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Corona-Syndrom „PIMS“ bei Kindern: Alles zu Symptomen, Verlauf und Therapie

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Von: Jason Blaschke

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Die Angst vieler Eltern ist, dass ihr Kind nach einer Omikron-Infektion an PIMS erkranken könnte. Experten beruhigen und verweisen auf einzelne Fälle.

In Zusammenhang mit Corona wird oft über die möglichen Symptome einer Infektion mit Omikron oder die aktuellen Fallzahlen in Deutschland berichtet. Im Moment rücken aber vermehrt auch die Beschwerden in die mediale Berichterstattung, welche nach einer überstandenen Infektion mit Omikron auftreten können. Oft fällt hier der Begriff „Long Covid“, der gesundheitliche Langzeitfolgen, die nach einer akuten Erkrankung auftreten können, zusammenfasst.

KrankheitCOVID-19
ErregerSARS-CoV-2
UrsprungChina
MutationOmikron
erster NachweisSüdafrika

PIMS-Syndrom nach Corona-Infektion – selbst nach leichter Infektion möglich

Auch Kinder können von solchen Langzeitfolgen nach einer Covid-Infektion betroffen sein. Und besonders in einer Zeit, in der sich auch viele Jüngere mit Corona infizieren, ein wichtiger Punkt. Eine der bekanntesten SARS-CoV-2-Folgen bei Kindern ist das PIMS-Syndrom – eine Entzündungserkrankung verschiedener Organe. PIMS ist eine Abkürzung von „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome, was ‚pädiatrisches entzündliches Syndrom‘ bedeutet.

Ausgelöst werden die Entzündungen vom Immunsystem, das verzögert und überschießend auf die Infektion mit Covid-19 reagiert. Selbst, wenn ein betroffenes Kind bloß leichte oder gar keine typischen Symptome aufweist, kann es am PIMS-Syndrom erkranken. Welches Omikron-Symptom oft bei Kindern auftritt, fasst HEIDELBERG24* in einem separaten Servicebeitrag zusammen. Auch auf das PIMS-Syndrom gibt es Anzeichen, auf die Eltern achten sollten.

DGPI erfasst Fälle von PIMS – auf diese sechs Symptome sollen Eltern achten

Das ZDF berichtet, dass erste PIMS-Symptome typischerweise vier bis sechs Wochen nach der Infektion mit Corona auftreten. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt ein PIMS-Fall vor, wenn nach einer Covid-Infektion mindestens drei Tage lang Fieber auftritt und dazu mindestens zwei weitere Anzeichen. Laut der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) sind folgende Symptome mögliche Anzeichen für ein PIMS-Syndrom:

Wenn Eltern die typischen Symptome für ein PIMS-Syndrom bemerken, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Das Syndrom könne zwar ein schweres Krankheitsbild auslösen, sei aber behandelbar, erläutert Kinder- und Jugendmediziner Jakob Armann vom Universitätsklinikum Dresden im Gespräch mit ZDFheute. Zwar muss nach Analysen der DGPI etwas mehr als die Hälfte aller PIMS-Patienten auf einer Intensivstation behandelt werden, allerdings bloß kurzzeitig.

Auf Anfrage von HEIDELBERG24* erklärt Armann, dass am häufigsten Immunglobuline (Antikörper) und Steroide (Kortison) in der PIMS-Therapie eingesetzt werden. Kortison ist ein starker Entzündungshemmer, der auch in der Behandlung von akuten Corona-Infektionen verwendet wird. Auch deshalb werden PIMS-Fälle in der Regel immer stationär in einer Kinderklinik behandelt. Nicht immer müssen die Patienten aber komplett auf die Intensivstation.

Experte mit positiver Bilanz zu PIMS-Fällen – Erkrankung ist relativ selten

Von PIMS betroffene Kinder können in der Regel nach zwei bis fünf Tagen die Intensivstation wieder verlassen, weis Armann. Nach einer überstandener Erkrankung sind Folgeschäden selten. Daten der DGPI zufolge wurden bisher 34 Fälle registriert, Todesfälle in Zusammenhang mit PIMS sind nicht bekannt. Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind nach Corona an PIMS erkrankt, relativ gering, wie Zahlen der DGPI verdeutlichen.

„Pro 4.000 Infektionen tritt ungefähr ein PIMS-Fall auf – das sehen wir auch international“, sagt Armann. Stand 10. April 2022 sind der DGPI zufolge 814 PIMS-Fälle in Deutschland bekannt, die die Definition der WHO erfüllen. Gegenüber HEIDELBERG24* erklärt Armann, dass die Wahrscheinlichkeit ein PIMS-Syndrom zu entwickeln bei einer Infektion mit Omikron „relevant geringer“ sei, als im Fall von Delta. Mit Blick auf Omikron spricht der Experte von „Einzelfällen“.

Neue Daten zeigen: Anzahl registrierter PIMS-Fälle in Deutschland rückläufig

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) teilte mit, dass die meisten PIMS-Fälle in Deutschland „nach Infektionen mit der Virusvariante Alpha festgestellt wurden“. Neue Daten der DGPI stützen das und zeigen, dass unter Omikron die Anzahl der registrierten PIMS-Fälle abnimmt. Tendenziell erkrankten primär jüngere Kinder an PIMS – laut der DGPI sind etwa 40 Prozent der in Deutschland Betroffenen unter einem Jahr alt.

Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 17-Jährigen sind es gerade einmal vier Prozent. Doch auch, wenn ein PIMS-Syndrom in Folge einer Coronavirus-Infektion selten ist, sollten Eltern wachsam sein und Anzeichen für die Erkrankung ernst nehmen. Dabei ist es erst einmal auch wichtig, die Covid-Infektion zu erkennen, was manchmal gar nicht so einfach ist. Welche Omikron-Symptome speziell bei Kleinkindern auftreten, verrät kreiszeitung.de* in einem eigenen Serviceartikel.

Experte mit positiver Prognose zu PIMS – „sehe keinen Anlass zur Sorge“

Über die Entwicklung von PIMS mit Blick auf zukünftige Corona-Varianten wie „Omikron XE“ kann Armann bloß spekulieren. Auf die Frage von HEIDELBERG24* gibt der Experte aber eine positive Prognose. Armann: „Da aber selbst unter dem Wildtyp und der Alpha-Variante PIMS eine seltene Erkrankung war – die zudem gut therapiert werden kann – sehe ich keinen Anlass zur Sorge.“ *HEIDELBERG24 und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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