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Omikron-Welle: „Trügerischer“ Blick auf Intensivstationen - Ärzteverband warnt vor großem Fehler

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Von: Franziska Schwarz

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Coronavirus - Intensivstation
Ärzteverband warnt angesichts Omikron vor überlasteten Normalstationen. © picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Forscher fanden bei Omikron bisher eher milde Krankheitsverläufe. Doch was heißt „mild“? Experten raten dringend von Sorglosigkeit ab. Der News-Ticker.

Update vom 9. Januar, 10.15 Uhr: Susanne Johna, Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, warnt wegen der sich ausbreitenden Virus-Variante Omikron vor einer Überlastung der Normalstationen der Krankenhäuser in Deutschland. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagt Johna: „Es wäre ein Fehler, bei der Omikron-Welle nur auf die Auslastung der Intensivstationen zu schauen“. Die Ärztin begründet dies dadurch, dass zum einen insgesamt deutlich mehr Infizierte in den Krankenhäusern behandelt werden als bei der Delta-Variante, zum anderen könnte „der Großteil der Fälle“ in den „Notaufnahmen und auf den Normalstationen behandelt werden“. Es wäre, laut Johna, „trügerisch“ nur die Belegung der Intensiv-Betten als Maßstab für weitere Corona-Maßnahmen heranzuziehen.

Omikron: Auch in Argentinien und Brasilien angekommen

Update vom 7. Januar, 21.45 Uhr: Omikron lässt die Corona-Zahlen auch in Südamerika steigen. Argentinien hat zum ersten Mal mehr als 100.000 Corona-Infektionen innerhalb eines Tages registriert. 109.608 neue Fälle in 24 Stunden wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums des südamerikanischen Landes vom Donnerstag (Ortszeit) gemeldet. Noch vor wenigen Tagen hatte die Rekordmarke in dem 45 Millionen Einwohner zählenden Land bei 50.506 neuen Fällen am 30. Dezember gelegen. Am Dienstag waren 81.210, am Mittwoch 95.159 neue Fälle gemeldet worden.

„Omikron bringt uns viele Überraschungen. Wir wissen nicht, wo die Obergrenze für den Anstieg sein wird“, sagte Sonia Tarragona, Kabinettschefin im Gesundheitsministerium, der Zeitung El Clarín. Der Rekordwert trifft mit den Sommerferien auf der Südhalbkugel zusammen. Tausende Menschen reisten zu Weihnachten und Silvester im Land umher, in wichtigen Touristenzentren herrscht Hochbetrieb. Nur in wenigen Provinzen gelten noch Einschränkungen.

In Brasilien wurde inzwischen der erste Todesfall durch die Omikron-Variante registriert. Das Gesundheitsministerium bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag entsprechende Medienberichte. Demnach litt das 68-jährige Opfer an Vorerkrankungen. Berichten zufolge war der Mann dreimal gegen das Coronavirus geimpft. Zuletzt stieg die Zahl der Neuinfektionen auch in Brasilien wieder an.

Omikron: Niederlande melden neuen Corona-Rekordwert

Update vom 7. Januar, 18.25 Uhr: In den Niederlanden wurde ein neuer Rekordwert bei der Zahl der täglichen Neuinfektionen aufgestellt. Das zuständige Gesundheitsinstitut RIVM teilte am Freitag mit, dass fast 35.000 neue Corona-Fälle registriert wurden. Das sind rund 10.000 mehr als noch am Vortag. Noch nie zuvor wurde in den Niederlanden an einem Tag die Marke von 25.000 Neuinfektionen überschritten.

Trotz des harten Lockdowns steigen die Infektionszahlen seit gut einer Woche deutlich. Als Grund wird die schnelle Ausbreitung von Omikron genannt. Die Variante ist in den Niederlanden bereits dominant. Die extrem hohe Zahl am Freitag wird zum Teil auch mit einer technischen Störung am Vortag erklärt. Aber auch im Wochendurchschnitt registrierten die Behörden einen deutlichen Anstieg positiver Tests – um 63 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Experten rechnen damit, dass in Kürze auch die Zahl der Patienten in Krankenhäusern deutlich zunehmen wird. Die Regierung will Ende nächster Woche entscheiden, ob der Lockdown fortgesetzt oder gelockert werden soll.

