1. Heidelberg24
  2. Verbraucher

Sonderurlaub: Impfung, Umzug, Kinder – wann gibt‘s extra freie Tage?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tobias Becker

Die eigene Hochzeit, die Corona-Impfung oder ein krankes Kind zu Hause - als Arbeitnehmer*in gibt es in verschiedenen Fällen das Recht auf Sonderurlaub.

Viel zu kurz! Für viele Arbeitnehmer*innen sind die Urlaubstage in fernen Ländern oder der Heimat in Baden-Württemberg* und Deutschland nicht ausreichend. Kaum ist man zurück bei der Arbeit, kommt die Sehnsucht. Der nächste, geplante Urlaub scheint wie der rettende Strohhalm. Und die ersten Tage nach der Rückkehr gelten ohnehin als stressig. Hinzu kommt: Die Zahl der Urlaubstage im Jahr ist begrenzt, was sie umso wertvoller macht und die Planung immer wichtiger.

Gut zu wissen also, dass es - neben dem Jahresurlaub - auch noch Sonderurlaub gibt. Denn: Für die eigene Hochzeit, die Geburt des Kindes und andere besondere Tage, muss man als Arbeitnehmer*in keinen Urlaub einreichen, sondern bekommt oft bezahlten Sonderurlaub. Auch für die Impfung gegen das Coronavirus* gibt es - derzeit noch bis zum 21. November - Sonderurlaub. Normalerweise gibt es bei Impfungen keine freien Tage.

Ansonsten rechtfertigen Arztbesuch (Zahnarzt, Schönheits-OP, Vorsorge,...) generell keinen Sonderurlaub. Einzige Ausnahme: Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, als den Termin in der Arbeitszeit zu bekommen. Diese und einige weitere Ausnahmen sind nicht jedem bekannt, auch wenn es durchaus sinnvoll ist, zu wissen, wann man Sonderurlaub bekommen kann - und wann nicht. HEIDELBERG24* hat einige Gründe zusammengefasst, aus denen Arbeitnehmer Sonderurlaub bekommen können:

Wann gibt es Sonderurlaub: Kinder krank oder Pflegefall in der Familie

Für Familien besonders wichtig: Sonderurlaub, wenn das Kind krank ist. Tatsächlich gibt es bis zu fünf Tage bezahlten Urlaub, um sich um die Kleinen zu kümmern. Im Anschluss kann man sich mit einem Attest vom Kinderarzt an die Krankenkasse wenden und Kinderkrankengeld beantragen. Heißt: 67 Prozent des Nettogehalts. Aber Achtung! Es gibt auch Arbeitgeber, die dafür keinen Sonderurlaub geben. Dann müssen sich Eltern direkt an die Krankenkasse wenden.

Für die Zahlung des Kinderkrankengeldes gibt es allerdings eine Voraussetzung. Beide - also Eltern und Kinder (unter 12 Jahre) - müssen gesetzlich versichert sein. Dann darf jedes beschäftigtes Elternteil im Jahr 30 Tage frei nehmen. Bei Alleinerziehenden sind es 60 Tage und wenn mehrere Kinder in der Familie sind, sind es maximal 65 Arbeitstage pro Elternteil sowie 130 bei Alleinerziehenden.

Mensch schreibt Urlaub in den Kalender
Arbeitnehmer*innen haben nicht nur Urlaubsanspruch, sondern können auch Sonderurlaub bekommen. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Ebenfalls gibt es für die Pflege von Familienmitgliedern Sonderurlaub. So kann man als Arbeitnehmer*in dafür einen Tag bezahlt oder auch zehn Tage meist unbezahlt für die kurzzeitige Pflege, um beispielsweise eine dauerhafte zu organisieren, nehmen. Das gilt, wenn es um Großeltern, Eltern, Geschwister, Ehepartner, einge­tragene Lebens­partner sowie Partner einer eheähnlichen Lebens­gemeinschaft geht, aber auch bei Kindern, Schwiegerkindern, Enkel, Adoptiv- und Pflegekindern. Dabei gibt es jedoch auch verschiedene Besonderheiten zum Thema Renten- und Krankenversicherung zu beachten.

