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Mogelpackungen 2021: Alles nur heiße Luft! Bei diesen Produkten tappen Kunden in die Falle

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Von: Tobias Becker

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Baden-Württemberg - Große Verpackung, kleiner Inhalt. Mogelpackungen sorgen bei Kunden für Frust und rufen den Verbraucherschutz auf den Plan. Aber: Die Gesetzeslage ist mangelhaft.

Beim Einkaufen noch gefreut, auf der Couch dann die große Enttäuschung - Mogelpackungen sorgen immer wieder für Kunden-Frust! Und wer kennt das nicht? Die riesengroße Chips-Tüte, die nur halb gefüllt ist. Oder die Dose Erdnüsse, in die man tief reingreifen muss, um ans erste Nüsschen zu kommen. Oder die Waschmittel, die teilweise nicht nur Luft beinhalten, sondern auch in flüssiger Form oft in Behältern sind, die uns mehr Schein als Sein vorgaukeln.

Aber wen kümmert der Kunden-Frust, wenn die Geldmaschinerie läuft - und so kommt es, dass sogar immer dreister Mogelpackungen auf den Markt gebracht werden. Gerade in Zeiten des Coronavirus nutzten einige Hersteller die Gunst der Stunde und erhöhten Preise, während der Inhalt schrumpfte*, wie HEIDELBERG24* berichtete. Besserung ist wohl keine in Sicht, denn nicht nur Stiftung Warentest und andere Testberichte* decken immer wieder Mogelpackungen auf. Auch der Verbraucherschutz Hamburg warnt derzeit besonders vor drei Produkten.

Ärger über Mogelpackungen: Drei Beispiele für dreiste Abzocke beim Einkauf

Gewarnt wird aktuell zum Beispiel vor dem Hafervoll Fruit Flapjack. Die sechs Riegel, die der Hersteller „Hafervoll GmbH“ fein säuberlich einsortiert hat in eine Hülle, ist sogar eine doppelte Mogelpackung! Zum einen ist die Umverpackung nicht nur mit den nochmals verpackten Riegeln gefüllt, sondern auch mit einer Menge Nichts. Zum anderen sind die Riegel auch nicht so groß, wie ihre Einzelverpackung. Für Kunden wird das zum Doppel-Frust!

Die Manner Snack Minis haben es sogar im Namen: Der Inhalt ist „mini“. Eine große Tüte der Waffeln ist bis zum Rand aufgepumpt mit Inhalt, der aus viel Luft und wenig Waffeln besteht. Dabei stellt sich wohl erst nach dem Öffnen heraus, wie viel essbarer Inhalt denn wirklich gekauft wurde, wie yahoo.de schreibt.

Das dritte Dreist-Produkt ist eine besonders schlaue Mogelpackung: Asbach Pralinen. Die Verpackung hat nämlich ein Sichtfenster, sodass der Kunde all die Leckereien sieht. Natürlich wird der Eindruck geweckt, dass die Packung bis zum Rand voll ist. Was wird das für ein schöner Filmabend - bis man die Verpackung aufmacht... Denn dann passiert das, was die Verbraucherzentrale seit Jahren erklärt: Die Füllgrenze der Verpackung liegt nur knapp oberhalb des Sichtfensters. Der Rest ist abermals Luft!

Ärger über Mogelpackungen: Die Gesetzeslage trägt zum Kunden-Frust bei

Wie in diesen Fällen, zocken auch viele andere, teils namhafte, große Firmen ihre Kundschaft ab. So bekam „Nestlé“ bereits den Titel der „Mogelpackung des Monats*, wie HEIDELBERG24* berichtete. Das Besondere an der unrühmlichen Bezeichnung: Es war nicht nur ein Produkt, sondern das halbe Sortiment. Ein Ende der Mogelei scheint nicht in Sicht. Das Problem sieht die Verbraucherzentrale in der Gesetzeslage zu Luftverpackungen.

Name:Nestlé
Gründung:1866
Sitz:Vevey, Schweiz
Leitung:Ulf Mark Schneider

Diese Mogelpackungen sind meist nicht verboten. So gibt es eine uralte Regel, die besagt, dass ein Richtwert von 30 Prozent Luft die Grenze sei. Uralt, denn diese Regelung geht auf eine fast 40 Jahre alte Verwaltungsrichtlinie zurück. Verbraucherschützer sind außer sich und sagen, dass diese Regel weder zeitgemäß noch rechtlich verbindlich sei.

Sehr ärgerlich: Wenn die Grenze überschritten wird, ist es wohl eine Luftpackung, aber es gibt Ausnahmen - und zwar so viele, dass jedes Produkt einzeln unter die Lupe genommen werden müsste. So kommt ein höherer Luftanteil mal produktbedingt, mal aus technischen Gründen zustande. Bei Kosmetika und Pralinen gibt es beispielsweise Sonderregeln, die es wieder komplizierter machen.

Kein reines Kunden-Ärgernis: Schockzahlen zum Müll durch Mogelpackungen

Als wenn der Kunden-Frust die Mogelpackungen nicht schon schlimm genug machen würde, sorgt der dadurch entstehende Müll für ein weiteres Ärgernis. Oder vielmehr: Eine Schockzahl der Verbraucherzentrale des Bundesverbands. Die veröffentlichte erste im September diesen Jahres eine Studie, laut der in Deutschland jährlich (!) 1,4 Millionen Mülltonnen eingespart werden könnten, sollten Hersteller auf zu große Verpackungen verzichten. Auch unnötiger Verpackungsmüll wurde nochmals ausgerechnet in der Studie, was das Ergebnis sogar auf knapp drei Millionen Mülltonnen (240 Liter Fassungsvermögen) wachsen lässt.

Ändern wird sich wohl erstmal nichts daran. So werden die Kunden, die in Baden-Württemberg* und dem Rest von Deutschland einkaufen gehen sich selbst überlassen und sollten bei großen Packungen, bestenfalls mal ganz genau hinschauen, statt sich über das vermeintliche Superschnäppchen zu früh zu freuen. (tobi) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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