krankheitserregern erst besser verstehen müsse, um dann „wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen zu können“. (jsn)

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