Knappes Rennen bei Präsidentenwahl in Nigeria

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Der muslimische Oppositionskandidat Buhari vor der Stimmabgabe: Der frühere Militärdiktator liegt bei Präsidentenwahl in Nigeria vorn. Foto: EPA/Str

In Nigeria zeichnet sich bei der Präsidentenwahl ein Kopf-an-Kopf Rennen ab. Amtsinhaber Goodluck Jonathan holt auf. Damit ist offen, ob es im bevölkerungsreichsten Land Afrikas zum ersten Machtwechsel seit der Rückkehr zur Demokratie kommt.

Abuja (dpa) - Neue Auszählungsergebnisse der Präsidentenwahl in Nigeria deuten auf ein sehr knappes Rennen hin. Herausforderer Muhammadu Buhari lag mit gut 51 Prozent der bislang ausgezählten Stimmen nur noch knapp vor Amtsinhaber Goodluck Jonathan mit knapp 49 Prozent.

Der 72-Jährige frühere Militärdiktator gewann 13 der 36 Bundesstaaten des bevölkerungsreichsten Landes in Afrika, der 57 Jahre alte Jonathan konnte sich 12 Staaten und die Hauptstadt Abuja sichern, wie die Wahlkommission mitteilte. 

Weitere Ergebnisse der Abstimmung vom Samstag wurden noch im Laufe des Dienstags erwartet. Es blieb jedoch unklar, ob am Dienstag auch schon ein Endergebnis der Wahl bekanntgegeben würde. 

Beobachter gingen davon aus, dass Buhari nach wie vor große Chancen auf einen Sieg hat, da die meisten der noch nicht ausgezählten Staaten aus religiösen und ethnischen Gründen vermutlich mehrheitlich für ihn gestimmt haben. Der Oppositionskandidat ist vor allem im muslimischen Norden erfolgreich, Jonathan im christlichen Süden.

Buhari gelang es aber auch, den heiß umkämpften südlichen Staat Lagos zu gewinnen. Er kam nach Angaben der Wahlkommission auf 10,4 Millionen Stimmen, Jonathan auf 9,9 Millionen. Sollte Buhari die Wahl gewinnen, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit der Rückkehr des westafrikanischen Landes zur Demokratie 1999. 

Der Gewinner muss neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der Bundesstaaten gewinnen. Gelingt dies keinem Kandidaten, wäre eine Stichwahl nötig. 

Rund 70 Millionen Wahlberechtigte waren zur Abstimmung aufgerufen. Die Wahl verlief nach Ansicht von Beobachtern im Großen und Ganzen ordnungsgemäß, es wurde jedoch vor möglichen Manipulationen bei der Auszählung gewarnt. Aus Angst vor Protesten gegen die Wahlergebnisse wurde im südlichen Bundesstaat Rivers eine zunächst zeitlich unbegrenzte Ausgangssperre verhängt. 

Der Amtsinhaber und seine regierende Demokratische Volkspartei (PDP) hatten die Wähler mit der Aussicht auf Kontinuität umworben; Buhari und sein Oppositionsbündnis Partei der Fortschrittlichen (APC) versprachen die Bekämpfung der grassierenden Korruption und einen Sieg über den islamistischen Terrorismus der Boko Haram. Seit 2009 haben die sunnitischen Extremisten im Nordosten Nigerias mindestens 14 000 Menschen getötet.

Nigeria ist mit fast 180 Millionen Einwohnern das mit weitem Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas. Es ist der größte Ölexporteur des Kontinents und auch die größte Volkswirtschaft. Die Mehrheit der Nigerianer lebt jedoch immer noch in großer Armut. 

Wahlkommission

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