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Tschernobyl: Experten warnen noch heute vor diesen Lebensmitteln

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Von: Katja Becher

35 Jahre nach Tschernobyl: Noch heute haben die verheerenden Reaktorkatastrophen Auswirkungen auf unsere Lebensmittel. Wovor Experten weiterhin warnen:

Am 11. März jährt sich die Reaktorkatastrophe in Fukushima zum 10. Mal. Vor 35 Jahren, am 26. April 1968, gab es auch im Atomkraftwerk Tschernobyl eine verheerende Kernschmelze. In beiden Fällen wurden riesige Mengen an Radioaktivität freigesetzt. Während im Fall des Reaktor-Unglücks von Fukushima die meisten radioaktiven Partikel aufs Meer gewehrt wurden, gelangte der Fallout von Tschernobyl bis nach Deutschland. Vor allem betroffen waren Gebiete in Süddeutschland, darunter auch Teile von Baden-Württemberg*. Wie HEIDELBERG24* berichtet, sind die Folgen der Katastrophe auch heute noch zu spüren – Experten warnen sogar vor bestimmten Lebensmitteln, die weiterhin radioaktiv belastet sein könnten.

Das von einem Hubschrauber aufgenommene Foto zeigt das beschädigte Kernkraftwerk in Fukushima im Nordosten Japans.
Das von einem Hubschrauber aufgenommene Foto zeigt das beschädigte Kernkraftwerk in Fukushima im Nordosten Japans. © picture alliance/dpa/Kyodo

Tschernobyl und Fukushima: Lebensmittel noch heute radioaktiv belastet – vor allem diese Produkte

Während der Wind zum Zeitpunkt der Katastrophe von Fukushima am 10. März 2011 so günstig stand, dass die Katastrophe in Japan kaum Radioaktivität nach Deutschland brachte, zog nach dem Tschernobyl-Unglück im April und Mai 1986 eine riesige radioaktive Wolke über Europa und Deutschland. Wie die Verbraucherzentrale erklärt, seien deswegen noch heute vor allem in Süddeutschland die Böden in einigen Regionen mit den radioaktiven Spaltprodukten Cäsium 137 und Strontium 90 belastet. Entsprechend könne es auch heute noch vorkommen, dass Lebensmittel radioaktiv belastet seien.

In einigen Regionen im Süden Deutschlands überprüfen auch über 30 Jahre nach dem Reaktor-Unglück in Tschernobyl vor allem Wildtiere und Pilze auf Strahlung. Laut Verbraucherzentrale könnte Wildfleisch aus den betroffenen Bereichen nach wie vor erhöhte Radioaktivitätswerte aufweisen – das gelte besonders für Wildschwein-Fleisch. Experten empfehlen deshalb, vor allem selbst gesammelte Wildpilze sowie Wildschwein „nur gelegentlich oder gar nicht“ zu essen.

Tschernobyl und Fukushima: Radioaktive Belastung – gesammelte Pilze und Wildfleisch besonders gefährlich

Laut Bundesamt für Strahlenschutz ist es nicht erlaubt, Lebensmittel mit einem Radiocäsiumgehalt von mehr als 600 Becquerel (Einheit einer radioaktiven Substand) pro Kilogramm in den Handel zu bringen. Für den Eigenverzehr gilt diese Beschränkung allerdings nicht. Wenn Wildfleisch oder selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen verzehrt werden, sei die zusätzliche Strahlenbelastung zwar vergleichsweise gering – aber vermeidbar. Denn immerhin: Wer 200 Gramm Pilze mit 3.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm isst, wird ähnlich mit Strahlen belastet, wie bei einem Flug von Frankfurt nach Cran Canaria.

Tschernobyl und Fukushima: Auch Pilze aus dem Supermarkt radioaktiv belastet?

„Leuchten die Champignons im Dunkeln?“ Dies Frage haben wohl viele im Zusammenhang mit der Wolke von Tschernobyl bereits gehört. Bei im Supermarkt erhältlichen Wildpilzen, die bei uns meist aus Osteuropa im Handel lande, geben die Verbraucher-Experten allerdings Entwarnung: Diese würden gesondert auf radioaktive Strahlung geprüft – teilweise sogar mit teurer und zuverlässiger Messtechnik. Auch bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen müssen sich Kunden laut Verbraucherzentrale keine Sorgen machen: Die Konzentration von Radioaktivität in Ackerböden läge inzwischen wieder bei Werten wie vor dem Reaktor-Unglück. Lediglich Waldböden seien noch betroffen, da diese weniger regelmäßig bearbeitet würden.

10 Jahre nach Fukushima: Nachhaltige Veränderungen auch in Deutschland

Rund 25 Jahre nach Tschernobyl löste auch die Nuklearkatastrophe in Fukushima nachhaltige Veränderungen in der Bundesrepublik aus. Am 11. März 2011 setzte nach einem Tsunami in dem japanischen Atomkraftwerk in mehreren Reaktorblöcken eine Kernschmelze ein. Die riesige Tsunami-Welle riss rund 20.000 Menschen in den Tod, die Küstenstadt Rikuzentakata wurde vollständig zerstört. Deutschland reagierte auf das verheerende Unglück mit einer radikalen Wende in der Energiepolitik. Der Atomausstieg bis 2022 wurde beschlossen und schon im Juni 2011 verabschiedete der Bundestag ein Gesetzespaket, das den Ausbau von erneuerbaren Energien beschleunigen sollte. Heute sind in Deutschland nur noch 6 von 17 Atomkraftwerken am Netz. Drei davon sollen noch dieses Jahr abgeschaltet werden, der Rest dann bis Ende 2022.

„Chernobyl“: Gefeierte Serie ab April auf ProSieben

Ab April 2021 läuft die gefeierte Miniserie „Chernobyl“ im deutschen Free-TV. Die HBO-Produktion über die Entwicklungen der Nuklearkatastrophe von 1986 wird als eine der besten Serien aller Zeiten gehandelt. Die ersten beiden Episoden wurden am 12. April auf ProSieben ausgestrahlt, die restlichen Folgen können am 19. April (3. und 4. Folge) sowie am 26. April (Folge 5) im TV angesehen werden. Auch beim Streaming-Dienst Joyn stehen alle Folgen von „Chernobyl“ ab Ausstrahlung zur Verfügung. (kab) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN MEDIA

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