Virus-Katastrophe in Tönnies-Fabrik

Corona-Infektion durch Supermarkt-Fleisch? Diese Produkte solltest Du nicht essen

Nach den Masseninfektionen in einigen NRW-Fleischbetrieben sind viele Verbraucher verunsichert. Ist eine Infektion durch Fleischverzehr möglich? Und in welchen Fleischprodukten steckt Tönnies-Fleisch? Unser Faktencheck gibt Antworten:

  • Virusschleuder Fleisch-Fabrik – kann ich mich über Fleisch mit dem Coronavirus infizieren? Das sagen Experten.
  • Verunsicherung nach Corona-Massenausbruch in Fleisch-Betrieben: Diese Regeln solltest Du beachten.
  • Das Fleisch von Tönnies steckt in vielen Marken.
  • Augen auf im Supermarkt: So erkennst Du Tönnies-Produkte

Seit Tagen steht die Fleischfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh in den Schlagzeilen: Beim Marktführer unter den Fleischbearbeitern in Deutschland hat sich das Coronavirus massenhaft unter den Mitarbeitern ausgebreitet. Nachdem mindestens 1.500 Mitarbeiter (Stand 24. Juni) positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, muss der Betrieb bis auf weiteres schließen. Bei den meisten Infizierten handelt es sich um Leiharbeiter aus südosteuropäischen Ländern, die unter widrigen Umständen arbeiten und in beengten Wohnverhältnissen in Sammelunterkünften untergebracht sind. Die Folgen des massiven Corona-Ausbruchs beschränken sich jedoch nicht ausschließlich auf den betroffen Betrieb. Zudem erfolgt ein regional begrenzter Lockdown: Schulen und Kitas im Ort sind wieder geschlossen, knapp 7.000 Menschen befinden sich in Quarantäne.

Viele Verbraucher sind nun besorgt und stellen sich viele Fragen: Haben die Tiere das Virus auf den Menschen übertragen? Ist eine Infektion über Viren-belastetes Fleisch möglich? Wie erkenne ich Fleischprodukte aus der Tönnies-Fabirk?

Unternehmen:Tönnies Holding ApS & Co. KG
Branche: Nahrungsmittel, Fleischverarbeitung
Sitz: Rheda-Wiedenbrück, Kreis Gütersloh, NRW
Leitung:Clemens Tönnies
Mitarbeiterzahl:9007 (2018)
Umsatz: 6,1 Mrd. Euro (2018)
Marktanteil: ca. 30 Prozent bei Schweinefleisch

Coronavirus in Fleisch: Haben die Tiere im Schlachthof das Virus auf die Mitarbeiter übertragen?

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit verneint diese Frage auf der eigenen Homepage nachdrücklich. „Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass sich Schweine, Hühner und andere bei uns übliche Nutztiere/lebensmittelliefernde Tiere mit SARS-CoV-2 infizieren können.“ Diese Feststellung wird durch umfangreiche Untersuchungen belegt. Nach Angaben des Instituts sind diese Tierversuche wichtig, um eine mögliche Gefährdung für Mensch und Tier abschätzen zu können. Zu Rindern stehen die Test jedoch noch aus; doch auch bei Letzteren ist eine Ansteckung nahezu ausgeschlossen.

Coronavirus in Fleisch: Kann ich mich über Produkte von Tönnies anstecken? Experten uneins

Nach derzeitigem Wissensstand spielt der Verzehr von Lebensmitteln für die Übertragung des Virus keine Rolle.

Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Sowohl die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (GfR) schätzen die Gefahr für Fleischkonsumenten als gering ein. „Nach derzeitigem Wissensstand spielt der Verzehr von Lebensmitteln für die Übertragung des Virus keine Rolle", heißt es aus der Verbraucherzentrale. Dennoch ist eine eine Verunreinigung von Fleisch mit Coronaviren während der Schlachtung oder bei der Fleischzerlegung und -verarbeitung theoretisch möglich, lässt das GfR wissen. Grundsätzlich können Coronaviren von einer infizierten Person auf Wurst und Fleisch übertragen werden, beispielsweise durch direktes Niesen oder Husten oder über verunreinigte Hände.

Doch sind dem BfR bislang keine Infektionen mit SARS-CoV-2 über den Verzehr von Fleischwaren oder Kontakt mit verunreinigten Fleischprodukten bekannt. Das Institut begründet dies mit der Einschätzung, wonach das Coronavirus auf Oberflächen nicht lange überleben kann. Eine Schmierinfektion wäre lediglich dann möglich, wenn diese Lebensmittel kurz nach der Verunreinigung berührt und das Virus dann über die Hände auf die Schleimhäute der Nase, der Augen oder des Mundes übertragen wird.

Das Fleisch ist brandgefährlich!

Prof. Klaus-Dieter Zastrow (Chef des Hygieneinstituts in Berlin)

Ganz anders beurteilt Prof. Klaus-Dieter Zastrow die Sachlage. Gegenüber BILD schlägt der Chef des Hygieneinstituts in Berlin Alarm: „Das Fleisch ist brandgefährlich. Wenn es nicht stark erhitzt wurde, kann man es nicht mehr verwenden.“ Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich das Zastrow eindringlich vor einem Abverkauf der aktuellen Fleischproduktion aus der Tönnies-Fabrik warnt, „sonst geht damit noch mal eine richtige Viruswelle übers Land.“

Auch für den Epidemiologe Professor Timo Ulrichs ist das Tönnies-Fleisch alles andere als unbedenklich. Im RTL-Interview sagt der Foscher: „Die Gefahr bei einer Kontamination von Oberflächen, also auch von den Oberflächen des hergestellten Fleisches, ist natürlich gegeben, weil man weiß, dass das Virus sich auf Oberflächen länger halten kann.“ Genauso wie Zastrow empfiehlt auch Ulrichs dringend, das Fleisch nicht roh zu verzehren.

