Tipps für eine solide Finanzplanung im Haushalt

Warum ein finanzielles Polster unverzichtbar ist – und wie es gelingt

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Viele Deutsche können oder wollen kein Finanzpolster im vierstelligen Bereich zur Seite legen. Möglich und sinnvoll ist das aber in den meisten Fällen! Wieso und vor allem: wie?

Deutschland sei Sparweltmeister heißt es immer wieder. Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Immer mehr Haushalte leben ohne ein finanzielles Polster. Bei unerwarteten Ausgaben kann das schnell zu einem Problem werden. Wie also gelingt es, sich selbst mit einem geringen Einkommen einen Notgroschen anzusparen?

Immer wieder wird von den „reichen Deutschen“ gesprochen. Angeblich geht es hierzulande allen finanziell blendend und niemand weiß, was er mit seinem vielen Geld anstellen soll. Für viele Deutsche sieht die Realität aber anders aus: Sie haben zwar ein gutes Einkommen, wissen zwischen hohen Mietkosten, teuren Lebensmitteln und zahlreichen Sozialversicherungs- sowie Steuerausgaben aber kaum noch, wie sie ihren Lebensunterhalt stemmen sollen.

Der deutsche Wohlstand in Zahlen

Ein Szenario, welches auch die aktuellen Zahlen bestätigen: Deutschland gehört beim Thema Wohlstand nur zum Mittelmaß in der EU. Ein Erwachsener besitzt hierzulande gerade einmal durchschnittlich 47.000 Dollar, so die Ergebnisse des Global Wealth Reports. Selbst im angeblich so armen Griechenland besitzen die Menschen mit durchschnittlich 55.000 Dollar mehr. In Holland sind es 94.000 Dollar, in Belgien sowie Liechtenstein 168.000 Dollar und der Spitzenreiter ist die Schweiz mit 229.000 Dollar Durchschnittsvermögen pro Kopf bei Erwachsenen.

Das Problem mit den Steuern und Abgaben

Von wegen Sparweltmeister – Deutschland gehört also bestenfalls zum Mittelmaß, was beispielsweise am geringen Immobilienbesitz sowie den hohen Steuersätzen liegt. Während die Deutschen nämlich bis zu 47,48 Prozent ihres Einkommens an das Finanzamt abführen müssen, liegt der Wert in der Schweiz je nach Kanton bei gerade einmal 11,5 Prozent oder weniger – und dieser Spitzensteuersatz wird erst ab einem Einkommen von 843.000 CHF pro Jahr erreicht. In Deutschland ist man hingegen schon ab Einnahmen von 52.882 Euro bei 42 Prozent Abgaben angelangt. 

Eins zu eins lassen sich diese Zahlen zwar nicht vergleichen, da in der Schweiz noch Kantonssteuern hinzukommen und das Versicherungssystem anders funktioniert. Dennoch ist das Fazit eindeutig: Den Schweizern bleibt deutlich mehr von ihrem Einkommen, was natürlich auch das Sparen erleichtert. Deutschland gehört hingegen zu den Ländern mit den höchsten Steuersätzen und hinzu kommen Abgaben für die Sozialversicherungen, die Kirchensteuer, der Solidaritätszuschlag und, und, und…

Was den Deutschen das Sparen schwermacht

Das Einkommen, welches am Ende übrig bleibt, muss trotzdem für die Lebenshaltungskosten reichen. In immer mehr Haushalten ist das nicht der Fall, sodass sie sich an der Armutsgrenze bewegen. Wer das Glück hat, dass am Ende des Monats noch Geld übrig bleibt, sollte dieses sparen. Viele Menschen wünschen sich dafür, dass sie sich jeden Morgen aus dem Bett quälen und 40 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten gehen, aber auch den einen oder anderen kleinen Luxus als Ausgleich – einen Urlaub beispielsweise, den Besuch in der Sauna oder eine neue Jeans. Das Sparen steht auf der Prioritätenliste also weit unten.

Wofür eigentlich ein finanzielles Polster?

Vor allem Menschen mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag, sehen oft keine Notwendigkeit darin, Geld auf die Seite zu legen. Sie gehen davon aus, dass sie in Zukunft keine finanziellen Probleme haben werden und geben die übrigen Euros daher lieber für ein neues Auto, Shopping, den Kinobesuch & Co aus. Das Problem an der Sache ist: Es kann jederzeit zu unerwarteten Ausgaben kommen und kein Einkommen ist jemals sicher. Auch ein unbefristeter Arbeitsvertrag kann enden, Unternehmen können Stellen abbauen oder insolvent gehen, Menschen können krank werden…

Gute Gründe zum Sparen im Überblick

Eine Garantie gibt es im Leben nicht und daher ist es sinnvoll, stets einen Plan B zu haben. Das gilt auch für die Finanzen. In Niedrigzinszeiten mag es zwar tatsächlich keinen Sinn machen, Unmengen an Geld auf dem Konto anzuhäufen. Doch ein gewisses finanzielles Polster sollte stets greifbar sein – sprich auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen. Zudem sind weitere Ersparnisse als Geldanlage für das Alter in Zeiten der unsicheren Rente unverzichtbar. Diese sind nur einige der Gründe, weshalb jeder Haushalt ein finanzielles Polster haben sollte. Und die Liste ist lang:

