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Wirkverstärker in Novavax-Impfstoff: Was Impflinge dazu wissen sollten

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Von: Jason Blaschke

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Der Corona-Impfstoff ‚Nuvaxovid‘ von Novavax braucht einen Wirkverstärker, welcher die Immunantwort verstärkt. Ein Experte äußert deshalb Bedenken.

Die ersten Impfstoffdosen ‚Nuvaxovid‘ liefert Novavax bald nach Deutschland sowie in andere EU-Mitgliedsstaaten, wo das Vakzin bereits seit Ende 2021 zugelassen ist. Ab 21. Februar werde der neue Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar sein, sagte SPD-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor wenigen Tagen. Zunächst würden 1,75 Millionen Dosen in die Bundesrepublik geliefert – weitere 3,25 Millionen Dosen sollen 2022 noch folgen. Lauterbach geht davon aus, dass ab der dritten Februar-Woche ‚losgeimpft‘ werden kann.

Die Hoffnung vieler Politiker und Experten ist, dass der Corona-Impfstoff von Novavax all die Menschen zu einer Impfung gegen das Coronavirus bewegen kann, die sich bisher aus Skepsis gegenüber der anderen verfügbaren Vakzine nicht haben impfen lassen. Im Unterschied zu Biontech der AstraZeneca ist Novavax weder ein mRNA- noch ein Vektor-Impfstoff. Das Vakzin wird der Gruppe der Proteinimpfstoffe zugeordnet und basiert – wie der Name schon verrät – auf im Labor produzierten Proteinen.

Wirkverstärker in Novavax-Impfstoff: So funktioniert das neue US-Vakzin

Die Labor-Proteine sind exakte Kopien jenes Spike-Proteins, welches das ursprüngliche Coronavirus umhüllt. Allerdings wurden die Labor-Proteine so verändert, dass sie weder eine Infektion auslösen, noch Schaden im Körper anrichten können. Ihr Zweck besteht in der Aufgabe, eine körpereigene Immunantwort hervorzurufen und so einen Immunschutz aufzubauen. Der Körper erkennt die im Labor produzierten Proteine als Erreger und bildet Antikörper und T-Zellen, die für eine gewisse Zeit im Körper verbleiben.

Hersteller/EntwicklerNovavax
ForschungsnameNuvaxovid (NVX-CoV2373)
ImpfstoffartProteinimpfstoff
ApplikationsformIntramuskuläre Injektion
KrankheitCovid-19 (SARS-CoV-2)

So viel zum Wirkmechanismus von Novavax. Doch was genau ist jetzt ein Wirkverstärker? Und weshalb wird dieser gebraucht? Um das zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass ein Proteinimpfstoff ohne Wirkverstärker keine ausreichende Immunantwort im Körper hervorrufen würde. Weil anders als mRNA- oder Vektorimpfstoffe gegen das Coronavirus enthalten Proteinimpfstoffe keine Erbsubstanz des ursprünglichen Erregers, gegen welchen der jeweilige Impfstoff schützen soll.

Wirkverstärker in Novavax-Impfstoff: Zusatzstoff mit wichtiger Funktion

Die Folge: Die Immunantwort fällt schwächer aus, was zwar weniger Impfreaktionen begünstigt, sich aber negativ auf die nötige Schutzwirkung auswirkt. Um das auszugleichen, führen Hersteller wie eben Novavax ihren Impfstoffen einen Wirkverstärker – auch Adjuvanzien genannt – hinzu. „Viele werden schon seit Jahrzehnten verwendet und haben ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis“, sagt Eberhard Hildt, Leiter der Abteilung Virologie am Paul-Ehrlich-Institut (PEI) laut spektrum.de zum Thema Wirkverstärker.

Ein gutes Beispiel für Wirkverstärker sind Aluminiumsalze, die in bekannten Proteinimpfstoffen wie die gegen Keuchhusten, Tetanus oder auch Diphtherie zum Einsatz kommen. Im Fall von Novavax wird allerdings ein Wirkverstärker verwendet, welcher bisher noch nie in einem Impfstoff zum Einsatz gekommen ist: Saponine. Das sind Öl-in-Wasser-Gemische, deren Hauptbestandteil Squalen – im Menschen vorkommenden ungesättigten Kohlenwasserstoff Menschen – sind. Das hört sich erst einmal nicht schlimm an.

Wirkverstärker in Novavax-Impfstoff: Zusatz bedenklich? Experte mit Antwort

Doch alle bekannten Wirkverstärker haben Berichten von spektrum.de zufolge eine kuriose Gemeinsamkeit: Niemand versteht so recht, wie sie wirken. „Novavax verwendet einen Wirkverstärker aus einem Seifenbaumextrakt, von dem wir nicht genau wissen, worauf seine Wirkung beruht“, erklärt Christian Münz, Professor für virale Immunbiologie an der Universität Zürich. Müssen sich all die Impflinge – welche an einer Novavax-Impfung gegen das Coronavirus interessiert sind – deshalb Sorgen machen?

Novavax verwendet einen Wirkverstärker, von dem wir nicht genau wissen, worauf seine Wirkung beruht

Christian Münz, Professor für virale Immunbiologie

Münz gibt Entwarnung: Der Experte geht davon aus, dass keiner der bekannten Wirkverstärker unerwünschte Nebenwirkungen im menschlichen Körper verursacht. Saponine wie im Novavax-Impfstoff würden seit mehr als zehn Jahren erfolgreich in Adjuvanzien eingesetzt. Dank der Wirkverstärker weisen Proteinimpfstoffe eine gute Wirksamkeit und Schutzwirkung auf. Gleichzeitig sind die Nebenwirkungen (Impfreaktionen) nach der Immunisierung überschaubar und klingen schneller wieder ab.

Wirkverstärker in Novavax-Impfstoff: Die Hoffnung im Kampf gegen Omikron?

Der Corona-Impfstoff von Novavax könnte übrigens auch als Booster sehr interessant sein. Der Grund: Eine neue US-Studie zeigt eine gute Wirksamkeit von Novavax auf die Omikron-Variante aus Südafrika. Zwar weißen auch die mRNA-Impfstoffe eine gewisse Wirkung gegen neue Coronavirus-Mutationen auf, allerdings weniger vor einer Infektion. Eine Kreuzimpfung mit Novavax könnte daher eine Option sein. Der Impfstoff ‚Nuvaxovid‘ ist übrigens nicht das einzige Covid-19-Vakzin mit Wirkverstärker.

Berichten von echo24.de* zufolge ist auch im noch nicht in der EU zugelassenen Corona-Impfstoff von Valneva ein Wirkverstärker* enthalten. Im Unterschied zum Wirkverstärker von Novavax macht der Valneva-Wirkverstärker Experten aus bestimmten Gründen Sorgen. Im Gegensatz dazu sollen die Impfungen mit Novavax in Deutschland bald starten. Wie sich Impfwillige für eine Novavax-Impfung anmelden können, verrät HEIDELBERG24* im eben verlinkten Artikel zur Corona-Impfung in Deutschland.

Corona-Impfstoff von Novavax: Die Nebenwirkung können nach der Impfung auftreten

Grundsätzlich können nach einer Immunisierung mit Novavax die gleichen Nebenwirkungen (Impfreaktionen) auftreten, wie nach einer Impfung mit Biontech oder Moderna. Zumeist sind die Impfreaktionen aber bloß vorübergehend und verschwinden von allein wieder. Wer allerdings schwere Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung feststellt, sollte einen Arzt aufsuchen. In vielen Studien wurden solche Reaktionen allerdings selten beobachtet. *HEIDELBERG24 und echo24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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