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Experte verrät wichtige Besonderheit – Novavax ist kein ‚Totimpfstoff‘

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Von: Jason Blaschke

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Das Vakzin von Novavax ergänzt die Palette an bisher verfügbaren Impfstoffen gegen Covid-19. Macht eine Eigenschaft Novavax anderen Vakzinen überlegen?

Seit Ende 2021 ist in der EU ein neuer Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen: Das Vakzin ‚Nuvaxovid‘ von Novavax, welches in Deutschland schon ab der dritten Februar-Woche verimpft werden soll. Experten und Politiker hoffen, dass der neue Impfstoff noch mehr Menschen bewegt, sich impfen zu lassen. Die aktuelle Impfquote (Stand 20. Januar) von 73,2 Prozent ist noch zu niedrig, um von einer ‚Herdenimmunität‘ zu sprechen. Die ist laut Experten aber nötig, um die Pandemie in Griff zu bekommen.

Der Unterschied zu anderen bisher in Deutschland verfügbaren Impfstoffen ist, dass Novavax weder ein moderner mRNA- noch ein Vektorimpfstoff ist. Das Vakzin basiert auf Proteinen, genauer gesagt Spike-Proteinen, welche das Coronavirus umhüllen. Im Labor wird das Spike-Protein kopiert und so verändert, dass es keine Infektion im Körper mehr auslösen kann. Die Labor-Proteine werden als Impfung verabreicht und lösen im Körper eine Immunreaktion aus – es wird eine reale Infektion vorgetäuscht.

Impfstoff von Novavax: Vakzin ist kein ‚Totimpfstoff‘ – das ist der Grund

Solche Impfstoffe wie von Novavax werden als Proteinimpfstoffe bezeichnet, weil sie weder genetisches Material noch abgetötete Erreger enthalten. Daher ist es auch falsch, Novavax als einen „Totimpfstoff“ zu bezeichnen. Die Tatsache, dass Novavax auf Basis von Proteinen funktioniert, macht ihn mit Blick auf die anderen verfügbaren Covid-19-Vakzine einzigartig. Sowohl Biontech als auch Moderna arbeiten auf Grundlage der Messeanger-RNA (mRNA) und haben mit Novavax wenig gemein.

Hersteller/EntwicklerNovavax
ForschungsnameNuvaxovid (NVX-CoV2373)
ImpfstoffartProteinimpfstoff
ApplikationsformIntramuskuläre Injektion
KrankheitCovid-19 (SARS-CoV-2)

Ebenso die beiden Vektorimpfstoffe von AstraZeneca oder Johnson & Johnson, die auf Grundlage von Stücken der Erreger-DNA in veränderte Adenoviren arbeiten. Auch Sie haben mit der Wirkungsweise von Novavax nichts gemein. Proteinimpfstoffe sind nicht neu, Novavax aber als Covid-19-Vakzin bisher einzigartig. Proteinimpfstoffe werden gegen eine Vielzahl von Krankheiten erfolgreich eingesetzt. Bekannte Vertreter in Deutschland sind der Grippeschutz- oder der Hepatitis-Impfstoff.

Impfstoff von Novavax: Wirksamkeit im Vergleich zu anderen Covid-Vakzinen

Mit Blick auf die Wirksamkeit zeigt sich keine Überlegenheit von Novavax. Sowohl die mRNA, als auch die Vektorimpfstoffe weisen eine gute Wirksamkeit gegen Covid-19 auf. Nach einer Booster-Impfung erhöht sich die Schutzwirkung noch einmal deutlich. Nach drei Monaten wird eine solche Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen – unabhängig vom Impfstoff der ersten zwei Impfungen. Mit Blick auf die Omikron-Variante ist es etwas anders.

Alle Impfstoffarten im Vergleich

mRNA-Vakzine (Biontech, Moderna): Die menschlichen Körperzellen werden mithilfe von Erbgutschnipseln (Messenger-RNA) angeregt, selbst das Spike-Protein von Covid-19 zu produzieren und so eine Immunantwort auszulösen. Die mRNA-Impfstoffe enthalten sozusagen einen Bauplan vom Coronavirus, der vom Körper ausgelesen wird. Die Immunantwort im Körper wird vom Spike-Protein ausgelöst, welches der Körper selbst produzierte.

Vektor-Vakzine (AstraZeneca, Johnson & Johnson): Vektorimpfstoffe nutzen ein ‚Vektorvirus‘ – ein harmloses Virus, das sich nicht mehr vermehren kann. Ein kleiner Teil des Erbguts des Coronavirus wird in das ‚Vektorvirus‘ integriert und dann mit der Impfung in die Körperzellen transportiert. Der ‚Erbgutschnipsel‘ löst eine Kette von Prozessen aus, an deren Ende die Zellen ‚Spike-Proteine‘ des Coronavirus selbst herstellen. Diese wiederum erkennt das Immunsystem als Erreger und bildet Antikörper.

Proteinimpfstoff (Novavax): Eine Kopie des Spike-Proteins wird im Labor produziert und dient als Träger eines Antigens. Das Immunsystem bildet in Reaktion auf das zugeführte Spike-Protein mit Antigen spezifische Antikörper, welche die als Erreger erkannte Proteine bekämpfen und so eine Immunreaktion auslösen. Genau wie im Fall der Vektorimpfstoffe wird das dafür benötigte Spike-Protein via Impfung von außerhalb zugeführt.

Totimpfstoff (Valneva): Das Vakzin ist in der EU noch nicht zugelassen, die Wirkungsweise ist aber bekannt. Per Impfung werden abgetötete Coronaviren verabreicht, welche sich nicht mehr vermehren und auch keine Infektion mehr auslösen können. Die Totimpfstoffe benötigen immer einen Wirkverstärker, welcher die Reaktion des Immunsystems noch einmal zusätzlich erhöht. Anders als mRNA-, Vektor- oder Proteinimpfstoffe ist kein Spike-Protein nötig.

Die Erfahrung in der Pandemie zeigt, dass Menschen – welche mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden – öfter von Impfdurchbrüchen betroffen sind, als Biontech- oder Moderna-Geimpfte. Doch auch die Wirkung von Biontech und Moderna gegen Omikron ist bloß bedingt gegeben. Zwar schützen beide Vakzine zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen, allerdings weniger vor einer Infektion mit der Virusvariante. Und wie sehen die Daten in Bezug auf Novavax aus?

Impfstoff von Novavax: Besserer Schutz vor Omikron? US-Studie überrascht

Eine US-Studie hatte erst vor wenigen Wochen erstaunliches in Bezug auf die Wirkung von Novavax auf Omikron enthüllt. Offenbar konnte in der Studie eine gute Wirksamkeit nachgewiesen werden, was Novavax auch als Booster-Impfstoff interessant macht. In Deutschland werden aktuell bloß die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna als Booster eingesetzt. Ob das Novavax-Vakzin mit Blick auf seine Omikron-Wirksamkeit im Vorteil ist, lässt sich nach der letzten Studie noch nicht beurteilen.

Trotzdem könnte der neue Corona-Impfstoff viele bisher noch Ungeimpfte mobilisieren. Das denkt allen Anschein nach zumindest die Politik, die sich schon zu einer Priorisierung geäußert hatte. Welche Personen zuerst eine Novavax-Impfung bekommen sollen, verrät HEIDELBERG24 im eben verlinkten Artikel. Übrigens: Die ersten Termine für eine Novavax-Impfung können schon vereinbart werden – vorausgesetzt man lebt im richtigen Bundesland und weiß, wie es funktioniert.

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