Omikron: Soldaten helfen in britischen Krankenhäusern

Update vom 7. Januar, 16.30 Uhr: Wegen der Personalmängel durch die Omikron-Welle hilft in London seit Freitag die Armee in Krankenhäusern aus. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, sollen in den kommenden drei Wochen 200 Militärangehörige in der britischen Hauptstadt im Einsatz sein. Außerdem sollen 32 Soldaten im Rettungsdienst aushelfen. Auch in anderen Teilen des Landes sind Militärangehörige im Einsatz, um die Behörden bei der Bewältigung der Corona-Pandemie zu unterstützen. In Schottland werden ab Montag (10. Januar) rund 600 Kräfte aus dem Bereich der Bewährungshelfer und Spezialeinheiten bei der Polizei eingesetzt.

Großbritannien ist noch immer fest im Griff der Omikron-Welle - auch wenn Experten Anzeichen für eine Abflachung in London erkennen. Am Donnerstag wurden landesweit knapp 180.000 Neuinfektionen gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz wird mit rund 1800 angegeben. Strengere Einschränkungen lehnt die Regierung bislang unter Verweis auf die verhältnismäßig geringe Zahl der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle ab. Das britische Gesundheitssystem gerät aber wegen der hohen Zahl an krankheitsbedingten Ausfällen beim Personal immer mehr unter Druck. Bis Freitag hatten nach Angaben der Nachrichtenagentur PA allein in England 17 Krankenhausträger den Ernstfall ausgerufen, weil sie fürchten, wichtige Behandlungen nicht mehr gewährleisten zu können.

„So riesig und schnell“: WHO spricht von Omikron-„Flutwelle“

Erstmeldung vom 7. Januar: Genf - Omikron ist besonders infektiös. Die rasante Ausbreitung der Corona-Variante - auch in Deutschland - belegt es. Gleichzeitig gehen Experten davon aus, dass der Erreger vergleichsweise milde Krankheitsverläufe verursacht. Ein Grund zum Aufatmen also? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) widerspricht.

„Genau wie vorangegangene Varianten müssen Menschen wegen Omikron ins Krankenhaus, und es tötet Menschen“, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am 6. Januar. Auch wenn die neue Virus-Mutation* offenbar weniger schwer verläuft als die bisher vorherrschende Delta-Variante, dürfe Omikron deshalb nicht als „mild“ eingestuft werden.

Omikron: WHO meldet Rekord-Hoch bei Corona-Ansteckungen

Die „Flutwelle“ an Neuinfektionen* durch die Omikron-Variante sei „so riesig und schnell“, dass sie weltweit zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führe, warnte Tedros. Laut WHO wurden in der ersten Januarwoche weltweit knapp 9,5 Millionen Corona-Neuansteckungen gemeldet. Das sind 71 Prozent mehr als in der Vorwoche - und ein neuer Höchststand.

Der WHO-Chef prangerte erneut das Vorgehen reicher Länder an, die einen Großteil der verfügbaren Corona-Impfdosen für sich in Anspruch genommen hätten. Ein solches Handeln schaffe einen idealen Nährboden für die Entstehung neuer Virus-Varianten in Ländern mit einem schlechteren Zugang zu Impfdosen, warnte Tedros und sieht darin einen fatalen Fehler.

Weltweite Impf-Kampagne: Erst wenige Länder können Boostern

Er forderte daher erneut eine gerechte Verteilung der Impfstoffe. „Eine Auffrischungsimpfung* nach der anderen in einer kleinen Anzahl von Ländern wird eine Pandemie* nicht beenden, wenn gleichzeitig Milliarden von Menschen völlig ungeschützt bleiben“, sagte er.

Die WHO-Expertin Maria Van Kerkhove betonte, es sei „sehr unwahrscheinlich“, dass Omikron die letzte Variante vor dem Ende der Pandemie sein werde. Sie rief die Menschen daher auf, die Hygienemaßnahmen besser zu befolgen: „Tun Sie alles, was wir Ihnen raten, besser, umfassender und gezielter.“ (frs/AFP/dpa)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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