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Mogelpackung des Jahres: Erdrutschsieg – Das ist der „glückliche Gewinner“

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Von: Marten Kopf

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Größere Packung, weniger drin – dafür aber ein bisschen teurer. Solche „Mogelpackungen“ sind Kundenfrust pur. Die Verbraucherzentrale hat jetzt wieder die dreisteste Abzocke gekürt.

Update vom 25. Januar: And the winner is... Verbraucherinnen und Verbraucher haben die „Paprika Sauce“ von Homann zur „Mogelpackung des Jahres 2021“ gewählt. Mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen ging an die Fertigsauce, wie die Verbraucherzentrale Hamburg am heutigen Dienstag (25. Januar) bekannt gibt. Die Homann Feinkost GmbH hatte eine Design- und Namensänderung genutzt, um die Füllmenge des Produkts zu reduzieren. Statt 500 werden jetzt nur noch 400 Milliliter Sauce abgefüllt. Ganz nebenbei ist dabei auch noch der Preis im Handel gestiegen. Kostete die Sauce vor der Umstellung noch 0,99 Euro, wird sie in verschiedenen Supermarktketten inzwischen für 1,49 Euro angeboten – das entspricht einer Preiserhöhung um satte 88 Prozent.

Ganz schön dreist fanden das auch die Abstimmungsteilnehmer – und quittierten diese dreiste Abzocke mit einem Stimmergebnis von 50,6 Prozent. Insgesamt standen fünf Produkte zur Wahl, die weiteren Plätze belegten einigermaßen abgeschlagen der „KitKat-Sammelpack“ von Nestlé mit 15,4 Prozent, „Perpetum“ von Bahlsen (11,8 Prozent), die „Rahm Soße“ von Knorr (11,4 Prozent) und schließlich die „Wurzener Waffelblättchen“ von Griesson – de Beukelaer (10,8 Prozent). Dass sich Homann als „glücklicher Gewinner“ allerdings über den Preis freut, darf sicherlich bezweifelt werden.

Mogelpackung des Jahres: Diese dreisten Produkte müssen Kunden kennen 

Erstmeldung vom 7. Januar: „Darf‘s ein bisschen mehr sein?“ Ein Spruch, den wir alle von der Fleischtheke kennen. Natürlich muss man dieses Mehr am Ende auch bezahlen, aber wenigstens wird man vorher gefragt. In vielen anderen Fällen ist das oft nicht so. Immer wieder ziehen Hersteller ihren Kunden mit geradezu dreisten Methoden immer noch ein bisschen mehr Geld aus der Tasche: hier wird die Verpackung vergrößert, dort stillschweigend der Inhalt reduziert – womöglich begleitet von einer saftigen Preiserhöhung.

OrganisationVerbraucherzentrale Bundesverband e. V.
Gründung1. November 2000
SitzBerlin

Seit einigen Jahren schon vergibt die Verbraucherzentrale Hamburg deshalb den Negativpreis „Mogelpackung des Jahres“. Dabei dürfen Verbraucher aus fünf ausgewählten Produkten über den Sieger abstimmen – dass sich der „glückliche Gewinner“ schlussendlich über den Preis freut, darf allerdings bezweifelt werden. Mit in der Auswahl für das Jahr 2021 stehen auch Produkte, die 2021 schon als „Mogelpackung des Monats“, naja, „ausgezeichnet“ wurden: Nestlé beispielsweise ist so ein Fall*, ebenso wie Konkurrent Unilever*, wie HEIDELBERG24* berichtet.

„Mogelpackung des Jahres 2021“: Das sind die Kandidaten

Noch bis zum 24. Januar können Interessierte auf der Webseite der Verbraucherzentrale Hamburg mit abstimmen. Im Jahr 2020 war es übrigens die Firma Seitenbacher, die sich den Preis für die dreisteste Abzocke sicherte. Der Lebensmittelhersteller aus Baden-Württemberg* hatte seine Frühstücksflocken seinerzeit als vermeintlich neues Produkt eingeführt, dabei die Füllmenge um ein Viertel reduziert und gleichzeitig im Handel den Preis angehoben.

