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Nach 191 Jahren: Traditionsbrauerei vor Aus – Hunderte demonstrierten für Pfungstädter

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Von: Daniel Hagen

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Einer Traditionsbrauerei droht nach 191 Jahren das Aus. Nun gingen Hunderte Menschen für den Erhalt des Unternehmens auf die Straße.

Update vom 22. Dezember: Eine Kleinstadt in Aufruhr. Das südhessische Pfungstadt, Standort der Brauerei, die ihre Mitarbeiter vor wenigen Tagen mit dem bevorstehenden Aus konfrontieren musste, wird zur Kulisse einer Demonstration. Hunderte Menschen sollen laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) am Donnerstag (22. Dezember) vor Ort gegen die Schließung des Traditionsunternehmens demonstriert haben, die Polizei spricht sogar von über 1.000. Die Brauerei rief im Vorfeld in den sozialen Netzwerken zu der Protestaktion auf.

Hunderte Menschen demonstrierten für Traditionsbrauerei: Bürgerbegehren abgelehnt

Die Teilnehmer forderten einen Erhalt der regionalen Brauereien. So sei auf dem Schild eines Demonstrierenden „Erst Binding, jetzt Pfungstädter“ zu lesen gewesen sein. Fast parallel solle Binding zugemacht werden, sage Brauerei-Geschäftsführer Peter Winter. „Das wäre tragisch für den Brauereistandort Hessen.“ Bereits vergangene Woche soll ein Bürgerbegehren mit mehr als 4.600 Unterschriften aus formellen Gründen abgelehnt worden sein.

Aus der Stadtverordnetenversammlung sei das klare Signal für eine Wohnbebauung auf dem Gelände der 1831 gegründeten Brauerei gekommen, schreibt die dpa. „Familien arbeiten seit Generationen dort“, sagte die Vertreterin der Belegschaft, Caroline Maiwald. Die Brauerei sei für eine lange Zukunft aufgestellt worden. „Jetzt soll Schluss sein? Jetzt, wo es so gut läuft.“

Demonstration für Brauerei Pfungstädter auf dem Brauereigelände.
Bei der Demonstration zum Erhalt der Brauerei Pfungstädter halten Menschen ein Banner hoch, auf dem steht „Wir sind Pfungstädter und nicht Hopp“.  © picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Demonstration für Brauerei – außer Pfungstädter auch Binding vor Schließung

Eigentlich stehe das Unternehmen mit 70 Mitarbeitern Winter zufolge wirtschaftlich gut da und habe in den letzten zwei Jahren vier Millionen Euro investiert. Neben Pfungstädter soll auch die Binding-Brauerei in Frankfurt geschlossen werden.

Produktion und Abfüllung der dort hergestellten Marken sollen aufgrund gestiegener Kosten verlagert werden. Die Brauerei gehört zum Oetker-Konzern, der bereits im Oktober einen Stellenabbau ankündigte.

Nach 191 Jahren: Traditionsbrauerei Pfungstädter steht vor dem möglichen Aus

Erstmeldung vom 20. Dezember: Das Aus für die Traditionsbrauerei Pfungstädter mit Sitz im hessischen Pfungstadt ist eigentlich schon besiegelt. Die Brauerei ist 1831 eröffnet worden und wird mittlerweile vom Anlagenbauer Lauer GmbH aus Seeheim-Jugenheim betrieben. Das Gelände gehört jedoch der Immobilienfirma Conceptplan und Daniel Hopp, dem Sohn von Milliardär Dietmar Hopp. Diese wollen das Gelände zu einer Wohnanlage namens „Stadtgärten Pfungstadt“ umbauen.

Hessische Traditionsbrauerei Pfungstädter steht vor dem möglichen Aus

Für die knapp 70 Mitarbeiter der Brauerei Pfungstädter werden es wohl keine schönen Weihnachtsfeiertage. Laut hr ist den Angestellten bei einer Betriebsversammlung am Freitag (16. Dezember) vom baldigen Aus der Brauerei erzählt worden. Im Januar soll es noch Gespräche über die Abläufe geben. Bereits Mitte 2023 sollen Produktion und Abfüllung enden, bevor der Pachtvertrag Ende des Jahres ausläuft. Mitte des Jahres soll mit dem Rückbau und der Demontage der komplexen Geräte auf dem Gelände begonnen werden.

Brauerei Pfungstädter ist durch die Corona-Pandemie 2020 so angeschlagen gewesen, dass sie ein Schutzschirmverfahren beantragen müssen. Diesen Weg gehen derzeit auch die Schuhproduzenten Salamander und Klauser. Kurz darauf wird die Traditionsbrauerei von der Lauer GmbH übernommen, das Gelände verkauft. Anschließend sollte eigentlich ein neuer Standort für das Werk gefunden werden – jedoch ohne Erfolg!

Brauerei Pfungstädter ruft zu Demonstration auf

Da Conceptplan und Daniel Hopp aber weiter an ihrem Plan der „Stadtgärten Pfungstadt“ festhalten und diesen so schnell wie möglich umsetzen wollen, ist das Aus für das Traditionsunternehmen wohl besiegelt. Auf einer Stadtverordnetenversammlung ist ein angestrebtes Bürgerbegehren gegen das Bauvorhaben abgeschmettert worden – ebenso wie eine Bürgerbefragung, die Bürgermeister Patrick Koch ins Spiel gebracht hat. Auch die Angestellten des insolventen Unternehmens Galeria Karstadt Kaufhof bangen derzeit um ihre Jobs.

Wie ein Sprecher von Conceptplan dem hr bestätigt, wolle man die Bebauung so schnell wie möglich auf den Weg bringen, sodass bis 2026 rund 550 Wohnungen für den Einzug bereit sind. Doch die Mitarbeiter der Brauerei Pfungstädter scheinen noch nicht komplett aufgegeben zu haben. Auf Instagram wird zu einer Demonstration auf dem Gelände des Traditionsunternehmens aufgerufen, die am Donnerstag (22. Dezember) unter dem Motto „Jetzt oder nie“ stattfinden soll. Es bleibt abzuwarten, ob damit die Rettung gelingt. (dh)

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