Zahlen steigen deutlich an

Fünf Nachbarländer von Deutschland betroffen: RKI weitet Reisewarnung für Urlaubsregionen massiv aus

Das Robert-Koch-Institut macht Ernst. Die Bundesbehörde weitet seine Reisewarnungen massiv aus - das Auswärtige Amt zieht sofort nach.

  • Wenn das Robert-Koch-Institut* eine Region zum Corona-Risikogebiet* ernennt, dauert es nicht lange, bis das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausspricht.
  • Am Mittwochabend (16. September) deklarierte das RKI Gebiete in gleich acht Länder zum Risikogebiet.
  • Betroffen sind fünf Nachbarländer von Deutschland.

Berlin - Paukenschlag vom Robert-Koch-Institut. Die Bundesbehörde hat am Mittwochabend etliche neue Regionen zu Risikogebieten deklariert. Betroffen sind Nachbarländer von Deutschland sowie beliebte Urlaubsregionen. Stuft das RKI eine Region als Risikogebiet ein, dauert es in der Regel nicht lange, bis das Auswärtige Amt nachzieht und ebenfalls vor Reisen warnt. Die neue Einschätzung des RKI im Überblick.

Corona in Frankreich: Lage im Land prekär - neue Reisewarnungen folgen

Frankreich hat laut der Weltgesundheitsorganisation eine bedrohlich wirkende 14-Tages-Inzidenz* von 168, was dem fünftschlechtesten Wert in Europa entspricht. Deshalb reagierte Deutschland nun und weitet seine Warnungen aus. Fortan gelten auch die Region Hauts-de-France und das Überseegebiet La Réunion als Risikogebiete. Zuvor waren bereits etliche Gebiete wie die Region Île-de-France um die Millionenmetropole Paris als Risikogebiet eingestuft worden.

Auf der Website des Auswärtigen Amtes heißt es: „Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Regionen Île-de-FranceProvence-Alpes-Côte-d’AzurAuvergne-Rhône-Alpes, Occitanie, Nouvelle-Aquitaine, Hauts-de-France sowie nach Corse (Korsika), Französisch-Guyana, St. Martin, Guadeloupe und La Réunion wird aufgrund hoher Infektionszahlen derzeit gewarnt.“ Von Reisen in die übrigen französischen Überseegebiete, für die Einreisebeschränkungen bestehen, werde sogar  „dringend abgeraten.“

Corona in Österreich: Wien fortan Risikogebiet - Hauptstadt ist Sorgenkind des Landes

In Österreich entwickelte sich das Bundesland Wien in den letzten Wochen immer mehr zum Corona-Brennpunkt des Landes. Im neu eingeführten Ampelsystem* der schwarz-grünen Bundesregierung um Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) belegte die Hauptstadt am Wochenende als einziges Gebiet die Warnstufe orange, was „hoher Gefahr“ entspricht. Wie erwartet hat Deutschland darauf nun reagiert und die knapp zwei-Millionen-Einwohner-Stadt zum Risikogebiet deklariert. Das Auswärtige Amt zog nach und warnt fortan vor Reisen nach Wien.

Corona in Kroatien: Im Osten des Landes steigen die Fallzahlen

Im August hatten Reiserückkehrer einen großen Teil der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ausgemacht, viele davon kamen aus Kroatien. Die Situation vor Ort schien sich im September etwas zu verbessern, ist nichtsdestotrotz aber noch angespannt. Kroatien kommt auf eine Inzidenz von 81. Nun kamen die Gespanschaften Brod-Posavina und Virovitica-Podravina im Osten des Landes als neue Risikogebiete hinzu.

Neben diesen Gebieten wird von Seiten des Auswärtigen Amtes weiterhin vor Reisen in die Gespanschaften Zadar, Šibenik-Knin, Split-Dalmatien, Dubrovnik-Neretva, Požega-Slawonien gewarnt.

Corona in Ungarn: Vor Reise ins ganze Land wird „abgeraten“

Düsterer ist die Lage unterdessen in Ungarn, das eine 14-Tages-Inzidenz von 85 aufweist. Nachdem das Robert-Koch-Institut die Hauptstadt Budapest am Mittwoch zum Risikogebiet erklärt hatte, warnt das Auswärtige Amt nicht nur vor Reisen nach Ungarn, sondern rät sogar direkt davon ab: „Von nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Ungarn wird aufgrund wieder eingeführter Einreisebeschränkungen* und Quarantänemaßnahmen derzeit abgeraten.“ Das die Pandemie eigentlich gut zu bekämpfen schienende EU-Land verzeichnete im August einen enormen Anstieg der Fallzahlen und reagierte daraufhin unter anderem mit Grenzschließungen.

