„So sehr mein Karnevalsherz blutet“

Karneval wegen Coronavirus vor dem Aus? Umfrage zeigt überraschende Meinung - doch Laschet zögert noch

Jens Spahn hat den Karneval in der Corona-Zeiten infrage gestellt. Die ersten Vereine haben reagiert - mit Absagen. Die Stimmung in der Bevölkerung scheint klar. Laschet gibt sich zögerlich.

  • Jens Spahn soll Corona-Bedenken bezüglich der Karneval-Saison geäußert haben. (Erstmeldung)
  • Fällt der Karneval 2020/21 aus? Noch gibt es kein konkretes Verbot, doch die Stimmung in der Bevölkerung scheint klar, wie eine Umfrage zeigt (Update vom 23. August, 14.12 Uhr). NRW-Ministerpräsident Laschet schlägt andere Töne an.
  • Die ersten Vereine haben jetzt ihre Veranstaltungen abgesagt. (Update vom 19. August, 15.32 Uhr)
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus*, die Corona-News aus Deutschland und eine Karte mit den aktuellen Fallzahlen in Deutschland.

Update vom 23. August, 14.12 Uhr: Corona vermiest den Deutschen die Feierlaune. Zwei Drittel der Erwachsenen (67 Prozent) befürworten eine bundesweite Absage aller kommenden Karnevalsfeiern. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor. Gegen eine Absage - also für den Karneval - sind dagegen 23 Prozent. In den Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf, Aachen und Mainz sprachen sich übrigens anteilig noch mehr Befragte für eine Absage aus als in Ostdeutschland (69 Prozent gegenüber 61 Prozent).

Karneval 2020/21: NRW-Ministerpräsident Laschet will über Verbot mit Karnevalisten beraten

Noch gibt es kein konkretes Verbot. Die ersten Vereine haben Umzüge an Karneval oder Prunksitzungen zwar bereits abgesagt, doch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will das Thema jetzt gemeinsam mit den Karnevalsvereinen entscheiden. „Ich will es im Konsens machen“, sagte Laschet am Samstagabend im WDR-Fernsehen. Er denke, „dass wir in zwei, drei Wochen Klarheit haben“, betonte der Regierungschef. Karneval sei für viele Menschen „auch ein Fest gegen die Obrigkeit“, bei dem sie gerade das machten, „was der Staat nicht will“, sagte Laschet. „Wenn dann am 11. 11. alle auf die Straße gehen und trotzdem feiern, ist es ganz schwer das durchzusetzen.“ Deshalb sei ein Konsens mit den Karnevalisten nötig. Am Ende werde es „eine klare Ansage des Landes geben“, sagte der Ministerpräsident.

Update vom 21. August, 17.01 Uhr: Der nordrhein-westfälische FDP-Chef und stellvertretende Ministerpräsident Joachim Stamp hat sich dafür ausgesprochen, alle Karnevalsumzüge der kommenden Saison abzusagen. Dies müsse auch für größere Sitzungen gelten, sagte Stamp am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. „Karneval lebt von Unbeschwertheit und auch Nähe. Ausgelassenes Feiern ist in der derzeitigen Lage allerdings nicht möglich.“

Wie schon viele andere Politiker äußerte auch Stamp, dass ihm dieses Urteil nicht leicht falle. „So sehr mein Karnevalsherz blutet“, sagte er. Hinsichtlich der Pandemie sollten sich alle zum Schutz des Brauchtums und der vielen ehrenamtlichen Aktiven „ehrlich machen“, Planungssicherheit schaffen und die großen Veranstaltungen absagen, forderte Stamp.

Kleine, kreative Veranstaltungen, bei denen Kontakte nachverfolgt werden könnten, seien dagegen „wohl möglich“, sagte Stamp.
„Vielleicht erleben wir ein echtes Revival der Büttenrede.“ Viele Vereine hätten bereits neue Formate in Planung. „Aber Singen, Schunkeln, Bützen - alles, was zur traditionellen Sitzung und den Umzügen dazugehört, ist in dieser Session völlig unrealistisch.“

Update vom 20. August, 9.57 Uhr: Gegen eine Absage des Karnevals 2020/21 hat sich auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) ausgesprochen. Allerdings müsse der Karneval anders gefeiert werden als bisher, sagte Hans am Mittwochabend in der ARD-Talksendung „maischberger. die woche“. Die Karnevalsvereine müssten sich darauf einstellen, „verantwortungsvoll“ zu planen. Er traue den Vereinen aber zu, Konzepte für den Infektionsschutz zu entwickeln, die dennoch „Freude“ am Karneval ermöglichten.

