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Papst Franziskus hält vor dem Europaparlament eine Rede.

Ermahnungen zur Einwanderung

Papst Franziskus spricht vor EU-Parlament

Straßburg - Als zweites Oberhaupt der katholischen Kirche wird Papst Franziskus am Dienstag das Europaparlament in Straßburg besuchen und das Wort ergreifen.

Nach einem Gespräch mit Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) will Franziskus am Vormittag vor dem Plenum des Parlaments das Wort ergreifen. Anschließend ist ein Besuch im Europarat geplant. Insgesamt wird sich Franziskus weniger als vier Stunden in Straßburg aufhalten - dies ist laut Vatikansprecher Federico Lombardi die bisher kürzeste Auslandsreise eines Papstes.

Nach Angaben informierter Kreise im Vatikan dürfte Franziskus, der erste Papst aus Lateinamerika, das Thema Einwanderung aufgreifen und Europa ermahnen, wieder ein gastfreundlicher Kontinent zu werden und gegen Abschottungstendenzen anzukämpfen. Weitere Themen seiner Ansprache könnten die soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit sowie die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa sein.

Zu der Sitzung im Straßburger Plenarsaal werden unter anderen auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der scheidende Ratspräsident Herman Van Rompuy sowie der italienische Regierungschef Matteo Renzi erwartet, dessen Land derzeit den EU-Vorsitz innehat.

Im 1949 gegründeten Europarat, der die älteste und mit 47 Mitgliedsländern auch die größte europäische Staatenorganisation ist, soll Franziskus gegen Mittag vom Generalsekretär Thorbjörn Jagland begrüßt werden. Anschließend will er vor hohen Vertretern der paneuropäischen Staatenorganisation sowie den Richtern des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte eine Ansprache halten.

Begleitet wird der Papst unter anderem vom ungarischen Kardinal Peter Erdö, dem Vorsitzenden des Rates der Europäischen Bischofskonferenz, sowie vom deutschen Kardinal Reinhard Marx, dem Erzbischof von München und Freising.

Die Straßburger werden den Papst kaum zu sehen bekommen, weil Franziskus vom Flughafen direkt zum Sitz des Europaparlaments am Rande der elsässischen Metropole gefahren wird. Seine Auftritte werden aber live ins Straßburger Münster übertragen, wo sich zahlreiche Gläubige versammeln dürften.

Die Straßburger Diözese hatte sich vergeblich um einen Besuch des Papstes im berühmten gothischen Münster bemüht, das in diesem Jahr das tausendjährige Bestehen seiner Fundamente feiert. Der Vatikan begründete seine Absage mit dem Hinweis, es handele sich um eine rein diplomatische Reise zu den europäischen Institutionen. Einen "apostolischen Besuch" in Frankreich stellt der Vatikan für kommendes Jahr in Aussicht.

Seit seinem Amtsantritt im März vergangenen Jahres besuchte Franziskus bereits Brasilien, den Nahen Osten, Südkorea und im September als erstes europäisches Land Albanien. In Tirana verurteilte der 77-jährige mit scharfen Worten religiös motivierte Gewalt. Niemand, der Gewalt gegen Mitmenschen ausübe, dürfe Gott als "Schutzschild" missbrauchen. Das mehrheitlich muslimische Albanien mit seinen christlichen Minderheiten lobte er als "Modell" für ein friedliches Zusammenleben. Seine nächste Auslandsreise soll Franziskus Ende des Monats in die Türkei führen.

In den Fußstapfen von Papst Johannes Paul II.

Als erster Papst hatte Johannes Paul II. im Oktober 1988 vor dem Europaparlament gesprochen. Der gebürtige Pole plädierte damals - ein Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer - für ein geeintes, christliches und nach Osten hin geöffnetes Europa.

AFP

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