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Über 100 Senioren betroffen: Pflegeheim insolvent – „Katastrophe“

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Von: Sarah Isele

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In die Reihe der Insolvenzen aufgrund der gestiegenen Gaspreise gehört nun auch ein Pflegeheim in Hessen. Was das für die Pflegekräfte und Bewohner bedeutet:

Das letzte Jahr hat neben Inflation und Krieg auch noch steigende Kosten in allen Bereichen mitgebracht. Neben Lebensmitteln, Hygieneartikeln und allgemeinen Artikeln des täglichen Bedarfs sind die Kosten für Strom und Gas enorm gestiegen. Sogar so hoch, dass ein großer Konzern wie BASF aufgrund der Gaspreise gleich mehrere Anlagen herunterfahren musste.

Pflegeheim ist insolvent: Der Grund sind Gaspreise

Doch nicht nur große Konzerne und private Haushalte sind betroffen, aufgrund der explorierenden Gaspreise muss ein Pflegeheim in Hessen nun dicht machen. Wer kann, der spart, um die Mehrkosten für das Gas stemmen zu können. Leider fällt dies bei Pflegeheimen eher schwer – schließlich gilt es, die Bewohner ausreichend zu versorgen und darunter fällt auch der Betrieb von Heizungen.

Pflegeheim ist insolvent: Curata Care Gruppe strebt Sanierung an

Betrieben wird das Seniorenwohnzentrum Am Kurpark in Bad Soden-Salmünster (Hessen) von der Curata Care Holding GmbH. Nach Angaben geraten Teile der Curata Gruppe durch die Corona-Pandemie, die stark gestiegenen Energiekosten und sonstige allgemeine Preissteigerungen „in eine finanzielle Schieflage“. Auch mangelt es der Branche an qualifiziertem Pflegepersonal, wodurch wirtschaftlich notwendige Belegungsquoten nicht erreicht wurden.

Peter Paul Gruber, Geschäftsführer und CEO der Curata Holding GmbH erklärt in einem Presseschreiben, dass die Gruppe aufgrund der wirtschaftlichen Belastungen zum Handeln aufgerufen wäre, um „den stabilen Kern unseres Verbunds zu schützen und nachhaltig zu stärken“. Es soll möglich sein, die Geschäftsfähigkeit der Curata Gruppe in weiten Teilen uneingeschränkt fortzuführen, jedoch ist „damit zu rechnen, dass an einigen wenigen Standorten Einrichtungen dauerhaft geschlossen werden müssen, wenn sie langfristig nicht wirtschaftlich sinnvoll geführt werden können“.

„Fehlen die Worte“: Bürgermeister erschrocken über Schließung

Die Firma betreibt an 40 Standorten in Deutschland Pflegeeinrichtungen mit insgesamt rund 4.000 Betten und 3.000 Mitarbeitern. Einer dieser Standorte ist das Seniorenwohnzentrum Am Kurpark Bad Soden-Salmünster. In Bad Soden-Salmünster gibt es insgesamt 204 Wohn- und Pflegeplätze, doch durch den Mangel an Pflegekräften konnten einige Wohnplätze nicht vergeben und so wirtschaftlich notwendige Belegungsquoten nicht erreicht werden. Dem Seniorenwohnzentrum droht nun zum 31. März das komplette Aus.

„Persönlich fehlen mir die Worte um das Ausmaß zu beschreiben, denn neben den zusätzlich verlorenen Arbeitsplätzen, um die in den vergangenen Monaten intensiv gekämpft wurde, kommt es gerade für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Angehörige einer Katastrophe gleich“, kommentiert der parteilose Bürgermeister Dominik Brasch bei Facebook die erschreckenden Nachrichten. Da hofft man doch nur, dass das Land Hessen der Pflegeeinrichtung zu Hilfe kommt so wie zuletzt einer Porzellanmanufaktur.

Pflegeheim geht insolvent: Um Bewohner und Mitarbeiter wird sich gekümmert

„Dort, wo wir die Schließung einer Einrichtung nicht verhindern können, erhalten unsere Mitarbeitenden das Angebot, an einem anderen Standort eingesetzt zu werde“, ergänzt Peter Paul Gruber. Auch wird die Curata Gruppe dafür sorgen, dass betroffene Bewohnerinnen und Bewohner ein neues Zuhause erhalten. Die Schließung des Seniorenwohnheims bedeutet, dass über 100 Bewohner auf andere Einrichtungen verlegt werden müssen.

Da Pflegeeinrichtungen der Curata Gruppe jedoch in Deutschland weit gestreut sind, schreibt Dominik Brasch: „Derzeit stehe ich sowohl mit der Hausverwaltung, als auch mit dem Main-Kinzig-Kreis und der Heimaufsicht in Kontakt. Ob es Lösungen für den Standort gibt ist dabei genauso Thema, wie die Frage nach der Versorgung der (mitunter langjährigen) Bewohnerinnen und Bewohner“. Ebenso stehe er mit dem Landrat im engen Austausch, um den Menschen möglichst nah und unbürokratisch einen Pflegeplatz zu vermitteln. (rah)

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