Karneval? Kita und Schule müssen Vorrang haben, so Spahn

Update vom 19. August, 19.40 Uhr: Jens Spahn hält an seinen Worten vom Dienstag fest. Am Mittwoch sagte er bei einem Besuch des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel: Er wisse um die Bedeutung des Karnevals für Millionen Menschen. „Aber wenn wir vor der Frage stehen: Ist die Kita möglich oder der Karneval, dann bin ich sehr sicher, dass ein Großteil der Gesellschaft da eine klare Antwort zu hat.“

Zudem müssten auch die Wirtschaft und der Handel vorrangig sein, denn es gehe um den Erhalt von Arbeitsplätzen, mit denen auch das Gesundheitssystem finanziert werde. Spahn betonte jedoch auch, dass Bund und Länder eine einheitliche Regelung für Privatfeiern in Corona-Zeiten finden wollen.

Karneval vor dem Aus: Nach Spahns düsterer Prognose - Künstler vor dem Ruin?

Update vom 19. August, 17.40 Uhr: Nachdem Jens Spahn das Aus für den Karneval 2021 angedeutet hatte (Erstmeldung), melden sich immer mehr Karnevalsvereine zu Wort. Einige äußern Kritik an der Meinung des Gesundheitsministers, andere haben ihre Veranstaltungen bereits abgesagt. Der Komiker und Fernsehmoderator Bernd Stelter bringt nun einen weiteren wichtigen Punkt ins Spiel. Könnte das Karneval-Aus den Ruin für viele Künstler bedeuten?

„Ich mach das jetzt seit 30 Jahren. Wenn das meine Existenz gefährden würde, dann hätte ich ganz viel falsch gemacht in den letzten Jahren“, meint Stelter über seine eigene Situation gegenüber der dpa. „Ich werde daran nicht pleite gehen. Aber junge Kollegen, die das vielleicht erst seit ein, zwei, drei Jahren machen oder auch die ganzen Technikfirmen, für die sieht das ganz, ganz böse aus.“ Für einige Künstler wäre die Absage des Karnevals wohl existenzgefährdend.

Video: Coronavirus: Wird Karneval 2020/21 komplett abgesagt?

Stelter sagt daher: „Karneval kann man nicht absagen.“ Man müsse sich alternative Konzepte überlegen, anstatt die Veranstaltungen per se abzusagen. Eine gefüllte Köln-Arena wäre natürlich nicht denkbar. Doch der Karneval bedeute Lebensfreude und davon „haben wir im Moment mal wirklich zu wenig.“

Karneval vor dem Aus: Nach Spahns düsterer Prognose - jetzt gibt es erste Konsequenzen - Absagen der Karnevalvereine

Update vom 19. August, 15.32 Uhr: Nach den von Gesundheitsminister Jens Spahn geäußerten Bedenken zum Karneval im kommenden Winter, haben die Lindener Narren harte Konsequenzen gezogen. Die Karnevalsgesellschaft aus Hannover hat beschlossen, alle Veranstaltungen abzusagen.

Karneval trotz Corona-Pandemie? Erster Verein sagt alles ab

„Das gab es noch nie in der über 55-jährigen Vereinsgeschichte“, zitiert Bild den Vereinspräsidenten Martin Argendorf, „Karneval in Sälen mit Abstand und Hygieneregeln, da lässt es sich nicht ausgelassen feiern.“ Als Alternativprogramm soll es ab dem Karnevalsstartschuss am 11. November digitale Angebote auf den Social-Media-Kanälen des Vereins geben.