Coronavirus in Fleisch: Regeln für den sicheren Umgang mit Fleisch-Produkten

Obgleich die Meinungen auseinander gehen, sollte das Restrisiko für eine Infektion über Tönnies-Fleisch unbedingt verringert werden. Aus diesem Grund haben wir für Dich einige Maßnahmen zusammengestellt, damit du eine Gefährdung weitestgehend ausschließen kannst:

  • Händewaschen schützt! Sowohl vor als auch nach der Zubereitung von Fleisch und Geflügel solltest Du Dir immer sorgfältig die Hände waschen.
  • Das Coronavirus ist nachweislich hitzeempfindlich. Zur Verringerung des Infektionsrisikos solltest Du Lebensmittel immer Erhitzen (kochen, garen, braten). Das BfR empfiehlt hierzu: „Fleisch und Geflügel sollte vor dem Verzehr an allen Stellen mindestens zwei Minuten lang auf mindestens 70°C erhitzt werden, bzw. bis austretender Fleischsaft klar ist und das Fleisch eine weißliche (Geflügel), graurosafarbene (Schwein) oder graubraune Farbe (Rind) angenommen hat“.
  • Vermeide eine ungewollte Übertragung von Verunreinigungen auf andere Gegenstände in der Küche. Eine sogenannte Kreuzkontamination über Schneidebretter oder Messer kannst Du durch gründliche Reinigung mit warmem Wasser und Spülmittel gezielt verhindern.

Coronavirus in Fleisch: So erkennst du Produkte von Tönnies im Supermarkt-Regal

Ob Kaufland, Rewe, Edeka oder Penny, alle Supermarkt- und Discounter-Ketten in Deutschland werden von den Tönnies Fleischbetrieben beliefert. Bei den Discounter-Ketten Lidl und Aldi steckt Tönnies-Fleisch in den Eigenmarken „Landjunker“ und „Meine Metzgerei“. Auch unter den Markennamen Tillman’s gelangt das Fleisch aus Nordrhein-Westfalen in Deutsche Haushalte.

Ob in Convenience-Lebensmittel, Tiefkühlprodukte oder Frischfleisch überall steckt Tönnies drin. Nach Angaben des Nachhaltigkeitsportal „utopia.de“ essen Verbraucher auch dann Tönnies-Fabrikate, wenn sie zu Wurstwaren der „Zur Mühle“-Gruppe greifen – dazu gehören in Reihe von Produkten:

  • Astro 
  • Böklunder
  • Dölling
  • Gutfried
  • Hareico
  • Heine‘s
  • Jensen‘s
  • Könecke
  • Lutz
  • Marten
  • Naumburger
  • Plumrose
  • Redlefsen
  • Schulte
  • Vevia
  • Weimarer
  • Wilx
  • Zerbster  
  • Zimbo

Neben den hier angegeben Markennamen gibt es noch eine weitere Möglichkeit, Tönnies-Fleisch zu erkennen: Das Identifikationszeichen. Dabei handelt es sich um einen ovalen Kreis, welcher sich auf allen Fleisch- und Milchpackungen im deutschen Einzelhandel befindet. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind folgende drei Kennzeichen mit dem Tönnies-Unternehmen in Rheda-Wiedenbrück verbunden:

  • DE NW 20202 EG
  • DE NW 20028 EG
  • DE NW 20045 EG

Die Kürzel DE NW markieren den Herkunftsort: Nordrhein-Westfalen in Deutschland. Die Ziffer stellt den Zulassungscode des Betriebs. EG steht abschließend für einen rechtlich in der EU zugelassenen Betrieb. Das Bundesministerium Für Landwirtschaft und Ernährung stellt jedoch klar: „Der Verbraucher kann an Hand des Zeichens nur erkennen, in welchem Staat und Bundesland das Erzeugnis zuletzt bearbeitet oder verpackt wurde. Dadurch sind Rückschlüsse auf die Transportwege möglich. Die Herkunft der Rohstoffe ist daraus jedoch nicht abzuleiten.“

Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn ein Tier in der Corona-Fabrik von Tonnies geschlachtet worden ist, aber in einem anderen Betrieb weiterverarbeitet wird – beispielsweise mariniert oder paniert –, finden Verbraucher das Tönnies-Kennzeichen nicht auf der Packung. Entsprechend kann der Endkunde die Fleischprodukte von Tonnies nicht mit absoluter Sicherheit erkennen. Umso wichtiger ist es die Anfangs genannten Regeln bei der Fleischzubereitung in der heimischen Küche zu beachten. Übrigens: Stiftung Warentest hat kürzlich Grillfleisch aus Supermärkten und Discountern untersucht - und in zwei Drittel der Proben Keime gefunden!

Neben den Negativ-Schlagzeilen rund um den Tönnies Fleischbetrieb gibt es auch erfreuliches zu vermelden: Hat das Warten an der Supermarkt-Kasse bald ein Ende? Edeka testet gerade eine neue Technologie. Gehört nervige Kleingeld-Zählen bald der Vergangenheit an? Mit der Mehrwertsteuer-Senkung ab Juli könnte es in Supermärkten wie Kaufland und Lidl eine kleine Revolution geben. Leider müssen sich Märkte jedoch auch immer wieder mit dreisten Pfand-Betrügern auseinandersetzen. Und wie stehen Supermarkt-Mitarbeiter im Gehaltsvergleich dar? Das verrät der Gehalts-Check. (esk)

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