Deutsche Wirtschaft fürchtet längere Wachstumsschwäche

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Die Sorgen der Exportindustrie steigen laut DIHK mittlerweile deutlich. Foto: Jens Büttner

München (dpa) - Trübe Wachstumsaussichten verschlechtern die Stimmung in der deutschen Wirtschaft deutlich. Unerwartet stark fiel der Ifo-Geschäftsklima-Index - das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer - im Oktober.

Er sank von 104,7 auf 103,2 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag mitteilte. Es war bereits der sechste Rückgang in Folge.

Für das kommende Jahr rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit deutlich weniger Wirtschaftswachstum als bisher die Bundesregierung: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fällt demnach 2015 auf 0,8 Prozent, Berlin rechnet dagegen mit 1,3 Prozent. Die düsteren Prognosen schickten deutsche Aktien auf Talfahrt.

Der Ifo-Index sank deutlicher als erwartet: Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang um 0,2 auf 104,5 Punkte gerechnet. Die Unternehmen schätzten im Oktober sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Zukunftsaussichten schlechter ein. Vor allem in der Industrie habe sich die Stimmung deutlich eingetrübt, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Während der Ifo-Index zur aktuellen Geschäftslage von 110,4 auf 108,4 Punkte nachgab, fiel der Index, der die Erwartungen für die kommenden Monate widerspiegelt, von 99,3 auf 98,3 Punkte. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

"Das weltwirtschaftliche Umfeld bremst die Exportunternehmen und Investitionsgüterhersteller", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner laut Mitteilung. Die schlechte Stimmung verzögere Investitionen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, die deutsche Wirtschaft werde noch eine Zeit lang darunter leiden, dass das Nachfragewachstum aus den aufstrebenden Volkswirtschaften - zum Beispiel China, Brasilien und Indien - nachlasse.

"Aber selbst wir als Konjunkturpessimisten erwarten keine Rezession", sagte Krämer. Von einer Rezession sprechen Ökonomen, wenn das Wachstum in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgeht. Im vergangenen Quartal war das BIP in Deutschland bereits gesunken.

Deutsche Unternehmen stellen sich aber auf einen längeren Zeitraum mit schwächerem Wachstum ein. Der DIHK rechnet für das kommende Jahr nur noch mit einem geringeren Wirtschaftswachstum, in diesem Jahr soll das BIP lediglich um 1,3 Prozent zulegen. "Die Zuversicht der Unternehmen erhält einen deutlichen Dämpfer", schreibt der Verband.

Neben geopolitischen Sorgen beurteilten die Unternehmen auch die Entwicklung der Inlandsnachfrage wieder skeptischer. Die Unsicherheit, wie es bei der Binnenkonjunktur weitergehe, sei Spitzenreiter bei den Geschäftsrisiken. Die Bundesregierung hatte ihre Prognose kürzlich auf 1,2 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im nächsten Jahr nach unten korrigiert.

Die Sorgen der Exportindustrie steigen laut DIHK mittlerweile deutlich - von 36 auf 47 Prozent. Auch bei der Inlandsnachfrage befürchteten deutlich mehr Unternehmen Rückschläge und schraubten ihre Investitionen zurück.

Den deutsche Börsen-Leitindex schickten die schwachen Prognosen weiter in den Keller: Der Dax gab zwischenzeitlich um fast 1,4 Prozent auf 8863,91 Punkte nach.

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