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Hitze-Drama in Spanien: so schlimm wie 1950 – Waldbrände und evakuierte Städte

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Von: Christoph Gschoßmann

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Hitzewelle in Spanien
Ein öffentliches Thermometer im Zentrum von Sevilla zeigt eine Temperatur von 49 Grad Celsius an. © Angel Garcia/ZUMA Press Wire/dpa

Die Deutschen schwitzen unter der Hitze-Welle - doch die Spanier leiden bei Temperaturen deutlich über 40 Grad umso mehr. Die Waldbrandgefahr steigt, im Gebiet um Navarra bleibt die Situation kritisch.

Update vom 19. Juni, 22.43 Uhr: Im Gebiet um Navarra sind weiterhin fünf Brände nicht unter Kontrolle. In der Region sind auch Einsatzkräfte aus den Nachbargemeinden Aragón, La Rioja und Euskadi sowie von der Zentralregierung im Einsatz. Die Bemühungen konzentrieren sich derzeit auf sechs Brandherde, darunter San Martín de Unx und Ujué; Belascoain und Guirguillano; Artazú und Iracheta, wie der Nachrichtensender RTVE am Sonntag berichtete.

Hitzewelle in Spanien: Waldbrände in Navarra weiterhin kritisch, Sierra de la Culebra unter Kontrolle

Update vom 19. Juni, 17.40 Uhr: Die Situation im Gebiet um Navarra bleibt weiterhin kritisch. In den letzten Stunden mussten mehr als fünfzehn Städte in Navarra wegen mehrerer Brände in der Nähe geräumt werden, berichtet die spanische Tageszeitung El Pais am Sonntag. Das Feuer hat mehrere bewohnte Gebiete wie Valtierra, Arguedas, Obanos und Gebiete von Puente La Reina teilweise in Mitleidenschaft gezogen, Personen sind jedoch bislang nicht zu Schaden gekommen. Derzeit konzentrieren sich die Bemühungen der Einsatzkräfte auf die Sierra de Valdorba, das Arguiñáriz-Gebiet, die Sierra de Codés und das San Cristóbal-Gebiet in der Nähe der Region Pamplona.

Der Waldbrand im Gebiet Sierra de la Culebra in der Region Zamora ist indes weitgehend unter Kontrolle. Der nächtliche Temperaturabfall, Windstille und vereinzelte Regenschauer haben es ermöglicht, die Flammen einzudämmen, wie El Pais berichtet. Viele Bewohner der umliegenden, evakuierten 18 Städte durften in ihre Häuser zurückzukehren. Die für den Verkehr gesperrten Straßen (einschließlich der Nationalstraßen 631 und 525) sind wieder geöffnet, ebenso wie die Bahnverbindungen zwischen Madrid und Galicien.

Nach tagelanger Hitzewelle in Spanien: Temperatur fällt vielerorts wieder auf unter 40 Grad Celsius

Update vom 19. Juni, 14.30 Uhr: Die Thermometer in Spanien fielen nach einer ungewöhnlich heftigen, tagelangen Hitzewelle in vielen Landesteilen wieder auf unter 40 Grad Celsius, in manchen Gegenden wurde sogar die 30-Grad-Marke unterschritten. Auch auf der beliebten Urlaubsinsel Mallorca war das Wetter, wie dpa berichtet, mit rund 30 Grad Celsius in den Küstenregionen wieder deutlich angenehmer.

Die in den vergangenen Tagen ausgebrochenen Waldbrände wüten aber zum Teil noch weiter. Die Lage in Navarra war nach Angaben der Regionalregierung mit fünf aktiven Bränden weiter „sehr kritisch“. Wegen des Windes sei die Situation unberechenbar. Alle verfügbaren Kräfte seien im Einsatz. Die Bewohner mehrerer kleinerer Orte wie Etxarren, Arzoz, Muskiz oder San Martín de Unx seien in Sicherheit gebracht worden. Der schlimmste Brand im Gebirgszug Sierra de la Culebra unweit der Grenze zu Portugal im Nordwesten Spaniens konnte den Angaben zufolge jedoch dank niedrigerer Temperaturen und einiger Regenfälle unter Kontrolle gebracht werden. Dort waren rund 25 000 Hektar Wald vernichtet worden. Auch in Katalonien entspannte sich die Lage. Die meisten Feuer konnten entweder gelöscht oder zumindest unter Kontrolle gebracht werden, wie die Regionalregierung mitteilte.

