Weiden auf der grünen Wiese? Von wegen

Milch im Test 2021: Schadstoffe in diesen 2 beliebten Bio-Marken

Bio-Milch bei Öko-Test – Die gute Nachricht: Die Großzahl der getesteten Produkte kann in Sachen Qualität überzeugen. Die schlechte: Nicht jede ‚Bio-Kuh‘ hat ein schönes Leben.

Bio-Milch ist meist nicht nur eine gute Wahl, sondern auch eine bessere als konventionelle Milch. Zu diesem Ergebnis kommt die Fachzeitschrift Öko-Test (Februar-Ausgabe 2021) nach dem Test von 20 Bio-Milchprodukten. „Die Qualität stimmt, und die Kühe haben größere Chancen auf ein gutes Leben“, heißt es. Doch es gibt auch ein großes Aber – denn Öko-Test macht gleichzeitig auch klar, dass nicht alle Kühe ein schönes Leben haben, auch wenn ihre Milch „bio“ ist.

Auch wenn die meisten Bio-Milchprodukte unterm Strich qualitativ hochwertig seien und die Anforderungen an Tierhaltung und ökologisches Wirtschaften deutlich über dem Standard lägen, gibt es auch zwei Marken die beim Thema Tierwohl und Transparenz nicht punkten konnten. In zwei weiteren Produkten wurden gar Schadstoffe festgestellt, wie HEIDELBERG24* berichtet.

VerbrauchermagazinÖko-Test
ProduktBio-Milch
Anzahl der Marken20

Bio-Milch im Öko-Test: Das sind Testsieger – das die Verlierer

Insgesamt haben beim Öko-Test lediglich zwei der insgesamt 20 getesteten Bio-Milchprodukte mit der Testnote „sehr gut“ abgeschnitten. Elf weitere Bio-Milchmarken bewerten die Experten mit der Note „gut“, fünf Bio-Milchprodukte liegen mit dem Ergebnis „befriedigend“ im Mittelfeld – zwei erhielten lediglich die Note „ausreichend“.

Öko-Test von Bio-Milch: Das sind die Testsieger

  • Alnatura Frische Vollmilch (Bioland)
  • Dennree Frische Weide Vollmilch (Bioland)

Beide Bio-Milchprodukte konnten in allen Testbereichen voll punkten und mit der Note „sehr gut“ überzeugen. Dennoch gab es minimale Kritikpunkte: Bei der Biomilch von Alnatura gibt es laut Öko-Test Hinweise auf Enthornung. In allen anderen Tierwohl-Fragen sei die Haltung der Kühe jedoch vorbildlich. Bei der Biomilch von Dennree könnten die fehlenden Abkalbeboxen bei den Tieren zu Stress führen.

Öko-Test von Bio-Milch: Das sind die Testverlierer

  • Schrozberger Milchbauern Demeter Frische Vollmilch (Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken)
  • Frische Milch, Bio (Molkerei Weihenstephan)

Bei der Bio-Milch der Molkereigenossenschaft kritisieren die Experten von Öko-Test einige Aspekte des Tierwohls: Hier würden Kühe teilweise angebunden gehalten werden. Außerdem konnten die Hersteller nicht belegen, dass es ausreichend Fress- und Liegeplätze, Abkalbeboxen und Krankenabteile sowie einen regelmäßigen Weidegang gibt. Ebenfalls bemängelt wurde die Rückverfolgbarkeit der Milch zu den Höfen.

Die Bio-Milch von Weihenstephan konnte im Gesamtergebnis nicht über die Note „ausreichend“ kommen, weil das Unternehmen als einziges nicht auf die Anfrage von Öko-Test reagiert hatte. Die Experten werteten diese Intransparenz beim Aspekt Tierwohl als „ungenügend“.

Bio-Milch vom Discounter: So schneiden die Produkte von Aldi und Lidl ab

Bei Discountern ist seit längerem ebenfalls Bio-Milch zu finden – und das zu vergleichsweise niedrigen Preisen. Geht das folglich auf Kosten des Tierwohls? Während Lidl mit dem Verband Bioland kooperiert, der das Bioland-Siegel vergibt, setzt Aldi lediglich auf das einfache EU-Bio-Siegel.

Das Produkt von Lidl - Lidl Milbona Bio Frische Vollmilch - hat beim Test mit der Note „gut“ abgeschnitten, für das Produkt von Aldi - Aldi Gut Bio Frische Vollmilch - hat es lediglich für ein „befriedigend“ gereicht. Letztere soll ich Test leicht „pappig“ geschmeckt haben. Öko-Test erklärt, dass es bei beiden Produkten Hinweise auf Enthornung gebe und sich eine Anbindehaltung nicht ausschließen lasse. Bei den Bauernhöfen für die Milch von Aldi und Lidl gibt es jedoch auch unabhängige Tierwohlkontrollen und die Kühe dürfen teilweise nachweisbar auf die Weide.

Bio-Milch im Öko-Test: Schadstoffe in zwei Produkten nachgewiesen – Bakterien könnten zu Magen-Darm-Problemen führen

Bei der Schadstoffanalyse zeigt der Großteil der getesteten Bio-Milchmarken keine Auffälligkeiten. Doch die beiden Produkte „Frische Heumilch, Bio“ von Gläserne Molkerei und „Frische Bio Milch“ von Upländer Bauernmolkerei - beide erhielten die Gesamtnote „gut“ - enthielten laut Laborbefund auffällige Mengen des Keims Bacillus cereus, von dem einige Stämme Magen-Darm-Probleme auslösen können, anderen können den Verderb der Milch beschleunigen.

Öko-Test hat erst kürzlich 20 Spaghettisorten getestet – auch hier wurden in zwei beliebten Produkten Schadstoffe nachgewiesen.

Bio-Milch im Öko-Test: Beton statt grüne Weide?

Wenn man auf so manch einen Milchkarton blickt, könnte diese den Eindruck erwecken, dass die Bio-Milchkühe das ganze Jahr über auf der grünen Weide grasen – doch der Schein trügt. Denn: Auch Bio-Kühe dürfen im Stall angebunden werden. Lediglich vier Anbieter konnten gegenüber Öko-Test belegen, dass ihre Bio-Milch nicht aus Anbindehaltung stammt. Unter ihnen auch die beiden Testsieger von Alnatura und Dennree.

Die verbreitetere Form ist die Haltung in Laufställen, wo sich die Tiere zwar zwischen dem Liegeplatz, der Futterstelle und dem Melkstand bewegen können, eine Weide sehen die Kühe hier in der Regel aber nicht. Nur bei acht der insgesamt 20 getesteten Bio-Milch-Anbietern konnte Weidegang nachgewiesen werden. „Die Tiere können ihr artspezifisches Verhalten am besten ausleben, wenn sie auf gelenkschonendem Untergrund grasen“, so Öko-Test. Verpflichtend für Bio-Milch sei lediglich ein Auslauf im Freien. „Das kann auch ein Laufhof mit Betonplatten sein“, kritisiert Öko-Test. (rob) *HEIDELBERG24 ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Christin Klose

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