Wann gibt es Sonderurlaub: Besondere Anlässe wie Hochzeit, Beerdigung und Umzug

Auch für besondere Anlässe gibt es Sonderurlaub. Zum Beispiel für die eigene Hochzeit. Als Geschenk des Arbeitgebers ist ein bezahlter Tag möglich. Gleiches gilt auch für die Hochzeit der Eltern oder Kinder, die Kommunion oder Konfirmation und gleichrangige Feste anderer Religionen. Ein kleiner Sonderfall für den es auch Sonderurlaub gibt, ist die goldene Hochzeitsfeier der Eltern, also den 50. Hochzeitstag. Allerdings sollte man bei allen geplanten Events rechtzeitig bei der Arbeit Bescheid geben.

Ein trauriges Ereignis, für das Sonderurlaub zusteht, sind Todesfälle. Dabei gilt: Zwei Tage Sonderurlaub im Falle der Eltern, Lebenspartner, Geschwister oder eigenen Kinder. Ein Tag für den Tag des Todes und einen für die Beerdigung. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen: Nach Absprache mit dem Chef sind auch mehr als diese zwei Tage möglich, vor allem, wenn eine weite Reise nötig ist. Und: Todesfälle der Schwiegereltern und Großeltern sind kein Grund für Sonderurlaub.

Für andere Gelegenheiten gibt es kaum Sonderurlaub. Ein prominentes Beispiel: Sonderurlaub für Umzug. Hier gilt: Nachfragen schadet nicht, aber der Arbeitgeber muss nicht ja sagen. Jedoch ist es durchaus üblich für den Umzug einen freien Tag zu bekommen. Das wird ansonsten meist nur dann erlaubt, wenn der Wohnortwechsel aus betrieblichen Gründen ansteht.

Wann gibt es Sonderurlaub: Feuerwehr und THW dürfen helfen, Bund und Länder zahlen

Besondere Fälle, die nicht alle Arbeitnehmer*innen betreffen, ist die ehrenamtliche Arbeit für das Technische Hilfswerk (THW) oder die Freiwillige Feuerwehr. So ist es möglich, bezahlten Sonderurlaub zu nehmen, wenn man beispielsweise bei Flutkatastrophen, wie in Rheinland-Pfalz dieses Jahr, oder Waldbränden im Einsatz ist. Dann bekommen Arbeitgeber*innen das bezahlte Gehalt sogar von Bund und Ländern zurückerstattet.

Nach der Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz
Bei Flutkatastrophen wie in diesem Jahr, bekommen ehrenamtliche Helfer*innen des THW und der Freiwilligen Feuerwehr auch Sonderurlaub. © Thomas Frey/dpa

Und noch zwei weitere Besonderheiten gibt es. Wer im öffentlichen Dienst tätig ist, bekommt zum 25. und 40. Dienst-Jubiläum einen Sonderurlaub. Wenn eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer gekündigt wurden, können sie sich nach einem neuen Job umsehen. Für Meldungen bei der Agentur für Arbeit oder Bewerbungsgespräche steht ihnen bezahlter Sonderurlaub zu.

Wann gibt es Sonderurlaub: Bahnstreik kein Grund!

Wenn die Bahn zum Beispiel streikt oder eine Naturkatastrophe die Arbeitnehmer*innen hindert, zur Arbeit zu kommen, ist es im Übrigen kein Grund für Sonderurlaub. Die Ausnahme: Wenn die Personen direkt betroffen sind, also beispielsweise das Haus unter Wasser steht.

Die Dauer eines Sonderurlaubs beträgt meist ein oder mehrere Tage. Manchmal gibt es nach Absprache mit dem Arbeitgeber jedoch auch eine Verlängerung. Das hängt wiederum manchmal auch von der Länge der Zugehörigkeit zum Unternehmen ab. Bedeutet: Wer erst seit wenigen Woche da ist, wird weniger Sonderurlaub bekommen als jemand, der schon lange Jahre da ist. Und übrigens: Der gesetzliche Urlaubsanspruch bleibt unabhängig von möglichem Sonderurlaub bestehen. *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare