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Bier wird deutlich teurer: Größte Brauereigruppe zieht Preise an

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Von: Julian Kaiser

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Deutsche und Bier – das ist eine ganz besondere Liaison. Doch der Gerstensaft wird bald wohl deutlich teurer. Eine Brauerei zieht nun die Konsequenzen.

NRW – Bierliebhaber müssen jetzt ganz stark sein. Die branchenübergreifenden Preisanstiege haben bekanntermaßen auch vor dem bei Deutschen so beliebten Gerstensaft nicht Halt gemacht. Wie RUHR24 berichtet, kündigt die größte Brauereigruppe nun an, die gestiegenen Produktionskosten zeitnah an den Handel und die Verbraucher weitergeben zu wollen – und das bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr.

Radeberger Gruppe KGGrößte Brauereigruppe in Deutschland
Biermarken60 Stück, darunter u.a. Clausthaler, Jever, Radeberger
Gründung1952

Bier hat in Deutschland einen hohen Stellenwert – 69 Prozent trinken gerne Bier

„The Trend is your Friend“. Selten war ein Sprichwort wohl so unwahr wie in diesem Fall. Rund 87 Liter Bier tranken die Deutschen pro Kopf laut dem Deutschen Brauer-Bund im Jahr 2020, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Gegenüber dem Bierkonsum von vor 40 Jahren sei der Konsum aber eindeutig zurückgegangen (mehr Service-News auf RUHR24).

Damit liegt das Land der dichten Denker hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter Tschechien, wo der Bierkonsum 2020 durchschnittlich bei 135 Liter Bier pro Verbraucher lag. Dennoch genießt das traditionsreiche Getränk aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hierzulande einen hohen Stellenwert.

Laut dem „Bier Atlas“, einer repräsentativen Befragung von 1031 Bundesbürgern zwischen 16 und 69 Jahren aus dem Jahr 2018, trinken 69 Prozent der Deutschen gerne Bier. Dass neben Gas und Strom jetzt auch das inoffizielle Nationalgetränk im Erfinderland des Reinheitsgebotes von 1516 teurer werden soll, wird wohl auf wenig Gegenliebe stoßen.

Radeberger-Gruppe will zum zweiten Mal in diesem Jahr die Bier-Preise erhöhen

Ob Jever, Schöfferhofer oder Radeberger – Fans der bekannten Biermarken werden wohl bald schon tiefer in die Tasche greifen müssen. Schließlich sieht die aus Frankfurt am Main stammende Radeberger-Gruppe anscheinend keinen anderen Weg mehr, als die Preise für seine verschiedenen Biersorten zum 1. Dezember zu erhöhen.

Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr: Schließlich hatte die Oetker-Tochter laut der Lebensmittel Zeitung bereits im Mai dieses Jahres die Preise für Marken wie Jever, Radeberger und Schöfferhofer erhöht. Die nun anvisierte zweite Erhöhung betreffe hingegen „alle Marken und Gebinde“, bestätigte das Unternehmen gegenüber der LZ.

Radeberger-Gruppe begründet Preiserhöhungen mit gestiegen Energie- und Materialkosten

Den Schritt begründet die Radeberger-Gruppe mit gestiegenen Kosten für Energie, Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe sowie für die Logistik, berichtet Chip. Auch die Wartung, Qualitätssicherung und Instandhaltung der Brauereien trage ebenso zu höheren Kosten bei wie die Vermarktung in der Gastronomie. Gegenüber der Bild spricht das Unternehmen dahingehend von „immensem Kostendruck“.

Neben den Energiepreisen seien besonders Materialien wie Kronkorken oder Kohlensäure deutlich teurer geworden, erklärte die Radeberger-Gruppe gegenüber der LZ. Wie heidelberg24 berichtet, mussten wegen der Kohlensäure-Knappheit bereits Getränkehersteller in Schwaben und am Bodensee ihre Produktion teilweise einstellen.

Von den hohen Material-Preisen ist auch die Konkurrenz betroffen. Dazu gehört beispielsweise das Unternehmen Anheuser-Busch Inbev Deutschland, zu deren Sortiment Marken wie Beck‘s, Diebels oder Franziskaner gehören, berichtet gastivo. Auch für AB-Inbev-Marken müsse die Kundschaft für Fassbier bereits jetzt schon tiefer in die Tasche greifen. Und in der angekündigten erneuten Preiserhöhung der Radeberger-Gruppe sieht die LZ gar einen „Schritt mit Signalwirkung“.

Bier-Branchenprimus setzen „massive Kostensteigerungen in den Beschaffungsmärkten“ zu

Es gebe „kaum einen Prozess-Schritt, der sich in den letzten Monaten durch massive Kostensteigerungen in den Beschaffungsmärkten nicht erheblich verteuert habe“, so eine Sprecherin des Radeberger-Konzerns. Die Zahlen machen den Ernst der Lage deutlich: Allein der Preis für Braumalz soll innerhalb eines Jahres um 70 Prozent gestiegen sein, berichtet der Business-Insider.

Und laut der Berliner Zeitung sei auch der Preis für Europaletten gar um 150 Prozent angestiegen. Laut Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbunds, sei es dementsprechend „klar, dass derart drastische Kostensteigerungen auf den Preis umgelegt werden müssen“. Die Kostensteigerungen sprengten seiner Ansicht nach mittlerweile „alle Dimensionen“, erklärte er der Bild.

Maßkrüge an einer Zapfanlage.
Bier wird bis zum Endes des Jahres bis zu 30 Prozent teurer, prognostizieren Experten. © Markus van Offern (mvo)/IMAGO.

Bierpreis steigt bis Jahresende wohl um bis zu 30 Prozent – Radeberger-Gruppe hält sich bedeckt

Wie hoch die Preisanstiege für Clausthaler, Radeberger oder Jever ausfallen, steht noch nicht fest. Bierfans, die bereits jetzt sorgenvoll ihre nächste Tour zum Getränkemarkt planen, müssen sich wohl gedulden. Denn wie Chip berichtet, nannte die Radeberger-Gruppe bisher „aus Wettbewerbsgründen“ keine konkreten neuen Abgabepreise.

Insgesamt erwarten Deutschlands Brauereiverbände einen Anstieg der Bierpreise um bis zu 30 Prozent bis Jahresende, erklärt Stefan Fritsche, Vize-Chef des Brauereiverbands Berlin-Brandenburg, gegenüber der Bild. Daran, dass Bierliebhaber im Supermarkt, wo die Lebensmittelpreise ohnehin explodieren, und in der Gastronomie bald schon deutlich mehr für ihr Bier bezahlen müssen, führt wohl kein Weg mehr vorbei.

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