Schuldenstreit: Argentinien und Hedgefonds im Clinch

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Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof sagte, die Hedgefonds seien kaum zu Kompromissen bereit. Foto: Jason Szenes/Archiv

New York (dpa) - Argentiniens Rechtsstreit mit New Yorker Hedgefonds um alte Anleiheschulden spitzt sich wieder zu. Wirtschaftsminister Axel Kicillof lehnte es gegenüber dem Sender "Del Plata" ab, die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Die klagenden Investoren bezeichnete er als "starrsinnig".

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: "Herr Kicillof scheint so mit seinem Redenhalten beschäftigt zu sein, dass er sich keine Mühen macht, ein ernsthaftes Problem davon abzuhalten, noch viel schlimmer zu werden", sagte Mark Brodsky, Chef des Hedgefonds Aurelius Capital Management.

Aurelius führt zusammen mit NML Capital aus dem Elliott-Imperium des US-Milliardärs Paul Singer die Klage gegen Südamerikas zweitgrößte Volkswirtschaft an. Wegen des seit Jahren andauernden Konflikts um offene Schulden, die noch aus der Staatspleite von Ende 2001 stammen, darf Argentinien derzeit laut einer richterlichen Verfügung nicht alle seine Staatsanleihen bedienen. Ratingagenturen bewerten das Land deshalb als "technisch zahlungsunfähig". Kicillof betreibe politische Ablenkungsmanöver, während Argentiniens Schuldenberg wachse und die Wirtschaft im Abwärtssog versinke, sagte Aurelius-Manager Brodsky.

Eigentlich hatten die Zeichen in der Auseinandersetzung Hedgefonds gegen Argentinien - oder "Geier" gegen "Gesetzlose", wie die Streitenden sich gegenseitig beschimpfen - zuletzt auf Annäherung gestanden. Denn zum Jahreswechsel hatte sich ein wichtiges Detail im Konflikt geändert, das eine Lösung eigentlich näherbringen könnte: Ende 2014 lief eine Klausel aus, die es Argentinien verbot, den Fonds Vorteile gegenüber anderen Gläubigern einzuräumen, die nach der Staatspleite 2001 hohe Verluste in Kauf genommen hatten. Somit wäre nun neuer Verhandlungsspielraum gegeben.

Doch Wirtschaftsminister Kicillof sagte im Rundfunk, die Hedgefonds zeigten sich kaum kompromissbereit und seien nur bereit, auf 15 Prozent ihrer Forderungen über etwa 1,6 Milliarden Dollar (rund 1,4 Mrd. Euro) zu verzichten. Das käme für die argentinische Regierung jedoch nicht in Frage.

Die verhärteten Fronten könnten allerdings auch Verhandlungstaktik sein. Viele Anleger setzen auf eine Lösung des Streits in absehbarer Zeit - aber unter einem neuen Staatsoberhaupt. Denn im Oktober sind Wahlen und die amtierende Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner darf dann nicht mehr antreten.

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