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Flutkatastrophe in Deutschland: Helfer erheben schwere Vorwürfe – „Mit Müll beschmissen“

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Von: Luisa Billmayer

Viele Menschen packen nach der Flut-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit an. Doch mancherorts wurden Personen deswegen attackiert.

Koblenz ‒ Nach dem Hochwasser folgen Aufräumarbeiten. Zahlreiche Freiwillige und Einsatzkräfte helfen nach den schweren Unwettern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit. Doch nicht alle heißen die Helfenden freundlich willkommen. Sabine Lackner, Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), berichtete am Samstagmorgen von Angriffen und Beleidigungen auf die THW-Kräfte.

„Wenn sie mit Einsatzfahrzeugen unterwegs sind, werden sie mit Müll beschmissen“, sagte Lackner in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“. „Das geht dann so weit, dass unsere Helferinnen und Helfer beschimpft werden.“ An einigen Orten seien THW-Mitarbeitende von Menschen gefilmt worden, die sich nicht als Presse zu erkennen gegeben hätten.

Nach dem Unwetter in Rheinland-Pfalz
Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) helfen bei Aufräumarbeiten. (Symbolbild) © Alexander Mann/THW/dpa

Hochwasser-Gebiet: THW berichtet von Angriffen auf Helfer

Die Polizei Koblenz hat auf Twitter auf die Vorwürfe der THW-Sprecherin reagiert. „Wir selbst haben erst aus den Medien von diesem angeblichen Vorfall erfahren und dies sofort beim THW und unseren Polizeikräften überprüft“, twitterte die Polizei Koblenz um 11.24 Uhr. Bestätigen könne sie die Schilderungen nicht, zeigte sich aber solidarisch mit den Helfenden. „Sollte die Polizei von einem solchen Vorfall Kenntnis erhalten werden wir sofort und mit aller Entschiedenheit dagegen vorgehen. Unsere Helfer angreifen geht nämlich gar nicht!“, so das Fazit der Beamten vor Ort.

Die Lage sei für die helfenden Menschen vor Ort psychisch belastend und bedauerlich, erklärte Lackner in der TV-Sendung. Wegen der Vorfälle sei aber kein Einsatz abgebrochen worden. Außerdem hätten die THW-Kräfte teilweise ihre Namensschilder entfernt, um sich persönlich zu schützen, so Lackner.

Attacken bei Aufräumarbeiten: THW verdächtigt Prepper und Querdenker

Der THW-Vizepräsidenten zufolge stecken zum einen frustrierte Flutopfer hinter den Angriffen. Zum anderen handle es sich um Menschen aus der Querdenker- und Prepper-Szene, die sich als Betroffene ausgäben und bewusst Stimmung machten, stellte Lackner beklagend fest. Der Begriff Prepper bezeichnet Menschen, die sich mit allerlei Vorrat und Ausrüstung für etwaige Katastrophen ausrüsten.

Den Worten Lackners zufolge haben zudem derzeit rund 30.000 Menschen in den Flutgebieten kein Trinkwasser, keinen Strom oder müssen sogar auf beides verzichten. Das THW bereitet sich demnach auf einen längeren Einsatz vor. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir noch einige Wochen vor Ort sein werden.“ Jetzt könnte sich die Situation erneut verschlimmern: Der Deutsche Wetterdienst erwartet am Samstagnachmittag wieder starke Unwetter in der Region.

Freiwillige helfen im Hochwasser-Gebiet: Am Samstag kamen zu viele Menschen

Neben Organisation wie dem THW reisen auch Privatpersonen in das Krisengebiet, um ehrenamtlich bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Am Samstag (24. Juli) kamen jedoch so viele Menschen in die Region an der Ahr, dass die Polizei Koblenz versucht, weitere Freiwillige zu stoppen.

„Eine große Bitte an die unglaubliche Anzahl von Helfern: Bitte verzichtet ab sofort auf die Anreise in das Hochwasser-Gebiet an der Ahr. Alle Parkplätze sind voll, die Shuttles ausgelastet. Eure Hilfe wird auch in den nächsten Monaten noch benötigt. Vielen Dank für Euer Verständnis!“, schrieb die Polizei um 10.55 Uhr auf Twitter.

Um die Hilfsaktion besser zu koordinieren wurden offizielle Parkplätze ausgewiesen. Ein Shuttlebus-System bringt die Menschen dorthin, wo ihre Hilfe gebraucht wird. (lb mit dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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