Im Jahr davor war die Marke „Mirácoli“ „erfolgreich“: Hersteller Mars sparte 2019 am Käse, an der Tomatensauce und gleich auch noch an der Würzmischung. Doch im Supermarkt stand das Nudelgericht weiterhin zum alten Preis im Regal. Für die Nachfolge 2021 nominierte die Verbraucherzentrale nun die folgenden Kandidaten:

Kandidat 1: „Perpetum“ von Bahlsen

Bahlsen hat seine „Afrika“-Waffeln im Jahr 2021 in „Perpetum“ umbenannt und die Verpackung umgestaltet. Hintergrund der Umbenennung waren Rassismusvorwürfe wegen des Namens „Afrika“. In diesem Zuge hat Bahlsen aber auch die Füllmenge pro Packung verringert: Der Inhalt schrumpfte von 130 auf jetzt nur noch 97 Gramm. Doch die Waffeln werden seit diesem Relaunch fast überall weiterhin zum Preis von 1,99 Euro verkauft. Das Waffelgebäck wurde dadurch um 34 Prozent teurer. Die Packung ist dabei praktisch gleich groß geblieben und auch die Anzahl der Waffeln ist nahezu identisch. Für Kunden sieht es also aus, als habe sich überhaupt nichts geändert. Tatsächlich aber ist die einzelne Waffel kleiner geworden.

Kandidat 2: „Paprika Sauce“ von Homann

Homann hat die Überarbeitung seines Sortiments genutzt, um auch die Füllmenge in den Saucen-Gläsern zu reduzieren. Statt 500 werden jetzt nur noch 400 Milliliter Sauce abgefüllt. Ganz nebenbei ist damit auch der Preis im Handel gestiegen. Kostete die Sauce vor der Umstellung noch 0,99 Euro wird sie in verschiedenen Supermarktketten inzwischen für 1,49 Euro angeboten – das entspricht einer Preiserhöhung um satte 88 Prozent.

Kandidat 3: „KitKat“ von Nestlé

Den „Kitkat Sammelpack“ gibt es seit 2021 nicht mehr mit fünf, sondern nur noch mit vier Riegeln. Im Handel kostet die Packung trotzdem weiterhin meist 1,99 Euro. Dadurch wurden die Schokoriegel um 25 Prozent teurer. Am Design hat sich derweil nichts geändert, für Kunden sieht der Sammelpack aus wie vorher.

Kandidat 4: „Rahm Soße“ von Knorr

Die „Rahm Soße“ von Knorr wird seit vergangenem Jahr nur noch in einem 2er-Pack verkauft, der mit einer Füllmenge von je 34 Gramm pro Pack 500 Milliliter Soße (2 x 250 ml) ergibt. Vor der Umstellung waren es 3er-Packs, aus denen insgesamt 750 Milliliter (3 x 250 ml) erhältlich sind. Trotz weniger Einzelpackungen wird die Soße aber meist zum gleichen Preis von 1,19 Euro verkauft, sodass sie unterm Strich 50 Prozent teurer wurde.

Kandidat 5: „Wurzener Waffelblättchen“ von Griesson – de Beukelaer

Die Firma Griesson – de Beukelaer bietet seine Waffelblättchen „Extra Milchschokolade“ und „Zartbitter“ der Marke Wurzener Feingebäck seit 2021 in einer neuen Verpackung an. Auf dieser steht der Hinweis „mit 2 Frischepacks“. Die Umverpackung ist auf den ersten Blick in etwa doppelt so groß wie das Vorgängermodell. Bis zu dieser Umstellung gab es das Gebäck mit Schokoüberzug nur in einem Einzelpack. Vergleicht man die Größe des neuen Umkartons mit dem alten, so ist dieser mehr als doppelt so breit und knapp zwei Zentimeter länger.

In Summe ist die neue Verpackung rund 70 Prozent größer als die alte. Die Menge an Waffelblättchen in der neuen Packung hat sich dabei kaum verändert: Statt 100 Gramm stecken jetzt 103 Gramm Waffelgepäck im Karton. Ein einziges zusätzliches Waffelblättchen verliert sich auf den ersten Blick in einer doppelt so großen Verpackung. Gleichzeitig ist der Preis für die neue Packung im Handel meist deutlich gestiegen. Der vermeintliche Doppelpack ist bis zu 27 Prozent teurer als die Einzelpackung. (mko) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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