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300.000 Kilometer Quittungen pro Jahr: Gibt es wirklich weniger Steuerhinterziehung durch Kassenbonpflicht?

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Von: Juliane Gutmann

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Seit dem Jahr 2020 herrscht die Kassenbonpflicht in Deutschland: Selbst für eine Breze muss eine Quittung ausgestellt werden. Das Finanzministerium zieht ein Resümee.

Ob Kleidungsgeschäft, Bäcker oder Tante-Emma-Laden: Seit 1. Januar 2020 müssen bei allen Vorgängen an elektronischen Kassen Belege ausgegeben werden. Eingeführt wurde die Belegausgabepflicht vom Bundesfinanzministerium, um Steuersündern das Leben schwer zu machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel begründete den Schritt damit, dass der Staat nicht sehenden Auges akzeptieren könne, dass ihm Milliarden Steuereinnahmen verloren gingen, berichtete der Bayerische Rundfunk (BR).

Egal ob ein Bier an der Bar oder ein Eis aus der Tiefkühltruhe: Im deutschen Einzelhandel herrscht seit 2020 die Kassenbonpflicht.
Egal ob ein Bier an der Bar oder ein Eis aus der Tiefkühltruhe: Im deutschen Einzelhandel herrscht seit 2020 die Kassenbonpflicht. © Daniel Gonzalez/Imago

Dem Portal Haufe Finance zufolge kann der Beleg in Papierform oder – sofern der Kunde zustimmt – elektronisch (z.B. im PDF-Format) ausgegeben werden. Auf der Quittung* müssen unter anderem folgende Angaben stehen:

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Bonpflicht seit 2020 sorgt für übervolle Mülleimer hinter deutschen Kassen

Was für mehr Transparenz im Handel sorgen soll, hat viele Kritiker. Allen voran der Umweltschutzgedanke komme bei der Kassenbonpflicht zu kurz, so die Meinung vieler Menschen. Auch wenn der Kunde gar keinen Beleg möchte, muss dieser ausgedruckt werden – was viel Papiermüll zur Folge hat. Wie der BR berichtete, verzeichnet der bayerische Einzelhandel mehr als 300.000 Kilometer zusätzliche Länge an Kassenbons pro Jahr seit der Einführung der Belegausgabepflicht. Hierzu heißt es dem BR zufolge vonseiten des Finanzministeriums, dass ja gar kein gedruckter Kassenbeleg nötig sei: Auch ein elektronischer Kassenbeleg auf das Smartphone des Kunden sei erlaubt. Dass die Realität in der Regel anders aussieht, zeigen übervolle Mülleimer hinter deutschen Kassen.

Ob die Kassenbonpflicht ihr eigentliches Ziel erreicht hat – nämlich Steuerhinterziehung zu erschweren – kann bislang nicht bejaht, aber auch nicht verneint werden. So gebe es dem Finanzministerium zufolge keine Schätzungen, inwieweit Steuerhinterziehungen bisher durch die Bonpflicht vermieden worden sind, so br.de. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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