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Warnung vor Ausfall tausender Lkw: „Dann steht Deutschland still“

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Von: Lucas Maier

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Die anhaltende Gaskrise trifft viele Bereiche in Deutschland hart. Jetzt kommt es zu einer Verknappung, die weitreichende Folgen haben könnte.

Kassel – Leere Supermarktregale kennen die meisten in Deutschland erst seit den Hamsterkäufen während der Corona-Pandemie. Im Zuge der Energiekrise könnte es bald jedoch wieder fehlende Artikel bei Aldi, Lidl und Co. geben.

Hintergrund ist ein akuter Mangel des Abgas-Reinigungsstoffes Adblue. Der Bundesverband Gütertransport und Logistik (BGL) warnt deshalb vor Versorgungsengpässen in Deutschland durch den Adblue-Mangel, wie die französische Nachrichtenagentur AFP schreibt. Ohne Adblue könnten tausende Lkw ausfallen. Denn nahezu jeder Lastwagen der Speditions-, Logistik- und Transportbranche in Deutschland fährt laut BGL mit Diesel und ist auf Adblue angewiesen. 

Die Harnstofflösung Adblue wird bei der Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren eingesetzt. Ein Mangel könnte dazu führen, dass tausende Lkw ausfallen.
Die Harnstofflösung Adblue wird bei der Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren eingesetzt. Ein Mangel könnte dazu führen, dass tausende Lkw ausfallen. © Peter Kneffel/dpa

Adblue-Krise: Größter deutscher Hersteller Stickstoffwerke Piesteritz legt Anlagen still

Einer der größten Adblue-Produzenten sind die Stickstoffwerke Piesteritz (SKW) in Sachsen-Anhalt. Dort werden rund 40 Prozent des deutschen Bedarfs an Adblue produziert, wie AFP schreibt. Seit etwa zwei Wochen stehen die Anlagen beim größten Adblue-Hersteller Deutschlands still. Bei SKW ist die Adblue-Produktion an die Düngemittelherstellung gekoppelt.

Adblue

Bei Adblue handelt es sich um eine Harnstofflösung, die bei der Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren eingesetzt wird. Adblue bewirkt eine Verringerung der ausgestoßenen Stickoxide um bis zu 90 Prozent. Der Adblue-Verbrauch der Lkw auf deutschen Straßen liegt laut BGL bei etwa fünf Millionen Liter pro Tag.

Die Katalysatoren der Dieselmotoren brauchen den Harnstoff Adblue, um schädliche Stickoxide aus den Abgasen in harmlosen Wasserstoff und in Stickstoff zu spalten. Neuere Dieselfahrzeuge lassen sich ohne Adblue gar nicht mehr starten.

Quelle: AFP/dpa

Da die Düngemittelherstellung aufgrund der hohen Gaspreise in Deutschland aktuell unrentabel wäre, stehen momentan beide Produktionen still, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Gas ist nicht nur Energielieferant bei der Herstellung von Adblue, es ist auch der Basisrohstoff des Produktes. „Wir können es nicht ersetzen“, sagte ein SKW-Sprecher gegenüber AFP.

Import von Adblue keine Option: „Überall in Europa stehen die Werke still“

Eine separate Produktion von Adblue sei bei SKW nicht möglich, teilte ein Sprecher gegenüber der dpa mit. Ein Import des für die Logistik unumgänglichen Stoffes sei ebenfalls sehr schwer, heißt es vonseiten des Bundesverbandes Gütertransport und Logistik (BGL).

Adblue-Mangel: Experten warnen vor leeren Supermarktregalen.
Adblue-Mangel: Experten warnen vor leeren Supermarktregalen in Deutschland. (Symbolfoto) © Swen Pförtner/dpa

„Überall in Europa stehen die Werke still“, sagte BGL-Hauptgeschäftsführer Dirk Engelhardt am Donnerstag (8. September) gegenüber der dpa. Zudem gäbe es keine Transportkapazitäten für solch große Mengen der Harnstofflösung. Sollten die Adblue-Reserven der Unternehmen aufgebraucht sein, „steht Deutschland still“, bringt Engelhardt die Situation gegenüber dem Focus auf den Punkt.

Energiekrise trifft Adblue-Herstellung: Regierung zeigt sich besorgt

Den Stillstand der Anlagen in den Stickstoffwerken Piesteritz hat die Bundesregierung „mit Besorgnis zur Kenntnis genommen“, wie AFP einen Regierungssprecher zitiert. Man habe bereits ein „Liquiditätsprogramm“ in der Hinterhand, hieß es am Mittwoch (7. September) weiter.

Die ersten Engpässe in Folge des Adblue-Mangels könnten bereits in zwei Wochen auftreten, warnt der BGL-Hauptgeschäftsführer Dirk Engelhardt. Engelhardt fordert von der Regierung die Einberufung eines „runden Tisch Logistik“. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) fahre „Deutschland sehenden Auges an die Wand“, zitiert AFP den Branchenvertreter. (Lucas Maier)

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