Bei Besuch in Jordanien

Flüchtlingskrise: Joachim Gauck kritisiert EU-Partner

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Joachim Gauck bei seiner Ankunft in Amman in Jordanien.

Amman - Viele EU-Länder wollen die Lasten bei der Aufnahme von Schutzsuchenden nicht teilen. Einen Besuch in Jordanien nutzt Bundespräsident Joachim Gauck zum Appell an die Verweigerer. Ob das etwas ändert?

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Hilfsbereitschaft der Deutschen in der Flüchtlingskrise gelobt und Kritik an der Zurückhaltung diverser EU-Partnerländer geübt. „Ich will schon anerkennen, was gerade wir Deutschen in den letzten Monaten und Wochen gebracht haben an Empfangsbereitschaft“, sagte Gauck vor einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II am Montag in Amman. „Aber wir sehen, dass nicht alle Staaten in Europa so wie unser Land, Schweden und Österreich agieren.“ Zugleich nannte der Bundespräsident es eine Pflicht, den Ländern in der Nachbarschaft Syriens bei der Aufnahme der Flüchtlinge zu helfen.

Mit Blick auf die von der Bundesregierung angestrebte Lastenteilung in der Europäischen Union bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise sagte Gauck, man könne „nur hoffen, dass in den nächsten Wochen und Monaten aus den vorsichtigen Überlegungen jetzt wirklich konkrete Entscheidungen werden“. Mit dem Besuch in Amman wolle er „auch die großartigen Leistungen der Jordanier würdigen, die mit rund 700.000 Flüchtlingen ein Maß an Hilfeleistung erbringen, von dem wir in Europa noch entfernt sind“.

"Haben Verpflichtung, Menschen zu helfen"

Aus diesem Grund werde er am Dienstag auch ein Flüchtlingslager in Asrak in der Nähe der syrischen Grenze besuchen, wo rund 26.000 Flüchtlinge wohnen. Er wolle damit auch zeigen, „dass wir irgendwie doch eine Verpflichtung haben, den Menschen zu helfen, die diese große Last tragen und die bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise soviel leisten, wie wir uns kaum zumuten mögen“. Er sei auch mit großer Erwartung nach Amman gekommen. Beim Besuch des Königs in Berlin Mitte Mai „haben mich seine analytischen Fähigkeiten und seine klaren Analysen total überzeugt“.

Gauck will am Vormittag zunächst die Deutsch-Jordanische Hochschule in der Hauptstadt Amman besuchen. Gegen Mittag wird der Bundespräsident von König Abdullah II. mit militärischen Ehren empfangen. Bei dem anschließenden Gespräch dürfte neben der Flüchtlingskrise auch der deutsche Beitrag beim Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zur Sprache kommen.

Jordanien hat nach UNHCR-Angaben bis Anfang Dezember etwa 633 000 syrische Flüchtlinge aufgenommen - bei einer Einwohnerzahl von rund 6,5 Millionen. Nur etwa 20 Prozent der Flüchtlinge leben in Lagern, die übrigen sind bei Einheimischen untergekommen.

dpa

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