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Paracetamol-Knappheit: Konzern auf hohe Nachfrage „nicht vorbereitet“

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Von: Julian Kaiser

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Leiden Säuglinge und Kleinkinder unter Schmerzen und Fieber, greifen viele Eltern zu Paracetamol-Saft. Doch dieser ist momentan kaum noch erhältlich.

NRW – Das Schreien und Schluchzen von Babys und Kleinkindern, die Schmerzen und Fieber haben, ist herzzerreißend. Um dem Nachwuchs zu helfen, begeben sich viele Eltern in die Apotheke und fragen nach Schmerzmitteln wie Paracetamol. Der Fiebersaft, der den gewünschten Wirkstoff enthält, hilft den leidenden Kleinen häufig bereits nach kurzer Zeit, leichte Schmerzen wie Kopfweh werden gelindert, das Fieber ist schnell gesenkt.

ParacetamolSchmerzlindernder und fiebersenkender Arzneistoff
HerstellungErstmals 1878 von Harmon Northrop Morse beschrieben
Laut WHO auf der Liste unentbehrlicher ArzneimittelSeit 1977

Paracetamol-Knappheit: Apotheken beklagen schon länger Lieferengpässe

Doch das Arzneimittel ist bereits seit einigen Monaten zu einem knappen Gut in den Apotheken geworden. In den vergangenen Wochen konnte das deutsche Pharmaunternehmen Ratiopharm, neben Bene-Arzneimittel einer der letzten beiden verbliebenen Anbieter von Fiebersäften mit Paracetamol, der hohen Nachfrage nicht mehr gerecht werden, wie RUHR24 berichtet. Flüssiges Paracetamol fehlt momentan an allen Ecken und Enden (mehr Service auf RUHR24).

Wie die Pharmazeutische Zeitung (PZ) berichtet, hatten zahlreiche Apotheken bereits Mitte März dieses Jahres Alarm geschlagen. Insbesondere in den Bereichen Zäpfchen und Fiebersäften hatte es zu der Zeit schon Lieferengpässe gegeben.

Paracetamol-Knappheit: Versorgungslage seit März immer wieder prekär

Mitte Mai schien die Lage dann unter Kontrolle zu sein. Schließlich hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Nachfrage der PZ am 12. Mai erklärt, dass „Lieferengpässe zu Paracetamol-haltigen pädiatrischen Zubereitungen (...) aktuell nicht gemeldet“ gewesen seien und verwies auf „eine dem durchschnittlichen Bedarf gerechte Belieferung.“

Die Engpässe, die noch im März im wahrsten Sinne des Wortes für Kopfschmerzen bei Apotheken und Verbrauchern geführt hatten, schienen überwunden.

Paracetamol-Knappheit: Pharmakonzern war auf hohe Nachfrage „nicht vorbereitet“

Für die Knappheit ursächlich ist laut Stiftung Warentest nicht nur die Reduzierung der Zahl der Anbieter von elf auf zwei in den letzten Jahren, sondern vor allem die kurzfristig gestiegene Nachfrage nach der Grippe- und Erkältungswelle Ende 2021 und Anfang 2022.

Eine Unternehmenssprecherin von Ratiopharm teilte Stiftung Warentest mit, man sei auf diese hohe Nachfrage „nicht vorbereitet“ gewesen. Eine kurzfristige Reaktion auf die neue Situation sei „aufgrund entsprechender Vorlaufzeiten“ nicht möglich gewesen.

Paracetamol-Knappheit: Bei Alternativen unbedingt Rücksprache mit Kinderarzt halten

Doch es gibt einen weiteren Grund, weshalb Paracetamol-Säfte knapper werden. Wie RTL berichtete, habe die Hexal-Zweitmarke 1A-Pharma angekündigt, die Produktion des Paracetamol-Saftes einzustellen. Als Grund gab das Unternehmen die gestiegenen Rohstoffpreise an, die für den aufwändigen Herstellungsprozess des Saftes nötig sind – eine Begründung, die vielen bereits bekannt vorkommen dürfte, denn auch zahlreiche Lebensmittel werden deshalb teurer.

Nun gibt es Licht am Ende des Tunnels. Ratiopharm kündigte an, die Paracetamol-Lösungen ab Ende Mai wieder auszuliefern zu wollen und in den Sommermonaten Juli und August weitere Ware zu liefern. Ebenso sei Bene-Arzneimittel um eine baldige Behebung des Lieferengpasses bemüht – anscheinend mit Erfolg: In der Lieferengpass-Datenbank des BfArM taucht Paracetamol nach jetzigem Stand (31. Mai) nicht auf.

Ibuprofen als Ersatz für Paracetamol

Es gibt mit Ibuprofen zwar eine Alternative zum Paracetamol-Saft, doch bezüglich der Dosierung und der Verträglichkeit bei Kindern sollten Eltern zunächst unbedingt Rücksprache mit dem Kinderarzt halten. In Apotheken könnten Eltern den Paracetamol-Saft zudem anfertigen lassen, erklärte der Deutsche Apothekerverband gegenüber RTL.

Diesem Angebot sollte man aber nur nach einer expliziten Empfehlung durch den Kinderarzt nachkommen. Zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse sollte ebenfalls zunächst Rücksprache mit einer Apothekerin oder einem Apotheker gehalten werden.

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