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Koffer nach Reise weg, beschädigt oder zerstört – was man als Urlauber tun kann

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Von: Stella Henrich

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Fehlt das Gepäck am Zielort müssen Reisende dies umgehend am Flughafen melden. Das gilt auch, wenn der Koffer beschädigt ist. Auch in der Bahn, dem Bus und auf dem Schiff hat der Verbraucher die Möglichkeit, Verluste erstattet zu bekommen.

München ‒ Alle wollen verreisen nach der Corona-Pandemie, Koffer packen, in den Flieger steigen und entspannt am Urlaubsort ankommen. Wenn alles gut läuft, dürfte das generell kein Problem sein. Was aber, wenn zwar der Reisende, nicht aber sein Gepäck am Flughafen des Ferienorts ankommt?

Reisegepäck: Anteil vermisster oder beschädigter Gepäckstücke um fast die Hälfte gestiegen

Die Aufregung ist groß, der Frust noch größer und die Sprachkenntnisse zu schlecht, um einem heimischen Flughafenmitarbeiter das Problem zu erklären, dass der eigene Koffer nicht über das Gepäckband mit den sich türmenden Koffern am Urlaubsort rollt. Auch am Münchner Flughafen ist von Koffer-Chaos bei der Abfertigung die Rede. Liegengebliebenes Gepäck wird den Passagieren jetzt hinterhergeschickt. In der Hoffnung es kommt noch rechtzeitig an.

Um fast 50 Prozent – von 6,3 auf 9,9 Millionen – ist die Zahl vermisster oder beschädigter Gepäckstücke im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, zitiert Welt.de das Luftfahrt- und IT-Unternehmen Sita. Auch vor der Pandemie sei dieser Aufwärtstrend zu beobachten gewesen. 2021 wurde weltweit ein Viertel mehr Gepäck fehlgeleitet als 2020. Sita führt den Anstieg auf die Erholung des Luftverkehrs und steigende Passagierzahlen zurück. Meist sei Umsteigegepäck betroffen. Zudem sei auf internationalen Flügen die Wahrscheinlichkeit, dass der eigene Koffer nicht mit demselben Flugzeug ankommt, etwa 4,7 mal so hoch wie auf Inlandsflügen.

Beschädigter Koffer.
Beschädigter Koffer © Daniel Reinhardt/dpa

Reisegepäck verloren oder beschädigt: Zwei Schritte sind zu tun

Was Reisende umgehend tun können, wenn ein Koffer nicht oder geschädigt am Ferienort ankommt: sie melden den Verlust oder die Beschädigung bei der Fluggesellschaft noch am Flughafen. Denn ab dem Moment, in dem der Reisende sein Gepäck aufgibt, ist die Fluggesellschaft dafür verantwortlich, also auch ab der Gepäckaufgabe am Check-in-Schalter. Bei Pauschalreisen wenden sich die Urlauber am besten auch an den Reiseveranstalter, berichtet Merkur.de.

Für den Schaden gibt es eine Haftungsgrenze. Nach Auskunft von Verbraucherzentralen können Reisende Schadenersatz verlangen und bei Pauschalreisen zusätzlich einen Teil des Reisepreises zurückfordern. Der Schadenersatz für Verspätung, Beschädigung oder Verlust eines Koffers liegt nach Angaben der Verbraucherzentralen bei knapp 1400 Euro pro Person, nicht also pro Gepäckstück. Reisende müssten den entstandenen Schaden darlegen und, falls er bestritten werde, auch beweisen, indem sie beispielsweise die Schäden genau beschreiben und Fotos machen und Belege für Kosten vorlegen, die durch die verzögerte Aushändigung des Gepäcks entstandenen seien.

Reisegepäck verschwunden: Diese Pflichten haben Reiseveranstalter und Fluggesellschaft

Fehlt das Gepäck während des gesamten Urlaubs, muss der Reiseveranstalter nach gängiger Rechtsprechung bis zu 50 Prozent des Reisepreises nach Angaben der Verbraucherzentralen erstatten. Fehle ein wichtiges Gepäckstück, ist in Ausnahmefällen auch eine 100-prozentige Erstattung des Tagesreisepreises möglich – wenn zum Beispiel ein Smoking für einen Opernbesuch fehle und nicht ausgeliehen werden könne.

Wenn die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter allerdings ein Mitverschulden des Passagiers an Verlust oder Beschädigung des Gepäcks nachweisen könnten, verringert sich die Haftung, warnen die Verbraucherzentralen. Ein mögliches Mitverschulden des Reisenden für den Schaden könne zum Beispiel eine unsachgemäße Verpackung sein.  

Die Ansprüche auf Reisepreisminderung verjährten innerhalb von zwei Jahren nach dem vertraglich vorgesehenen Reiseende.

Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und Hessen

Reisegepäck: Was gilt in Bahn, Bus und auf dem Schiff

Wer mit der Bahn oder dem Schiff auf Reisen geht, muss wissen, dass das entsprechende Unternehmen nur für das Gepäck haftet, das er in dessen Obhut übergeben hat. Das heißt für die Bahn konkret, dass bei gänzlichem oder teilweisem Verlust des Gepäcks bei Nachweis eine Entschädigung bis circa 1.350 Euro je Gepäckstück gezahlt werden, so die Bahn auf ihrer Webseite. Ohne Nachweis der Schadenshöhe erhalten Reisende eine Pauschalentschädigung in Höhe von circa 338 Euro je Gepäckstück.

Auf dem Schiff liege die Höchstgrenze für aufgegebenes Kabinengepäck bei etwa 2950 Euro je Reisenden, so Welt.de. Im Bus dagegen haftet die Firma auch für Gepäck, das der Reisende während der Fahrt bei sich hat.

Reisegepäck: Was Reisende vor der Abreise tun können

Um Ärger wegen fehlenden Gepäcks zu vermeiden, sollten Reisende vor der Abreise einiges beachten. So ist es ratsam, immer Kofferanhänger mit der Zielort-Adresse beim Hinflug und die Heimatadresse beim Rückflug anzubringen. Zur Sicherheit einen Zettel mit der Adresse auch noch in den Koffer legen, falls der Anhänger abgerissen wird.

Flugbedingungen lesen:Kontrollieren Sie in den Reiseunterlagen die Bestimmungen zum Freigepäck. Die Regeln und Gebühren ändern sich von Zeit zu Zeit.
Nur das Nötigste mitnehmen:Nehmen Sie nur Gepäck mit, das Sie wirklich brauchen.
Koffer wiegen:Stellen Sie Ihren Koffer vor der Reise auf die Waage. Vergleichen Sie das Gewicht mit der Freigepäcksgrenze in den Reiseunterlagen.
Direktflüge buchen:Je häufiger Sie umsteigen, umso größer ist das Risiko, dass Ihr Gepäck auf der Strecke bleibt. Falls möglich, buchen Sie einen Non-Stop-Flug.
Wertsachen ins Handgepäck:a die Haftung für verlorenes Gepäck begrenzt ist, Wertsachen wie Notebook, Smartphone oder Schmuck besser im Handgepäck verstauen.
Reisegepäckversicherung:Eine Versicherung lohnt sich nur, wenn der tatsächliche Wert des Gepäcks über der Haftungsobergrenze von rund 1.500 Euro liegt.

Quelle: ndr.de

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