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Moderiese in der Krise – Krasser Umsatz-Einbruch bei Primark

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Von: Madlen Trefzer

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Primark generiert nur noch einen Drittel der Umsätze im Vergleich zu den Jahren davor. Was zunächst ein Erfolgskonzept zu sein scheint, entpuppt sich als großer Reinfall.

Primark-Filialen drohen in Deutschland nach und nach zu verschwinden. Das Unternehmen generiert in den letzten Jahren immer weniger Gewinn und ist zur Zeit auf eine finanzielle Ausgleichs-Strategie angewiesen. Dies hat bei genauem Hinsehen mehrere Gründe. Neben der anhaltenden Energiekrise spielen weitere Aspekte eine große Rolle für Primark’s Deutschland-Debakel. Doch es gibt gute Nachrichten für Verbraucher – laut Nordbayern könne es vor Schließungen zu großen Ausverkaufs-Aktionen kommen.

Primark in Deutschland – Umsätze schrumpfen seit Jahren

Der irische Moderiese Primark muss nach Angaben der Wirtschaftswoche einen dreistelligen Millionenbetrag bei seinem Deutschlandgeschäft abschreiben, um die verbliebenen Filialen „am Leben“ zu halten. Dabei sollen die Umsätze bereits seit Jahren immer weiter schrumpfen. In einem Kommentar zu der Sachlage schreibt Florian Schweigershausen, die Firma hätte den Online-Trend „verschlafen“ und es handle sich hierbei um ein „hausgemachtes Problem“, so der Weser Kurier

Der Grund für seine Annahme ist einfach. Primark hat nämlich bis heute keinen Online-Shop. Zwar kann man sich die Artikel online anschauen und sie dann in der nächstgelegenen Filiale erwerben, zu sich nach Hause bestellen kann man sie jedoch nicht. Dass die Firma – die sich im Übrigen bewusst gegen ein Online-Angebot entscheidet – während der Coronavirus-Krise also schmächtige Umsätze generiert, ist daher mehr als nachvollziehbar. Doch das ist bei Weitem nicht der einzige Grund für den Abstieg der vergangenen Jahre.

Das Logo des Bekleidungsgeschäfts Primark leuchtet am Abend an der Fassade.
Das Logo des Bekleidungsgeschäfts Primark leuchtet am Abend an der Fassade. © Monika Skolimowska / dpa

Billig-Klamotten vom Fast-Fashion-Riesen Primark – passt das noch zum Zeitgeist?

Das Konzept von Primark setzt vor allem auf junge Menschen. Die extrem günstigen Produkte werden dort üblicherweise in großen Mengen gekauft. Primark’s Fast-Fashion war also stets bekömmlich und damit extrem beliebt – und zwar dermaßen, dass das Unternehmen zunächst expandierte und immer mehr Filialen in deutschen Innenstädten eröffnete – 32 Geschäftsstellen zählt der Moderiese. Darunter in Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart. 

Doch es scheint neben der nicht vorhandenen Online-Strategie auch ein Wandel eingetreten zu sein. Das Bewusstsein der jungen Konsumenten verändert sich und womöglich kann weitestgehend sogar davon die Rede sein, dass das Konzept Fast-Fashion nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Dennoch scheinen sich Konzerne wie H&M, Zara und Co. durchzuschlagen, während Primark’s Umsätze laut chip.de bereits seit 2019 kontinuierlich abstürzen. Allerdings schließt H&M wiederum deutschlandweit 240 Filialen, so Nordbayern. Auch um Galeria Kaufhof steht es erneut kritisch.

Ehemaliger Primark-Mitarbeiter äußert sich: Hat Primark eine falsche Strategie eingeschlagen?

2021 werden bei Primark nur noch 380 Millionen Euro umgesetzt; 2019 waren es noch sagenhafte 926 Millionen. Für den Hauptgrund des Misserfolgs halten Primark-Mitarbeiter die Expansionspolitik von ABF, dem Mutterkonzern von Primark – „ABF hat, geblendet von den Anfängen, den deutschen Markt überschätzt“, äußert ein Ex-Mitarbeiter gegenüber der Wirtschaftswoche. Der Moderiese habe in zu viele Städte expandiert, habe zu große Ladengeschäfte gepachtet und zu viel Ware angeboten, heißt es bei chip.de. 

Damit soll der Konzern signifikant von der Strategie abweichen, die er in anderen Ländern verfolgt. Die ersten Filialen, wie etwa die in Berlin und Weiterstadt, werden bereits zu Beginn des Jahres 2022 geschlossen, da die Pachtverträge auslaufen. 2017 kommt es im Mannheimer Primark zu Massenentlassungen. Nun kündigt Mutterkonzern ABF an, auf den Wert der Aktivitäten in Deutschland rund 240 Millionen Euro abzuschreiben. (mad)

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