Es kommen hunderte Flüchtlinge

Nach Tumulten in Ungarn stellt sich Kroatien auf harte Tage ein

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Kroatische Polizisten bringen Flüchtlinge zu einem Bus.

Zagreb/Berlin - Ungarns Härte zwingt Flüchtlinge auf dem Balkan zu Alternativrouten. Kroatien rückt in den Fokus. Tumulte an der ungarischen Grenze enden mit mehreren Verletzten. Am Donnerstag besucht de Maizière die Bundespolizei in Rosenheim.

Nach dem Schwenk der Flüchtlinge auf der Balkanroute stellt sich das EU-Land Kroatien auf dramatische Tage ein. Stunden nach der Abriegelung der serbisch-ungarischen Grenze trafen Hunderte von Migranten an der Grenze Serbiens zu Kroatien ein. Wie das kroatische Innenministerium mitteilte, kamen am Mittwoch bis zum Abend 1191 Migranten an. Unter ihnen seien 818 Männer, 189 Frauen und 184 Kinder gewesen. „Hier ist es ganz schön voll geworden“, berichteten kroatische Reporter aus dem Ort Tovarnik.

Der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic hatte erklärt, sein Land werde die Menschen auf ihrem Weg in den Westen Europas unbehindert passieren lassen. Sollte es notwendig werden, werde in Absprache mit Slowenien ein Korridor in Richtung Österreich eingerichtet, sagte der kroatische Innenminister Ranko Ostojic.

Ungarn war bisher Haupt-Transitland auf der Flüchtlingsroute über den Balkan. Zu Wochenbeginn hatte das Land seine Grenze zu Serbien abgeriegelt. Die in Serbien Festsitzenden suchen nach Alternativen. Die meisten von ihnen wollen nach Westeuropa, insbesondere nach Deutschland.

An der ungarischen Grenze zu Serbien war es am Mittwoch zu stundenlangen Tumulten gekommen, als aufgebrachte Flüchtlinge versuchten, auf ungarisches Gebiet zu gelangen. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserwerfern. Mehrere Dutzend eingedrungene Flüchtlinge wurden über die Grenze zurückgedrängt. Am Abend beruhigte sich die Lage, als Busse auf Initiative der serbischen Behörden die Migranten abholten und in Auffanglager brachten.

Bei den Zusammenstößen waren auf ungarischer Seite nach offiziellen Angaben 20 Polizisten verletzt worden. Auch unter den Flüchtlingen gab es nach Medienberichten Verletzte. Belgrad protestierte wegen des Tränengaseinsatzes der Ungarn über die Grenze hinweg.

Kroatiens Regierungschef Milanovic sagte im Parlament, die Menschen, die sein Land erreichten, könnten durchreisen. „Diese Leute sind da, es sind Frauen, Kinder und Männer, die leben und etwas erreichen wollen.“ Es seien jedoch Menschen, die nicht in Kroatien leben wollten. Ungarns Regierungschef Viktor Orban kündigte in der „Welt“ an, sein Land werde auch an der Grenze zu Kroatien einen Zaun errichten.

Österreich stellt sich auf eine Verlagerung der Flüchtlingsrouten in die Alpenrepublik von Ungarn in Richtung Slowenien ein. Die Polizei wollte am Abend mit Kontrollen an der südlichen Grenze zu Slowenien beginnen, sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.

Slowenien liegt zwischen Kroatien und Österreich und gehört zur Schengen-Zone. Kroatien ist noch kein Schengen-Land. Um das Entstehen neuer Flüchtlingsrouten aus der Türkei zu verhindern, kündigten die EU-Länder Griechenland und Bulgarien an, Grenzzäune zu verstärken.

In Deutschland nahm die Zahl der an der Grenze zu Österreich ankommenden Flüchtlinge wieder zu. Am Mittwoch stoppte die Bundespolizei rund 4600 Asylsuchende beim Grenzübertritt, wie ein Sprecher in der Nacht mitteilte. Damit stieg die Zahl im Vergleich zum Dienstag deutlich. Da hatte die Bundespolizei rund 3500 Menschen gezählt. Viele Flüchtlinge kamen über die Saalachbrücke zwischen Salzburg und dem deutschen Grenzort Freilassing. Bundesinnenminister Thomas de Maizière besucht am Donnerstag (17.15 Uhr) mit EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos die Bundespolizei in Rosenheim.

Im europäischen Streit um die Verteilung von Flüchtlingen erwartet Avramopoulos einen baldigen Kompromiss. „Ich bin ziemlich optimistisch, dass am kommenden Dienstag beim Treffen der EU-Innenminister ein Durchbruch erzielt werden kann und man sich auf eine solidarische Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU einigen kann.“ Das sagte der aus Griechenland stammende Kommissar der Tageszeitung „Die Welt“ (Donnerstag).

Die Innen-Ressortchefs hatten sich am Montag bei einem Sondertreffen zwar grundsätzlich auf die Umverteilung von 120.000 Flüchtlingen verständigt. Es fehlt aber eine Vereinbarung, wie die Menschen auf die einzelnen EU-Staaten verteilt werden.

Alle aktuellen Informationen zur Flüchtlingskrise finden Sie in unserem Nachrichten-Ticker.

dpa

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