Schon im Februar 2020 war die Corona-Pandemie Thema auf den Rosenmontagsumzügen. (Archivbild)

Ebenso wie die Lindener hat auch ein Verein aus Nordrhein-Westfalen entschieden. Der Bürgerverein Oppum hat entschieden die Karnevalsveranstaltungen, die für November geplant waren, abzusagen. Das berichtete die Westdeutsche Zeitung. Weil mit der Durchführung ein großer Planungsaufwand für viele Ehrenamtliche bestehe, habe sich der Verein dazu entschieden. Gleiches gilt für den Sankt-Martins-Umzug. „Wir haben uns entschieden, unseren St.-Martins-Umzug in diesem Jahr nicht zu planen“, sagt Frank Wübbeling vom Bürgerverein. „Wir wollten kein Risiko eingehen.“

Nach Spahns Karnveal-Bedenken: Braunschweiger haben noch Hoffnung

Noch Hoffnung hat hingegen das Komitee Braunschweiger Karneval. In einer Pressemitteilung heißt es: „Wir kennen noch nicht die Rahmenbedingungen für die Durchführung unserer großen Saalveranstaltungen, wir sind aber sicher, zumindest kleine Veranstaltungen in der kommenden Session organisieren zu können. Eventuell gelingt es uns, gemeinsam in Braunschweig völlig neue Formate zu entwickeln, wir sollten den Versuch wagen!“, so Linda Radke, Präsidenten der Karnevalsgesellschaft.

Update vom 18. August, 20.19 Uhr: Nachdem bekannt geworden war, dass Gesundheitsminister Jens Spahn der kommenden Karneval-Saison skeptisch gegenübersteht, haben sich Karnevalisten zu Wort gemeldet. Eine Absage des Karnevals zum jetzigen Zeitpunkt lehnt das Festkomitee Kölner Karneval ab. „Man muss nicht heute das verbieten, was in einem halben Jahr stattfinden soll“, sagte Michael Kramp, Sprecher des Festkomitees, des Dachverbands der meisten Kölner Karnevalsvereine. „Eine pauschale Absage mehrere Monate vor der Session halten wir für wenig zielführend“, ergänzte der Präsident des Festkomitees, Christoph Kuckelkorn.

Nach Spahns Karneval-Prognose: Karnevalisten melden sich zu Wort und fordern Mitspracherecht

Der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Karl-Ludwig Fess, erkläte gegenüber der Rheinischen Post, dass eine Absage für die Hochburgen „ein wirtschaftliches Desaster“ wäre. Er forderte Jens Spahn auf, den Bundesverband und Regionalvertreter zu einem runden Tisch einzuladen. „Die Gesundheit steht an erster Stelle, auch bei uns Karnevalisten“, so Fess, „aber bevor Veranstaltungen abgesagt werden, muss es darüber Gespräche geben.“

Jens Spahn will nun offenbar das erste Event 2021 absagen.

Die Kölner Karnevalisten wollten nicht um jeden Preis feiern, betonte Kramp. Sollte die Zahl der Infizierungen in nächster Zeit weiter zunehmen und die Corona-Schutzverordnung wieder verschärft werden, etwa so, dass sich nur noch Gruppen von bis zu zehn Menschen treffen dürften, dann seien Karnevalsfeiern natürlich nicht möglich. Das könne man aber derzeit noch nicht absehen, sagte Kramp.

Karneval vor dem Corona-Aus​: Gesundheitsminister Spahn will Wintersaison komplett absagen

Erstmeldung vom 18. August, 16.01 Uhr:

Berlin - Mit dieser Meldung dürfte aktuell vermutlich niemand gerechnet haben. Während aktuell Reiserückkehrer vermehrt das Coronavirus nach Deutschland einschleppen und somit für einen Anstieg der Neuinfektionen* sorgen, sorgt sich Gesundheitsminister Jens Spahn bereits jetzt um die Wintersaison. Wie die Rheinische Post nun unter Berufung auf Teilnehmer einer Telefonschalt-Konferenz des Gesundheitsausschusses des Bundestags berichtet, soll sich Spahn bereits um den Karneval sorgen.

Corona in Deutschland: Karneval 2020/2021? Gesundheitsminister mit eindeutiger Ansage

Demnach soll Spahn gesagt haben: „Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie*, schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es". Demnach habe sich Spahn dafür ausgesprochen, den Karneval bundesweit 2020 und auch 2021 ausfallen zu lassen.

Das Coronavirus* Sars-CoV-2* hat sich längst zu einer globalen Krise ausgebreitet. Viele Menschen haben Sorge, kein Winkel der Welt scheint sicher zu sein. Womit haben wir es eigentlich zu tun?*

Die Hoffnung, dass das Coronavirus zum Vorteil des Menschen mutiert, besteht weiterhin. Jetzt gibt es laut einem Virologen Anzeichen, dass genau das bereits eingetreten sei. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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