Nickelsdorf: Ein Grenzbeamter kontrolliert an der österreichisch-ungarischen Grenze einen Autofahrer. Das 10-Millionen-Einwohner-Land machte seine Grenzen dicht.

Corona in Rumänien: Entwarnung und Warnung

In Rumänien gibt es vom RKI derweil eine kleine Entwarnung. Wegen sinkender Infektionszahlen gelten die Kreise Arges und Dambovita fortan nicht mehr als Risikogebiet. Neu hinzukamen allerdings die Kreise Neamt und Caras Severin. Darüber hinaus wird vom Auswärtigen Amt vor Reisen in die Kreise Bacău, Bihor, Brăila, Brașov, Iaşi, Ilfov, Prahova, Vâlcea und Vaslui sowie die Hauptstadt Bukarest gewarnt. Rumänien hat eine 14-Tages-Inzidenz von 86.

Corona in der Schweiz: Genf, Waadt und Freiburg - drei Kantone bereiten Sorge

In der Schweiz (Inzidenz von 62) entspannte sich die Corona-Lage zuletzt etwas. Drei der insgesamt 26 Kantone bereiten allerdings Sorge. Aufgrund steigender Infektionszahlen warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in die Kantone Genf, Waadt (Vaud) und Freiburg (Fribourg). Letzterer kam am Mittwoch neu hinzu.

Corona in den Niederlanden: Warnung vor Reisen nach Amsterdam und Rotterdam

In den Niederlanden stieg die Inzidenz zuletzt auf prekäre 80, was nun auch Folgen nach sich zieht. Die Provinzen Nordholland (Noord-Holland) und Südholland (Zuid-Holland) gelten seit Mittwoch als Risikogebiet. Dementsprechend warnt das Auswärtige Amt auch vor Reisen in diese Regionen, was für Touristen nicht unerheblich sein dürfte. Die Urlaubs-Hochburgen Amsterdam und Rotterdam liegen in den entsprechenden Provinzen. Darüber hinaus gilt weiterhin eine Reisewarnung für die Karibikinseln Aruba und Sint Maarten, die beide zum Königreich der Niederlande gehören.

Corona in Tschechien: Ungewohnte Lage im Land - neues Risikogebiet neben Prag

Tschechien galt in puncto Corona-Bekämpfung als eines der europäischen Vorzeigebeispiele. Die Regierung um Ministerpräsident Andrej Babis führte etwa als eines der ersten Länder eine Maskenpflicht ein. Im Moment ist die Situation im Nachbarland von Deutschland allerdings alles andere als entspannt. Eine 14-Tages-Inzidenz von 129 bedeutet Rang sieben im europäischen Vergleich. Dementsprechend gab es nun eine Überarbeitung des RKI. Die Region Středočeský (Mittelböhmische Region) wurde zum Risikogebiet ausgewiesen. Darüber hinaus wird weiterhin vor Reisen in die Hauptstadt Prag gewarnt.

Vor kurzem empfing der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (m) dem slowakischen Ministerpräsidenten Igor Matovic (l) und dessen tschechischen Amtskollegen Andrej Babis. In Wien ging es unter anderem um die Zusammenarbeit im Kampf gegen Covid-19.

Corona: Neue Einstufungen in deutschen Nachbarländern - Lage in Bundesrepublik dennoch ok

Alles in allem zeigen die neuen Einstufungen des Robert-Koch-Instituts, dass Corona eben noch nicht vorbei und die Sorge vor der zweiten Welle* vielerorts durchaus real ist. Dass mit Frankreich, Österreich, Tschechien, den Niederlanden und der Schweiz gleich fünf Nachbarländer von Deutschland neue Reisewarnungen ausgewiesen bekamen, zeigt auch, dass die Lage in Deutschland genauestens beobachtet werden muss. Aktuell steht die Bundesrepublik im europäischen Vergleich noch gut da (Inzidenz von 23) - dennoch sieht das RKI einen Trend, den es „aufmerksam zu beobachten“ gilt. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Die Einstufungen als Risikogebiet können sich aufgrund eines dynamischen Pandemie-Verlaufs schnell ändern. Falls Sie eine Reise ins Ausland planen, wird dringend empfohlen, sich im Vorhinein auf der Website des Auswärtigen Amtes zu informieren.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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