  • Unerwartete Ausgaben können jederzeit entstehen, wenn beispielsweise die Waschmaschine kaputt geht, eine neue Brille gekauft werden muss, eine Stromrechnung ins Haus flattert oder eine Steuernachzahlung unerwartet hoch ausfällt
  • Zudem beruhigt es das Gemüt, denn mit Ersparnissen auf der hohen Kante lebt es sich sorgenfreier. 
  • Wer kein Erspartes hat, ist hingegen finanziell abhängig – vom Arbeitgeber, dem Lebenspartner, den Eltern oder dem Staat. Geld auf die Seite zu legen bedeutet also ein großes Stück Freiheit. Die Freiheit beispielsweise, einen Job kündigen oder eine Beziehung verlassen zu können, wenn diese einen unglücklich machen. 
  • Sparen erfordert Disziplin und ist somit eine wichtige Lektion. Wer seine Finanzen im Griff hat, legt damit den Grundstein für mehr Erfolg sowie Kontrolle im eigenen Leben. 
  • Ersparnisse sind, wie bereits erwähnt, unverzichtbar als Altersvorsorge. Wer sich Wohlstand aufbauen möchte, muss mit kleinen Schritten beginnen – und kann sich dann vielleicht sogar irgendwann ein eigenes Haus, Aktien, Gold oder andere Formen der Geldanlage leisten.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Dennoch assoziieren viele Menschen das Sparen mit Verzicht. Ein Trugschluss, denn Geld lässt sich an vielen Ecken und Enden sparen, ohne dass dies eine Einschränkung im Alltag bedeuten würde. Der Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter ist dafür ein passendes Beispiel. Zudem können Ersparnisse im Gegenteil sogar ein Plus an Luxus bedeuten: Wer ausreichend Geld auf der hohen Kante hat, kann den Rest guten Gewissens für Reisen, Kleidung & Co ausgeben und durch die Zinsen sowie Zinseszinsen dennoch sein finanzielles Polster weiter ausbauen.

Wie hoch sollte das finanzielle Polster sein?

Auf die Frage nach dem „Warum“ folgt jene nach der Höhe, welche die Ersparnisse erreichen sollten. Prinzipiell gilt natürlich: Je mehr Geld auf der hohen Kante liegt, umso besser. Wichtig ist jedoch, dieses auch gewinnbringend anzulegen, denn ansonsten frisst in den aktuellen Niedrigzinszeiten die Inflation die Ersparnisse schleichend auf. Dennoch sollte jeder Haushalt rund 5.000 bis 10.000 Euro griffbereit haben – über das bereits erwähnte Giro- oder Tagesgeldkonto – um in Notfällen schnell reagieren zu können. Doch selbst 500 oder auch nur 100 Euro sind bereits ein guter Anfang. Schlussendlich muss jeder selbst berechnen, wie viel er einsparen kann.

Tipps zum Sparen – auch für Geringverdiener

Der Eine kann also 500 Euro pro Monat zur Seite legen, der Andere nur 50 Euro und ein wieder Anderer sogar nur fünf Euro. Prinzipiell ist es egal. Hauptsache, es gibt einen Sparplan und dieser wird strikt eingehalten. Wie also kann das Sparen funktionieren – auch, wenn das Geld knapp ist?

  • Nun sollte geprüft werden, welche Ausgaben reduziert oder vollends eingespart werden können. Den Kaffee von zu Hause mitnehmen anstelle das „Coffee to go“ am Morgen zum Beispiel oder eben der Wechsel zu günstigeren Strom- und Gasanbietern, Handyverträgen, Versicherungen & Co.
  • Andererseits können eventuell die Einnahmen erhöht werden durch einen Nebenjob, eine Gehaltserhöhung oder andere Strategien. Auch diese Möglichkeit lohnt sich zu prüfen.
  • Anhand der Berechnungen kann nun ein Sparplan entwickelt werden. Es gilt, einen fixen Betrag zu bestimmen, der ab sofort jeden Monat zur Seite gelegt wird.
  • Dieser Betrag wird anschließend per Dauerauftrag zu Beginn (!) des Monats automatisch auf das Sparkonto überwiesen – und zwar direkt nach dem Geldeingang. Denn wer sparen möchte, was am Ende „übrig bleibt“, geht meist leer aus.

Selbst mit einem geringen Einkommen ist es also oftmals möglich, mit etwas Geduld ein finanzielles Polster aufzubauen. Wer „nur“ 50 Euro pro Monat zur Seite legt, hat nach fünf Jahren immerhin 3.000 Euro angespart. Schlussendlich geht es dabei aber vor allem um das gute Gefühl der Gelassenheit, welches ein finanzielles Polster schenkt. Es bedeutet Freiheit – und die ist doch alles in allem mehr wert als die neue Jeans oder das Essen im Restaurant!

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