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Haferdrinks und Sojamilch im Test: Warnung an Kunden – fragwürdige Tricks entlarvt

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Von: Regina Wolf

Immer mehr Verbraucher setzen auf vegetarische oder vegane Milch-Alternativen. Aber sind diese wirklich besser? Die Verbraucherzentrale NRW hat den Check gemacht.

Deutschland – Milchfreie „Milch“ gilt als gesünder und umweltfreundlicher als herkömmliche Kuhmilch. Neben Vegetariern oder Veganern setzen auch viele Menschen mit einer Laktoseintoleranz oder einer Milcheiweißallergie auf Milchersatz-Produkte, berichtet RUHR24.* Aber wie gut sind die Produkte und was sollten Verbraucher beim Kauf beachten?

HafermilchGetreidemilch aus Saathafer
HandelsbezeichnungHaferdrink
Kalorien/100 ml45

Milchersatzprodukte im Kommen: Der Markt wird immer größer

Auch die Zahlen belegen: Milchalternativen sind derzeit stark im Kommen. Laut Statista lag der Umsatz mit Milchersatzprodukten wie pflanzlichen Drinks, Joghurtalternativen oder pflanzlichen Desserts in Deutschland im Jahr 2020 bei 536 Millionen Euro. Zum Vergleich: Noch 2018 wurden mit Milchersatzprodukten nur rund 326 Millionen umgesetzt.

Der Markt ist dementsprechend groß und wächst stetig – dabei ist längst nicht mehr jede Milchalternative aus dem Supermarkt „gesund“. Die Verbraucherzentrale NRW hat Drinks ohne Milch jetzt auf den Prüfstand gestellt (weitere Testberichte* auf RUHR24).

Milchersatz-Produkte im Test: Diese Produkte wurden getestet

Insgesamt haben die Verbraucherschützer für ihren Test 71 Produkte in Discountern, Supermärkten, Bio-Läden sowie Drogeriemärkten in NRW eingekauft. Darunter:

Ausgewählt wurden für den Test dabei Produkte zahlreicher bekannter Marken wie dennree, Alpro, Alnatura, dmBio, Edeka oder Gut Bio. Die Preise für die Produkte reichten von 0,95 Euro und 2,99 Euro.

Milchalternativen: Haferdrinks sind in Deutschland am beliebtesten

Diese Auswahl spiegelt weitestgehend die Vorlieben der Verbraucher wider. So hat eine aktuelle Statista-Umfrage aus dem Jahr 2021 gezeigt, dass Haferdrink mit rund 74 Prozent die beliebteste Milch-Alternative der Deutschen ist.

Danach folgen Mandeldrinks, die rund 68 Prozent der Befragten bevorzugen. Auf Platz drei und vier landen Soja- (ca. 50 Prozent) sowie Kokosmilch (ca. 40 Prozent).

Der Geschmack von Milchersatz ist aber immer noch nicht jedermanns Sache. So kam die Stiftung Warentest zu dem Ergebnis, Hafermilch schmecke eher nach Haferbrei, denn nach Milch.

Milchfreie Milch auf dem Prüfstand – das wurde von den Verbraucherschützern gecheckt

Erstes, nicht überraschendes Fazit der Verbraucherzentrale NRW: Milchersatz ist grundsätzlich immer noch teurer als Kuhmilch. Das liegt in erster Linie an der geringeren Besteuerung von Kuhmilch (als Grundnahrungsmittel), wie die Tester erklären.

Milchglas
Tierische Milch ist günstiger als ihre Ersatzprodukte. (Symbolbild) © Jan-Philipp Strobel/picture alliance/dpa

Im Test wurden dann die Nährwerte der 71 Pflanzendrinks miteinander – sowie auch mit denen von Kuhmilch verglichen. Je nach Art der Alternative unterscheiden sich die Nährstoffe deutlich, bemerken die Prüfer.

Diese Unterschiede stellt die Verbraucherzentrale in puncto Nährstoffe fest:

Nährstoffe in Milchersatz: Vor- und Nachteile gegenüber Milch

Wichtigster Kritikpunkt der Verbraucherschützer bezüglich der Nährstoffe: Milchalternativen seien hinsichtlich ihres Gehaltes an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen „kaum mit den Gehalten von Kuhmilch vergleichbar.“

Tierische Milch und Milchprodukte sind insbesondere wichtige Lieferanten von:

Einige der getesteten Pflanzendrinks waren zwar mit Vitaminen und Mineralstoffen wie Calcium und Vitaminen angereichert – die meisten aber nicht. Der Rat der Verbraucherzentrale: Wer voll auf Milchersatz setzt, sollte Produkte mit zusätzlichem Calcium wählen.