Die Hitzewelle in Spanien klingt nach einer guten Woche deutlich ab. Trotzdem zieht es viele Menschen etwa in Barcelona bei den hohen Temperaturen an den Strand.
Die Hitzewelle in Spanien klingt nach einer guten Woche deutlich ab. Trotzdem zieht es viele Menschen etwa in Barcelona bei den hohen Temperaturen an den Strand. © Emilio Morenatti/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wetter: Temperaturen „alles andere als normal“, Ozon in sonnenreichen Regionen problematisch

Update vom 19. Juni, 9.45 Uhr: „Die Hitzewelle in Spanien ist zu früh, von beispielloser Dauer und Heftigkeit und es ist klar, dass die Folgen des Klimawandels nicht irgendwo in der Zukunft spürbar werden, sondern jetzt. Für die nähere Zukunft lässt sich annehmen, dass diese Episoden, die Menschen durch die hohen Tages- und Nachttemperaturen überfordern, öfter und schlimmer sein werden.“, so die spanische Zeitung El País zu den gegenwärtigen Temperaturen. Die diesen Sonntag zu erwartende Hitzewelle rollt von der iberischen Halbinsel, sowie Frankreich aus nach Deutschland; europaweit ist die Wetterentwicklung um diese Jahreszeit ungewöhnlich.

„Temperaturen jenseits der 35 Grad sind alles andere als normal für Mitte Juni“, bestätigt auch die deutsche Diplom-Meteorologin Corinna Borau vom Wetterdienst wetter.com. Wie Meteorologe Dr. Alexander Hildebrand gegenüber Welt erklärt, würden die Rekordtemperaturen zwar hierzulande deutlich kürzer auftreten als in Südeuropa, allerdings würde die Hitze eine weitere Gefahr mit sich bringen. „Ozon ist am Wochenende ein Problem in den Regionen, in denen es warm ist“, so Hildebrand. Diese Lage entstünde durch Emissionen, verschärft durch den Umstand, dass Pflanzen selbiges bei großer Hitze nicht gut abbauen würden. Es sei anzuraten, die Sonne zu meiden und sportliche Aktivitäten zu vertagen.

Hitzewelle in Spanien: Heftigste Juni-Welle seit 1950 - Hoch David setzt dem Land zu

Erstmeldung vom 18. Juni: Madrid/München - Spanien stöhnt unter der Rekord-Hitze: Im Urlaubsland herrscht die schlimmste Juni-Hitzewelle seit 1950. Im anadlusischen Andújar wurden bis zu 44,3 Grad registriert. Aus Sevilla gibt es Fotos von öffentlichen Thermometern, die gar 49 Grad anzeigen. Grund ist Hoch David.

In den Städten kühlten sich die Spanier am Samstag (18. Juni) oft in Brunnen, Eisdielen und klimatisierten Einkaufszentren ab, wie Medien berichteten. Die Strände an der Mittelmeer- und auch an der Atlantikküste waren teils schon am frühen Vormittag voll.

Besonders heiß sollte das Wetter am Samstag nach Angaben des Wetterdienstes Aemet mit 40 bis 42 Grad vor allem in den Regionen Katalonien, Navarra und Baskenland im Nordosten und Norden des Landes sowie in Andalusien im Süden werden. In der Hauptstadt Madrid sollte die Quecksilbersäule am Samstag auf bis zu 39 Grad klettern. Auf der Ferieninsel Mallorca wurden bis zu 37 Grad erwartet.

Hitzewelle sorgt für Waldbrände in Spanien

Auch nachts wird es nicht viel kühler. In weiten Teilen des Landes sinken die Temperaturen nach dem Untergang der Sonne kaum auf 20 Grad ab. Die sogenannten tropischen Nächte bringen die Spanier um den Schlaf.

Für die Wälder des Landes stellen die Temperaturen eine große Gefahr dar. Die Hitze und die Trockenheit begünstigten den Ausbruch zahlreicher Waldbrände, die nach amtlichen Angaben in verschiedenen Teilen Spaniens in wenigen Tagen bereits gut 25 000 Hektar zerstörten. Das entspricht einer Fläche von etwa 35 000 Fußballfeldern. Am Samstag loderten die Flammen vielerorts noch unkontrolliert. Am schlimmsten war die Lage am Gebirgszug Sierra de la Culebra unweit der Grenze zu Portugal im Nordwesten Spaniens, wo schon 20 000 Hektar Wald vernichtet und 1700 Menschen in Sicherheit gebracht wurden.

Hitze in Spanien: Absoluter Rekord bei 47,4 Grad Celsius

Ein Ende der hohen Temperaturen ist aber in Sicht. Die Hitzewelle werde ab Sonntag nach einer guten Woche deutlich abklingen, kündigte Aemet an. In Madrid etwa soll es noch rund 30 Grad geben. Auf Mallorca und in Navarra werden Einheimische und Urlauber noch mindestens bis Montag bei Temperaturen von bis zu 37 Grad weiter kräftig schwitzen.

Aemet-Sprecher Rubén del Campo sagte, dass Hitzeperioden in Spanien zunähmen. Der absolute Rekord wurde im vorigen August in Montoro in Andalusien gemessen: 47,4 Grad. Diese Entwicklung sei auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen. Man werde sich nicht wundern dürfen, wenn irgendwann die 50-Grad-Marke erreicht werde, warnte der Wetterdienst-Sprecher im Interview mit der Zeitung La Vanguardia. (cg mit dpa)

Zuerst die Hitze - dann die Blitze? Deutschland muss sich laut einem Wetter-Experten auf Unwetter einstellen, die auf die heißen Temperaturen folgen könnten.

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