"Das Schweigen Brechen"

Israel empört über kritische Ausstellung in Zürich

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Die beiden ehemaligen israelischen Soldaten Alon S. und Shay D. führen Besucher durch die Ausstellung.

Zürich - Israel setzt sich heftig gegen eine Ausstellung in Zürich zur Wehr, die seit Donnerstag die israelische Besatzung im Westjordanland kritisch dokumentieren will.

Der israelische Botschafter in Bern legte formellen Protest insbesondere dagegen ein, dass die von einer israelischen Bürgerrechtsgruppe organisierte Ausstellung von der Schweizer Regierung und von der Stadt Zürich finanziell gefördert wurde, wie das Eidgenössische Department für auswärtige Angelegenheiten bestätigte.

Ehemalige israelische Soldaten führen durch die Ausstellung

Israels rechtsgerichtete Vize-Außenministerin Zipi Chotoveli wies ihren diplomatischen Dienst an, alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Eröffnung der Ausstellung im Züricher "Kulturhaus Helferei" zu verhindern, wie ihr Sprecher mitteilte. Die Eröffnung war für Donnerstagabend geplant. Bis zum 14. Juni sollen dort die Berichte israelischer Soldaten über ihren Einsatz in den seit 48 Jahren besetzten palästinensischen Gebieten gezeigt werden. Ehemalige Soldaten sind ständig anwesend und führen durch die Ausstellung.

Veranstalter ist die Gruppe "Das Schweigen Brechen", die 2004 von früheren Wehrpflichtigen und Offizieren der israelischen Streitkräfte gegründet wurde, um den Soldaten im Schutz der Anonymität ein Forum für die Schilderung ihrer Erlebnisse zu geben. Erst im Mai veröffentlichte die Gruppe zahlreiche anonyme Zeugenaussagen, die ein völkerrechtswidriges Vorgehen der Armee gegen die palästinensische Zivilbevölkerung im Gaza-Krieg belegen könnten.

Ausstellung von Schweizer Regierung unterstützt

"Wir können die Machenschaften dieser Organisation nicht tolerieren, deren Ziel es ist, das internationale Ansehen der israelischen Armeeangehörigen zu beschmutzen und so dem Ruf Israels nachhaltig zu schaden", ließ sich Chotoveli, die politisch am rechten Rand der regierenden Likud-Partei angesiedelt ist, von ihrem Ministerium zitieren. Der Botschafter in Bern habe deshalb dem dortigen Auswärtigen Amt die "Entrüstung Israels" mitgeteilt.

Das Schweizer Ministerium erklärte auf Anfrage, zu Gesprächen unter Diplomaten äußere es sich prinzipiell nicht. Bestätigen könne es aber, dass die Organisation der Ausstellung mit 15.000 Franken von der Regierung und 10.000 Franken von der Stadtverwaltung in Zürich unterstützt wurde. Das entspricht insgesamt etwa 23.700 Euro.

Aktion führte bereits öfter diplomatischen Nöten Israels

"Das Schweigen Brechen" will mit den Wanderausstellungen, die bereits in zahlreichen Ländern gezeigt wurden, den Alltag im Westjordanland dokumentieren, wo Wehrpflichtige seit Jahrzehnten die grundlegender Rechte beraubten knapp drei Millionen palästinensischen Einwohner kontrollieren müssen.

Nach Angaben der israelischen Presse hatten öffentliche Zuwendungen für vergleichbare Ausstellungen auch früher bereits zu diplomatischen Nöten Israels geführt, so in Großbritannien und den Niederlanden. Im Berliner Willy-Brandt-Haus, der SPD-Zentrale, stellte die Gruppe ihre Zeugnisse im September 2012 dagegen aus, ohne dass es zu Protesten kam.

AFP

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