Kreis Hersfeld-Rotenburg

Prozess wegen Verbreitung von Kinderpornografie: Auch ein Säugling war Opfer

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Hersfeld-Rothenburg: Prozess wegen Verbreitung von Kinderpornografie

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg wird ein Mann aus Wildeck verurteilt, weil er Kinderpornografie angeboten und verbreitet hat.

  • Prozess wegen Verbreitung von Kinderpornografie
  • 273.000 Bilder und Videos mit kinderpornografischen Inhalten gefunden
  • Mann aus Wildeck bekennt sich schuldig

Bad Hersfeld/Wildeck – 273.000 Bilder und Videos mit kinderpornografischen Inhalten hat ein 31-jähriger Mann aus Wildeck (Kreis Hersfeld-Rotenburg) im Internet heruntergeladen und teilweise auch verbreitet. Dafür ist er vor dem Bad Hersfelder Schöffengericht zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Die Fotos und Videos zeigten teils schwerste Misshandlungen von Kindern mit diversen sexuellen Praktiken, in mindestens einem Fall mit einem Säugling. Einige Opfer waren gefesselt. Die Kinderpornografie-Dateien befanden sich auf zahlreichen Festplatten, SD-Karten und Computern, die bei einer Hausdurchsuchung 2016 beschlagnahmt wurden.

Nach Verbreitung von Kinderpornografie: Mann aus Wildeck (Hersfeld-Rotenburg) verurteilt

Nach Verlesung der Anklage gab es zunächst ein 40-minütiges Rechtsgespräch, in dem Staatsanwältin Maier, Richterin Reidt, die Schöffen und Verteidiger Dr. Böttner unter Ausschluss der Öffentlichkeit über das Strafmaß verhandelten. Das Ergebnis: Im Gegenzug für ein umfängliches Geständnis wurde dem Angeklagten aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, der noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, zugesichert, dass seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

So wurde die Beweisaufnahme, die bei der Fülle der Daten über die Kinderpornografie äußerst viel Zeit in Anspruch hätte nehmen können, deutlich vereinfacht. Außerdem wurde ausgehandelt, dass der 31-Jährige, der nach eigenen Angaben 1.950 Euro netto monatlich verdient, 1.000 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlt.

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„Was ich getan habe, tut mir außerordentlich leid“, so der Angeklagte im vom Verteidiger verlesenen Geständnis, bei dem er alle Vorwürfe (u. a. die Verbreitung von Kinderpornografie) einräumte. Die Hausdurchsuchung sei für ihn ein Weckruf gewesen, durch den er die Kraft gefunden habe, „von diesen Dingen Abstand zu nehmen“. Er habe seitdem keine Straftaten mehr begangen und es gehe ihm nun besser. Er habe aber auch immer Angst davor gehabt, ins Gefängnis zu müssen.

Bis 2016 hatte er seinesexuelle Neigung, die ihm mit Anfang 20 erstmals als ernstes Problem bewusst wurde, aus Scham nie jemandem anvertraut, so derAngeklagte aus Wildeck (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Nach der Durchsuchung habe er sich um einen Therapieplatz bemüht – das ist aber in Deutschland während eines laufenden Verfahrens nicht möglich. Die Klärung, ob Therapiebedarf besteht, ist nun ebenso wie eine mögliche Therapie Bewährungsauflage.

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Bei seiner Gelegenheit zum letzten Wort sagte der Mann, der keine eigenen Kinder und im Alltag auch keinen engeren Kontakt zu Kindern hat: „Es tut mir leid für die Opfer. Was ihnen angetan wird, ist grausam.“ Er entschuldigte sich auch bei den Ermittlern, die sich das Kinderpornografie-Material hatten ansehen müssen.

Die Dateien hat der Verurteilte über eine Internettauschbörse heruntergeladen, deren Nutzung kostenlos ist – wer die Plattform nutzt, wird aber selbst automatisch auch zum Anbieter und stellt die Dateien anderen zur Verfügung. Das wusste der Mann aus Wildeck (Kreis Hersfeld-Rotenburg) auch. Er habe aber versucht, dies zu vermeiden, indem er die Geschwindigkeit drosselte, so sein Verteidiger.

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