Milchersatzprodukte: Zusatzstoffe und Zucker in der Kritik

Apropos zusätzlich: Immerhin 38 Prozent der geprüften Produkte enthielten Zusatzstoffe wie Stabilisatoren, Säureregulatoren und Emulgatoren. Die meisten – insbesondere Bio-Produkte – enthielten zwar demnach keine Zusatzstoffe. Dennoch sollte beim Kauf vorher die Zutatenliste gecheckt werden.

Auch Zucker stellt immer noch ein Problem dar. Der Zuckergehalt lag – je nach Produkt – zwischen 0 Gramm und 7,1 Gramm. Milchersatzprodukte auf Reis- und Haferbasis enthalten insgesamt mehr Zucker als Soja- oder Mandelmilch. Eine Forderung der Verbraucherzentrale: Pflanzendrinks mit der Angabe „ohne Zucker“ sollten zusätzlich auf „enthält von Natur aus Zucker“ hinweisen. 

Besonders verwirrend hier sind die Marketing-Maschen der Hersteller: Denn Produkte „ohne Zuckerzusatz“ enthalten nicht zwingend weniger Zucker als andere, da der natürliche Zuckergehalt höher sein kann.

Milchersatzprodukte im Test: Werbeaussagen verwirren und nerven Verbraucher

Verwirrend für Verbraucher sind auch weitere Werbeaussagen – wie beispielsweise „Natur“ oder „Natural“. Diese Begriffe seien rechtlich nicht geschützt, erklärt die Verbraucherzentrale NRW – daher seien sie keinesfalls gleichbedeutend mit „ohne Zusatzstoffe“ oder „frei von Zuckerzusatz“.

Überhaupt seien die Verpackungen der Milchersatzprodukte oftmals mit Werbung „überladen“, was „nerven“ könne. Die größte Kritik hier: Unter dem Wust von Versprechungen, Labeln und „frei von“-Aussagen sind die wirklich relevanten Inhalte für den Verbraucher nur noch schwer zu finden. So ist die Zutatenliste zumeist ganz klein irgendwo auf der Rückseite abgedruckt.

Nachhaltigere Alternative: Milchersatzprodukte liegen in puncto Klimaschutz vorn

Trotz aller Kritik: Pflanzendrinks sind auch nach Einschätzung der Verbraucherzentrale NRW eine klima- und tierfreundliche Alternative zu Milch. Ihr CO2-Fußabdruck sei je nach Art des Produktes nur ein Viertel bis halb so groß wie der von Kuhmilch.

Wie nachhaltig ein Produkt ist, hängt dabei insbesondere auch von der Herkunft der Inhaltsstoffe ab. Auch hier lassen die mit Werbeversprechungen überladenen Verpackungen den Verbraucher oft im Dunkeln.

Die Tester fordern daher, dass die Herkunftsländer der Rohstoffe stets anzugeben seien. Denn auch hier verwirren die Marketing-Versprechen: So bedeutet „hergestellt in Deutschland“ keinesfalls, dass alle Zutaten auch aus Deutschland kommen.

Milch-Alternativen im Test: Umweltfreundlich, aber mit falschen Marketing-Versprechen

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Der Nährstoffgehalt der Pflanzendrinks unterscheidet sich naturgemäß nicht nur von dem von Milch, sondern auch je nach Art des Rohstoffs. Für eine ausgewogene Ernährung sollte man sich beim Konsum von Milchersatz jeglicher Art bewusst sein, dass Calcium und Vitamine (wie B12) fehlen – und aus anderen Nahrungsmitteln kommen müssen.

Wer etwas für den Klimaschutz tun will, der kann aber auf die deutlich umweltfreundlicheren Milchersatzprodukte setzen. Allerdings ist der Markt groß – und damit auch die Konkurrenz für die Hersteller. Das hat dazu geführt, dass die Verpackungen für den Verbraucher nicht mehr aussagekräftig sind. Man sollte hier vor allem auf das Kleingedruckte achten – statt auf die blumigen Versprechungen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

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